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Mainz (ots) - "team.recherche" prüft Nachhaltigkeits-Versprechen der Plattform,
die mehrheitlich "H&M" gehört / Neue "team.recherche"-Doku des SWR: "Inside
Secondhand - wo deine Kleider wirklich landen" ab Donnerstag, 5. März 2026 in
der ARD Mediathek
Mainz/Berlin. Die Secondhand-Plattform "Sellpy" (mehrheitlich "H&M") gibt ihren
Kunden teils vollmundige Versprechen, die in der Realität kaum eingehalten
werden können. Das zeigen Recherchen des "team.recherche" des SWR. Demnach
verspricht die Plattform, dass Kleidungsstücke ihrer Kunden verkauft, gespendet
oder recycelt werden - und man damit für "eine nachhaltigere Zukunft" sorge.
Doch die Recherchen zeigen: In einigen Fällen legen Kleidungsstücke nicht nur
weite Wege zurück. Einige von ihnen landen bei einem Autoteilehändler in Polen,
um anschließend mutmaßlich nach Afrika verfrachtet zu werden, oder auf einem
Hinterhof in Pakistan.
Tracker-Recherche über anderthalb Jahre
Für die Recherche haben die Reporterinnen anderthalb Jahre die Spuren von zwölf
Kleidungsstücken mit Trackern verfolgt. Die Kleidung hatten sie an die Plattform
"Sellpy" geschickt. Viele der Kleidungsstücke legten dann hunderte Kilometer
zurück, teils über mehrere Länder hinweg. Einige wurden schließlich verkauft,
andere landeten an Orten, von denen auf der Internetseite von "Sellpy" nichts zu
lesen ist.
Hose landet bei Zwischenhändler in Polen
In einem Fall beispielsweise landete eine von den Reporterinnen an Sellpy
geschickte Hose, die nach Angaben von "Sellpy" hätte gespendet werden sollen,
auf einem polnischen Hof. Nach Recherchen des "team.recherche" gehört das
Grundstück einem Händler für Autoteile, der laut eigener Aussage auch Kleidung
in afrikanische Länder verkauft. Im Telefonat mit "team.recherche" bestätigte
der Händler, dass er auch von "Sellpys" Spendenpartner Kleidung kaufe und
anschließend weiterverkaufe. Auf Nachfrage räumt "Sellpys"-Spendenpartner ein,
dass Kleidungsstücke tatsächlich weiterverkauft würden, obwohl das auf der
"Sellpy"-Website nicht transparent gemacht wird. Das eingenommene Geld werde
aber gespendet, heißt es.
Spendenpartner: Sachverhalt werde untersucht
"Sellpy" teilte "team.recherche" mit, im Vertrag mit seinem Spendenpartner sei
geregelt, dass Artikel nicht außerhalb Europas verkauft werden dürften. Man
verifiziere, dass Verträge eingehalten würden. Der Spendenpartner bestätigte
das. Man untersuche derzeit gemeinsam mit "Sellpy" den Sachverhalt, um
sicherzustellen, dass dies nicht wieder vorkomme.
Kleidungsstück in Pakistan verbrannt?
In weiteren Fällen landeten getrackte Kleidungsstücke in Pakistan. Diese sollten
laut "Sellpy" recycelt werden. Doch in einem der Fälle führten die Tracker die
Reporterinnen auf einen Großmarkt der pakistanischen Stadt Karachi. Nach Angaben
von Mitarbeitern wird Kleidung in schlechtem Zustand dort aussortiert und an
andere Orte des Landes gebracht. Die Kleidung werde dann als Brennstoff genutzt.
"team.recherche" liegen Aufnahmen vor, die belegen, wie zahlreiche
Kleidungsstücke in einer Ziegelsteinfabrik verbrannt werden.
Ob auch die Hose verbrannt wurde, die während des Tracking-Versuchs über
"Sellpy" auf diesem Markt landete, lässt sich abschließend nicht klären.
Aufgrund des schlechten Zustands des Kleidungsstücks erscheint dies allerdings
wahrscheinlich.
"Sellpy": Partner halte sich an europäische Vorgaben
"Sellpy" verwies auf "team.recherche"-Anfrage an einen Recycling-Partner. Dieser
könne Kleidungsstücke, die während der Sortierung als unverkäuflich eingestuft
würden, an globale Märkte wie Pakistan versenden. Dieser Partner halte sich an
europäische Vorgaben und habe 2025 nur zehn Prozent der sortierten Kleidung
entsorgt. Der Recycling-Partner selbst ließ eine Anfrage unbeantwortet. Weiter
teilte "Sellpy" mit, "Sellpys" Partner würden keine unsortierten Textilien in
großen Mengen exportieren und stattdessen mit vertrauenswürdigen
Second-Hand-Händlern arbeiten. Zu dem Vorwurf der weiten Transportwege teilte
das Unternehmen mit, man halte eine erhebliche Menge gebrauchter Artikel im
Umlauf und verlängere so deren Lebensdauer. Die Produktion eines neuen
Kleidungsstücks verbrauche mehr Ressourcen als der Transport.
Verbraucherschützerin: " Vortäuschung von Nachhaltigkeit "
Kritik kommt von Verbraucherschützern. Wenn Unternehmen solche Versprechen
abgäben, ohne dass sie ganz genau wüssten, wo die Kleidung am Ende lande und wie
mit ihr umgegangen werde, dann sei das ein falsches Versprechen, so die
Einschätzung von Ruth Preywisch, Projektleiterin bei der Verbraucherzentrale
Rheinland-Pfalz. Das sei auch eine Vortäuschung von Nachhaltigkeit und
Verbrauchertäuschung, so Preywisch.
"team.recherche"-Doku "Inside Secondhand: wo Deine Kleidung wirklich landet"
team.recherche ist das neue investigative Doku-Format der ARD für die Mediathek.
Junge Reporter-Teams von BR, MDR, NDR, SR, SWR und WDR liefern monatlich
exklusive Recherchen mit starkem Storytelling. Im Fokus stehen die Recherchen zu
gesellschaftlich relevanten Themen - spannend und nah erzählt. Federführer der
Formatredaktion sind BR und SWR. "team.recherche" ist eine Weiterentwicklung der
Formate "Vollbild" (SWR) und "Dirty Little Secrets" (BR). Alle Folgen von
"team.recherche" finden sich künftig in der Investigativ-Rubrik der ARD
Mediathek unter http://www.ardmediathek.de/investigativ .
Die ganze Recherche "Inside Secondhand - wo deine Kleider wirklich landen" ist
ab Donnerstag, 5 März 2026, in der ARD Mediathek zu sehen unter
https://1.ard.de/teamrecherche_secondhand?pm
Zitate gegen Quellenangabe frei.
Pressefotos unter
https://transfer.labo-m.com/web/client/pubshares/f59jnnb9hnLh9ubGECDnDv/browse (
https://eur03.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Ftransfer.labo-
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eserved=0) oder auf ARD-foto.deoder auf ARD-foto.de
Infos auch hier: http://swr.li/team-recherche-inside-second-hand
Rückfragen der Presse bitte an die SWR-Redaktion "team.recherche" unter 06131
929 33352.
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/7169/6229051
OTS: SWR - Südwestrundfunk
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