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München (ots) -
- Studie kritisiert strukturelles "Anlocken und Abzocken" im Strommarkt - 11
Milliarden Euro "Treuestrafe" alleine im Jahr 2025
- Octopus Energy fordert Handeln von Politik und BNetzA: Transparenz und
Preisdeckel
Treue Kund*innen werden im deutschen Strommarkt systematisch benachteiligt.
Allein im Jahr 2025 haben Verbraucher*innen in Deutschland ca. 11 Milliarden
Euro Treuestrafe gezahlt. Das zeigt eine Studie von Octopus Energy und der RWTH
Aachen. Die RWTH hat dafür erstmals tausende Preisanpassungsschreiben privater
Stromkund*innen ausgewertet.
Die Loyalitätsstrafe als struktureller Missstand
Dass Bestandskund*innen mehr für ihren Strom bezahlen, ist kein Geheimnis. Wie
groß das Problem in Deutschland tatsächlich ist, war bisher aber schwer zu
beziffern. Die Bestandskund*innen-Preise der Anbieter sind eine Blackbox. Die
Studie liefert jetzt das erste Mal Zahlen und zeigt einen gravierenden Missstand
im deutschen Strommarkt auf:
- 2025 waren bis zu 30 Millionen Haushalte von der Treuestrafe betroffen, das
entspricht knapp drei Viertel aller Haushalte in Deutschland.
- Bestandskund:innen zahlen im Durchschnitt rund 13 ct/kWh höhere effektive
Arbeitspreise als Neukund*innen, was einem durchschnittlichen Preisaufschlag
von etwa 47 % entspricht.
- Anlocken & Abzocken hat System. Viele Kund*innen werden mit günstigen
Einstiegstarifen gelockt. Doch bei 75 Prozent der untersuchten Verträge kommt
es nach etwa 11 bis 14 Monaten zu einer Preisanpassung. Die Preise steigen
dann im Schnitt um 19 bis 24 Prozent.
- Von insgesamt 11 Mrd. Euro Treuestrafe im letzten Jahr entfallen nur 4 Mrd.
Euro auf Kund*innen in der Grundversorgung. Das zeigt auch, dass die fehlende
Wechselbereitschaft nicht nur bei Kund*innen in der Grundversorgung hohe
Kosten verursacht.
- Im Schnitt könnte jeder einzelne Haushalt davon 304 Euro (bei Haushalten mit
wettbewerblichem Versorger) bis 492 Euro (bei Haushalten in der
Grundversorgung) mit einem Anbieterwechsel sparen.
Die Energiekrise hat diese Schieflage deutlich verschärft. Vor 2021 lag die
durchschnittliche Wechselersparnis zwischen 121 und 241 Euro. Heute ist sie fast
dreimal so hoch - eine Rückkehr zum früheren Niveau ist auch drei Jahre nach der
Krise nicht in Sicht.
Zugleich offenbart die Studie erhebliche Transparenzdefizite im Markt: Während
sich Neukundentarife eng an den Entwicklungen an den Energiemärkten orientieren,
steigen Bestandskundentarife häufig weitgehend unabhängig davon.
Preisanpassungen werden oft pauschal mit "Beschaffung und Vertrieb" begründet -
ohne klaren Bezug zur tatsächlichen Marktentwicklung.
Octopus Energy fordert entschiedenes Eingreifen von Politik und
Aufsichtsbehörden
Während andere Länder wie Großbritannien oder Australien bereits gegen die
Loyalitätsstrafe vorgehen, herrscht hierzulande bislang regulatorisches
Schulterzucken, und das ausgerechnet in einem der Länder mit den höchsten
Strompreisen weltweit. Wenn ein Markt Loyalität systematisch in diesem Ausmaß
bestraft und gerade vulnerable Gruppen überdurchschnittlich belastet, darf der
Staat nicht tatenlos bleiben.
Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Germany, sagt: "Der deutsche Strommarkt
zerfällt immer mehr in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Während Versorger sich
für Neukunden mit negativen Margen unterbieten, werden loyale Kundinnen und
Kunden ausgenommen. Das trifft leider oft genau die Menschen, die es sich am
wenigsten leisten können. Die neuen Zahlen zeigen, das Problem ist nach der
Energiekrise auf ein unzumutbares Level gewachsen und es hat System. Es reicht
nicht mehr, regelmäßig zum Wechsel aufzurufen und die Verbraucher dann ihrem
eigenen Schicksal zu überlassen. Wir brauchen einen Systemwandel."
Octopus Energy fordert deshalb:
- Festlegung eines Preisdeckels zur Verhinderung exzessiver Strompreise: Ein
klar definierter Höchstpreis verhindert unverhältnismäßig hohe Tarife für
wenig wechselaktive Kund*innen, ohne den Wettbewerb auszuschalten. Anbieter
haben weiterhin tarifliche Freiheit, jedoch innerhalb fairer Grenzen und nicht
auf Kosten einzelner Kundengruppen. Das entspricht dem Kern der Sozialen
Marktwirtschaft.
- Transparenzoffensive gegen die Loyalitätsstrafe: Die Bundesnetzagentur muss
Preisunterschiede zwischen Neu- und Bestandskund*innen systematisch erfassen
und regelmäßig veröffentlichen. Nur vollständige Markttransparenz schafft
öffentlichen Druck und ermöglicht wirksame Aufsicht.
- Reform der Grundversorgung für Wettbewerb statt Automatismus: Die
Grundversorgung sollte regelmäßig ausgeschrieben werden, statt automatisch
beim örtlichen Anbieter zu verbleiben. Echter Wettbewerb um die
Grundversorgung senkt Margen, erhöht Effizienz und schützt Kund*innen vor
dauerhaft überhöhten Preisen.
Die Studie finden Sie hier (https://publications.rwth-aachen.de/record/1029745)
, die visualisierten Ergebnisse hier
(https://ese.eonerc.rwth-aachen.de/energy-app-octopus/) .
Über Octopus Energy
Octopus Energy wurde 2016 mit der Vision gegründet, die Energiewende weltweit
mithilfe von Technologie zu beschleunigen und schnellstmöglich einen großen,
grünen Fußabdruck zu hinterlassen. Der seit 2020 in Deutschland aktive
EnerTech-Player ist der am schnellsten wachsende Energieversorger Deutschlands
mit über 1 Mio. Kunden und versorgt mittlerweile 10 Millionen Kunden weltweit.
Weitere Informationen unter: http://www.octopusenergy.de/
Pressekontakt:
mailto:presseteam@octoenergy.com
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/158457/6234384
OTS: Octopus Energy Germany GmbH
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