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Düsseldorf (ots) - VDI-Studie: Qualifizierung und Re-Skilling entscheiden über
Deutschlands Innovationsfähigkeit
Deutschland steht vor einer strukturellen Paradoxie: Während in einzelnen
Industriezweigen Stellen abgebaut werden, fehlen in anderen Bereichen
Ingenieurinnen und Ingenieure. Technologische Sprünge - insbesondere getrieben
durch Künstliche Intelligenz - verändern Kompetenzprofile rasant. Gleichzeitig
verschärfen demografischer Wandel und internationaler Wettbewerbsdruck den
Fachkräftemangel. Eine aktuelle VDI-Studie zeigt, dass Qualifizierung und
Re-Skilling in technischen Berufen keine Randthemen sind, sondern ein Schlüssel,
um Fachkräfte gezielt in neue Aufgaben zu bringen.
KI beschleunigt den Wandel: VDI-Studie zeigt massiven Re-Skilling-Bedarf in
Ingenieurberufen.
80 % geben an, ihre Kompetenzen erweitern zu müssen
Die VDI-Studie, die im Rahmen der Initiative " Zukunft Deutschland 2050
(https://www.vdi.de/themen/zukunft-deutschland-2050) " durchgeführt wurde,
verdeutlicht den Handlungsdruck:
- Rund 80 % der befragten Ingenieurinnen und Ingenieure geben alters- und
branchenunabhängig an, ihre Kompetenzen in den kommenden drei Jahren erweitern
zu müssen, um beruflich erfolgreich zu bleiben.
- Knapp zwei Drittel sehen einen hohen oder sehr hohen Re-Skilling-Bedarf in
ihrer Branche.
- 71 % zeigen ein hohes oder sehr hohes Interesse an entsprechenden
Weiterbildungsangeboten.
- Rund 1/4 der Befragten bewerten die Zukunftsfähigkeit ihrer Branche bzw. Ihres
Unternehmens als kritisch, insbesondere in Teilen der Chemie-, Metall- und
Fahrzeugindustrie.
In den kommenden zehn Jahren werden rund 315.000 Ingenieur- und IT-Fachkräfte
altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Gleichzeitig sind bereits heute
über 100.000 Stellen im Ingenieur- und IT-Bereich unbesetzt. Geplante
Investitionen erhöhen den Bedarf zusätzlich, etwa in Infrastruktur, Verteidigung
und Zukunftstechnologien.
Die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen ist laut den Ergebnissen vorhanden.
Doch gezielte Qualifizierung und Re-Skilling scheitern häufig an strukturellen
Rahmenbedingungen, Transparenz und zeitlichen Ressourcen.
Die Studie analysiert diese Zusammenhänge entlang des im VDI entwickelten
5-Ebenen-Modells, das Transformationsprozesse systematisch entlang von
gesellschaftlichen, regulatorischen, ökonomischen, individuellen und
technologischen Faktoren einordnet.
"Technologischer Fortschritt wird nur dann gesellschaftlich wirksam, wenn der
regulatorische Rahmen es zulässt, Geschäftsmodelle zu etablieren, welche durch
hervorragend qualifizierte Menschen technologisch fundiert ausgestaltet werden.
Erfolgreiche Transformation gelingt nur, wenn all diese Faktoren
zusammenspielen, wobei die Qualifikation der Fachkräfte eine entscheidende Rolle
spielt.", erklärt VDI-Präsident Prof. Dr.-Ing. Lutz Eckstein.
"Wir sprechen potenziell über nahezu alle der rund 1,5 Millionen
sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieurinnen und Ingenieure in
Deutschland", ergänzt Adrian Willig, Direktor des VDI. "Kompetenzerweiterung ist
keine individuelle Kür mehr, sondern eine strukturelle Voraussetzung beruflicher
Anschlussfähigkeit. Wenn wir erfahrene Fachkräfte entlassen, statt sie weiter zu
qualifizieren, verlieren wir Know-how und Wettbewerbsfähigkeit zugleich."
KI ist stärkster Treiber
Als wichtigsten Auslöser für den steigenden Weiterbildungsbedarf nennen die
Befragten den technologischen Fortschritt im Bereich Künstlicher Intelligenz
(KI) und Automatisierung (87 %). Dahinter folgen Wettbewerbsdruck (57 %) sowie
regulatorische Anforderungen (41 %). Gleichzeitig bewerten 45 % der Befragten
die Geschäftsmodelle ihrer Branche als zukunftsfähig oder überaus zukunftsfähig.
