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Köln (ots) - Donald Trump lebt in jenen Zeiten, in denen das Wünschen noch
geholfen hat. Iran habe keine Marine mehr, erklärt er, kurz bevor sein
Generalstabschef Dan Caine mitteilt, man mache große Fortschritte bei der
Zerstörung dieser Marine und nehme sich jetzt die Minenleger vor. Doch was
interessiert das Trump, für den der Krieg gegen den Iran "so gut wie beendet"
ist oder "sehr bald" beendet wird.
Indirekt ergibt sich aus Trumps Prahlerei eine gute Nachricht: Trotz schwerer
Angriffe sucht der Präsident einen Ausweg aus dem von ihm begonnenen Krieg und
hofft ihn zu finden, indem er vermeintliche Erfolge erklärt. Das kann er, weil
er niemals klare Ziele seines Kriegs definiert hat, an denen die Ergebnisse zu
messen wären.
So kann sich Trump herausreden und muss das tun, denn tatsächlich ist seine
bisherige Kriegsbilanz miserabel: Zwar wurden iranische Funktionäre getötet,
Waffen und Militäreinrichtungen zerstört. Das Regime ist aber intakt geblieben
und hat mit Modschtaba Chamenei, dem Sohn des getöteten Revolutionsführers,
einen neuen Spitzenmann installiert, der für einen besonders brutalen Kurs gegen
die Demokratiebewegung steht. Wenn USA oder Israelis auch ihn töten sollten,
wird es wieder einen Nachfolger geben. Zerstörte Fabriken lassen sich aufbauen,
bei Rüstungsgütern hilft der Moskauer Pate Wladimir Putin gern.
Die Folgen ihres Angriffs haben die USA offensichtlich nicht einkalkuliert: Der
gestiegene Ölpreis bringt Trump innenpolitisch unter Druck, spielt aber dem
Kriegsherrn im Kreml in die Karten. Das Potenzial iranischer Billigdrohnen, das
im russisch-ukrainischen Krieg hinreichend gezeigt wurde, haben die USA
übersehen. Befreundete Staaten werden getroffen, die internationale
Luftfahrtwirtschaft geschädigt. Immerhin ist die trumpistische Herrschaft über
die USA noch nicht so perfekt, dass der Präsident das alles ignorieren könnte -
so wie es Freund Putin tut, der den Ukraine-Krieg ohne Rücksicht auf Verluste
und Kosten weitertreibt.
Um Missverständnisse auszuschließen: Der US-israelische Angriff auf das
iranische Mördersystem ist zwar völkerrechtswidrig, aber keineswegs mit Putins
Überfall auf ein friedliches Nachbarland gleichzusetzen. Und: Würden die
islamistischen Verbrecher an Irans Staatsspitze, ihre sadistischen Schergen im
ganzen Land und ihre international operierenden Terrorbrigaden verschwinden,
dann wäre die Welt ein besserer Ort. Nur ist das mit Trumps Methode nicht zu
erreichen.
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Raimund Neuß
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