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Berlin (ots) - Die Bundeswehr beschleunigt Entwicklung und Beschaffung
KI-gestützter Systeme. Eine Mehrheit der Bevölkerung unterstützt diesen Kurs,
wie eine Umfrage des TÜV-Verbands zeigt. Zugleich sind die Sicherheitsbedenken
groß. Der Mensch soll die Hoheit über Entscheidungen behalten.
Die Bundeswehr beschleunigt ihre Beschaffung und investiert verstärkt in moderne
Waffensysteme. Dazu gehören unter anderem Kampf- und Aufklärungsdrohnen, die mit
Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) weitgehend autonom agieren können. Eine
große Mehrheit in Bevölkerung befürwortet diesen Kurs. Vier von fünf
Bundesbürger:innen (81 Prozent) finden es grundsätzlich sinnvoll, dass die
Bundeswehr stärker in die Entwicklung militärischer KI-Technologien wie Drohnen,
Roboter oder autonome Fahrzeuge investiert. 11 Prozent lehnen das ab und 8
Prozent sind unentschieden. Das hat eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag
des TÜV-Verbands unter 1.005 Personen ab 16 Jahren ergeben. "Die Bürgerinnen und
Bürger erkennen, dass neue Technologien auch die sicherheitspolitische Lage
verändert haben", sagt Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands.
"Moderne Streitkräfte kommen an modernen Verteidigungssystemen mit Künstlicher
Intelligenz nicht vorbei. Entscheidend ist, dass die Politik für ihren Einsatz
klare Leitplanken definiert." Die aktuelle Umfrage des TÜV-Verbands zeigt: Eine
klare Mehrheit unterstützt zwar eine technologisch zeitgemäße Ausstattung,
fordert aber klare Grenzen bei autonomen Waffensystemen.
Sorge vor Fehlentscheidungen und Eskalation
Laut den Ergebnissen der Umfrage des TÜV-Verbands fürchten zwei Drittel der
Befragten (67 Prozent) Fehlentscheidungen autonomer Systeme, beispielsweise
durch falsche Zielerkennung. 64 Prozent sehen die Gefahr, dass der Mensch die
Kontrolle über KI-gesteuerte Waffensysteme verlieren könnte. 63 Prozent haben
Sorgen vor wachsenden Spannungen durch ein internationales Wettrüsten mit
KI-Technologien und 61 Prozent halten ungewollte Eskalationen oder eine
Ausweitung von Konflikten für ein realistisches Risiko. "Die Bevölkerung sieht
beim militärischen Einsatz von KI nicht nur Effizienz- und
Verteidigungspotenziale, sondern auch erhebliche Risiken", sagt Bühler. "Gerade
bei autonomen Systemen fürchten die Befragten einen Kontrollverlust, der zur
Entstehung oder Ausweitung militärischer Konflikte führen kann."
Autonome KI-Systeme nur mit menschlicher Kontrolle
Im Zentrum der Debatte steht die Frage, wer über den Einsatz von Waffengewalt im
Verteidigungsfall entscheidet: Der Mensch oder das KI-System. Vier von zehn
Befragten (40 Prozent) sprechen sich für eine vollständige menschliche Kontrolle
aus, jede einzelne Entscheidung eines KI-Systems müsse überprüft werden.
Immerhin 41 Prozent befürworten den Einsatz teilautonomer Systeme. Diese
Waffensysteme erstellen Analysen, machen Vorschläge und treffen eigenständig
Entscheidungen, Menschen können aber jederzeit eingreifen. Vollautonome Systeme
ohne menschliche Kontrolle finden mit nur 1 Prozent Zustimmung praktisch keine
Akzeptanz bei den Befragten. Insgesamt verlangen damit 81 Prozent eine klare
menschliche Letztverantwortung. Fast jede:r achte Befragte (12 Prozent) lehnt es
grundsätzlich ab, KI-Systemen Entscheidungsbefugnisse über den Einsatz von
Waffengewalt einzuräumen.
Internationale Verhandlungen über Regeln für autonome Waffensysteme
Während sich der Einsatz KI-gestützter Waffensysteme bei militärischen
Konflikten immer mehr zum Standard entwickelt, wird in internationalen
UN-Gremien über verbindliche Regeln bis hin zu einem Verbot diskutiert. Bisher
konnten sich die Länder im Rahmen der UN-Waffenkonvention aber nicht auf
einheitliche Regelungen einigen. Auch beim jüngsten AI Summit in Indien wurde
über den Einsatz von KI im Militär diskutiert. Der europäische AI Act fokussiert
sich auf zivile Anwendungen und klammert KI-Systeme aus, die ausschließlich für
militärische, verteidigungspolitische oder die nationale Sicherheit betreffende
Zwecke genutzt werden. Allerdings sind viele KI-Systeme dual-use-fähig und
können sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden. In diesem Fall greift
der AI Act. "Der AI Act adressiert auch die technische Sicherheit von
KI-Systemen. Themen wie Qualität der Trainingsdaten, menschliche Aufsicht oder
Nachvollzieharbeit von Entscheidungen, sind sowohl für zivile als auch für
militärische KI-Anwendungen essenziell", sagt Bühler. Im Kern müsse es darum
gehen, auf allen Ebenen einen verantwortungsvollen Umgang mit
sicherheitskritischen Technologien zu finden. Bühler: "Verteidigungsfähigkeit
bedeutet nicht, Maschinen die Entscheidung über Leben und Tod zu überlassen. Sie
bedeutet, Technologie so zu gestalten, dass sie unsere Sicherheit stärkt, ohne
die menschliche Hoheit aufzugeben."
Weitere Informationen zur KI-Studie des TÜV-Verbands sind hier abrufbar:
https://ots.de/XwwbjZ
Methodik-Hinweis: Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Forsa-Umfrage im
Auftrag des TÜV-Verbands unter 1.005 Personen ab 16 Jahren. Die Umfrage wurde
vom 20. bis 26. Oktober 2025 durchgeführt. Die Fragen lauteten: "Finden Sie es
grundsätzlich sinnvoll oder nicht, dass die Bundeswehr stärker in die
Entwicklung militärischer KI-Technologien wie Drohnen, Roboter oder autonome
Fahrzeuge investiert, um neue Bedrohungen besser abwehren zu können?" "Machen
Sie sich Sorgen, dass der militärische Einsatz von KI diese Folgen haben
könnte?" "Stellen Sie sich vor, die Bundeswehr setzt KI-gesteuerte Systeme wie
z. B. Drohnen oder autonome Abwehrsysteme im Verteidigungsfall ein. In welchem
Ausmaß sollen diese Systeme eigenständig Entscheidungen über den Einsatz von
Waffengewalt treffen dürfen?"
Über den TÜV-Verband: Als TÜV-Verband e.V. vertreten wir die politischen
Interessen der TÜV-Prüforganisationen und fördern den fachlichen Austausch
unserer Mitglieder. Wir setzen uns für die technische und digitale Sicherheit
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qualifizierte Weiterbildung. Unser Ziel ist es, das hohe Niveau der technischen
Sicherheit zu wahren, Vertrauen in die digitale Welt zu schaffen und unsere
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