Besonders optimistisch zeigen sich Ingenieurinnen und Ingenieure in Luft- und
Raumfahrt, Energieversorgung, Elektrotechnik und im Bauwesen. Kritischer fällt
die Einschätzung in Teilen der Chemie-, Metall- und Fahrzeugindustrie aus. Vor
allem diese Branchen sind seit geraumer Zeit von Wettbewerbsdruck verbunden mit
Stellenabbau betroffen.
Die Studie macht deutlich: Selbst zukunftsfähige Geschäftsmodelle erfordern
kontinuierliche Kompetenzanpassung. Qualifizierung und Re-Skilling sind daher
keine kurzfristige Krisenreaktion, sondern ein strategischer Hebel zur Sicherung
von Innovationsfähigkeit.
Mittelstand zwischen Innovationsdruck und Ressourcenengpässen
Gerade kleine und mittlere Unternehmen stehen vor besonderen Herausforderungen.
Fehlende Zeit im Arbeitsalltag, hohe Kosten sowie eine komplexe Förderlandschaft
erschweren systematische Qualifizierung.
Wie Qualifizierung und Re-Skilling in der Praxis aussehen können, zeigt Jens
Hieronymus, CEO der Mechatronic Medical Engineers GmbH, der an der Studie
mitwirkte. Re-Skilling ist bei Mechatronic vom Management gewollt. "Wir haben
unseren Recruiting Prozess durch Re-Skilling aufgewertet und suchen gezielt
darüber nach neuen Mitarbeitenden, auch wenn ihre Qualifikation noch nicht zu
100 % passt. Durch Re-Skilling erhalten Sie die nötige Qualifikation, so dass
sie gut in unserem Unternehmen in einem veränderten Aufgabengebiet eingesetzt
werden können", gibt er an. "Re-Skilling ist für uns ein strategisches
Instrument, um Innovation und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Wir qualifizieren
gezielt weiter und eröffnen unseren Mitarbeitenden neue Einsatzfelder", sagt er.
Gemeinsame Verantwortung von Unternehmen, Beschäftigten und Politik
Die Studie zeigt: Qualifizierung und Re-Skilling gelingen nur, wenn
gesellschaftliches Mindset, regulatorische Rahmenbedingungen, wirtschaftliche
Realitäten in Unternehmen, individuelle Lernbereitschaft und technologische
Dynamik ineinandergreifen.
- Unternehmen sollten Kompetenzentwicklung strategisch verankern und
verbindliche Lernzeiten ermöglichen.
- Ingenieure und Ingenieurinnen sind gefordert, lebenslanges Lernen als
selbstverständlichen Teil ihrer beruflichen Entwicklung zu begreifen.
- Politik ist aufgerufen, Qualifizierung stärker mit Innovations- und
Industriepolitik zu verzahnen, Förderinstrumente zu vereinfachen und
Anerkennungsverfahren zu harmonisieren.
Ohne eine breit angelegte Qualifizierungsoffensive wird Deutschland seine
Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit nicht sichern können. "Qualifizierung und
Re-Skilling entscheiden darüber, ob technologischer Fortschritt bei uns entsteht
- oder anderswo", so Adrian Willig. "Wenn wir unseren Anspruch als führender
Technologiestandort ernst nehmen, müssen wir jetzt die strukturellen
Voraussetzungen für kontinuierlichen Kompetenzaufbau schaffen."
Die Studie " Bereit für Innovationen - Gezielte Qualifizierung als Grundlage für
neues Wachstum in Deutschland " basiert auf einer Online-Befragung von mehr als
1.350 Ingenieurinnen und Ingenieuren, Experteninterviews sowie einer
interdisziplinären Paneldiskussion. Die Ergebnisse wurden heute im Rahmen einer
Online-Pressekonferenz vorgestellt. Unterschieden wird dabei zwischen den
Begriffen Up-Skilling und Re-Skilling . Re-Skilling bezeichnet die Umschulung
für neue Tätigkeits- oder Berufsfelder und meint nicht die reine Aktualisierung
bereits vorhandener Skills und Kompetenzen wie beim Up-Skilling.
Die Studie kann hier heruntergeladen werden (http://www.vdi.de/reskilling) .
Fachlicher Ansprechpartner:
Frank Dieball
Leiter Qualifikation, VDI-Initiative Zukunft Deutschland 2050
Telefon: +49 211 6214-284
E-Mail: mailto:Frank.Dieball@vdi.de
Ihre Ansprechpartnerin in der VDI-Pressestelle:
Sarah Janczura
Pressesprecherin
Telefon: +49 211 6214-641
E-Mail: mailto:presse@vdi.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/16368/6229224
OTS: VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V.
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