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Osnabrück (ots) - Die Schauspielerin Victoria Trauttmansdorff ("Nord Nord Mord")
hat Details über ihre adelige Familiengeschichte während der NS-Zeit
preisgegeben. Besonders hob sie dabei die Zivilcourage ihres Großvaters hervor:
"Mein Großvater war Anwalt und beim Militär als Richter tätig und offenbar ist
es ihm gelungen, nie ein Todesurteil zu unterschreiben und damit wirklich die
Leute zu retten", sagte Trauttmansdorff der Neuen Osnabrücker Zeitung (noz).
Ihr Großvater habe bereits beim Anschluss Österreichs keinen Zweifel an seiner
Gesinnung gelassen: "Als Hitler nach Wien kam, ist mein Großvater mit einem
Freund vor dessen Hotel auf und ab gefahren - mit dem Hakenkreuz über dem
Auspuff statt oben am Auto. Daraufhin wurde er verhaftet", so die 65-Jährige.
Nur durch die Intervention seines Bruders bei einem "Wiener Ober-Nazi" sei er
wieder freigekommen.
Dieser Großonkel Victoria Trauttmansdorffs habe seinen Widerstand gegen Hitler
später mit dem Leben bezahlt: "Seinen Bruder haben die Nazis dann noch
umgebracht, einen Tag bevor die Russen einmarschiert sind. Der hatte einen
eigenen Widerstandskreis mitgegründet" - gemeint ist die Widerstandsgruppe
Kirchl-Trauttmansdorff. Die politische Haltung ihrer Vorfahren erklärte die
Schauspielerin mit adeligem Standesbewusstsein: "Sie waren natürlich auch keine
Linken. Es waren halt Monarchisten. Hitler war ihnen zu ordinär."
Neben der NS-Zeit prägt der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) die
Familiengeschichte: "Einer meiner Vorfahren könnte Sie vielleicht wirklich
interessieren: Maximilian von und zu Trauttmansdorff - der hat den Westfälischen
Frieden ausgehandelt", sagte die Schauspielerin. Trauttmansdorff beschrieb den
historischen Friedensschluss mit einer Prise Humor: "Mit ein bisschen Alkohol
und viel Zuspruch hat er diese seit Jahrzehnten verfeindeten, blutrünstigen
Krieger 1648 dazu gebracht, den Dreißigjährigen Krieg zu beenden." Der Ahn sei
jedoch ein Opfer der eigenen Verhandlungstaktik geworden: "Er selbst musste
allerdings vorzeitig abreisen, weil er die Gicht hatte. Der Wein und das gute
Essen waren wohl zu viel."
Trotz der geschichtsträchtigen Vorfahren, zu denen auch Beteiligte am Sturz
Wallensteins gehörten, war Victoria Trauttmansdorff lange auf Distanz zu ihrem
Hintergrund: "Mein Vater hat sich stark über die Geschichte der Familie
definiert. Ich dagegen war eher 'anti'. Mein Interesse kommt jetzt erst."
Besonders während ihrer Ausbildung in den 80er-Jahren habe der Adel wenig
gegolten, sie sei in der Schauspielschule sogar "gehänselt" worden.
Heute begegne ihr der Name oft in Form von touristischen Kuriositäten, vor allem
in Südtirol rund um Schloss Trauttmansdorff: "Alles ist voller Touristen und
alles heißt dort Trauttmansdorff: die Gärten Trauttmansdorff, das
Trauttmansdorff-Eis und sogar die Trauttmansdorff-Rinderroulade", so die
Schauspielerin. Sogar in der Küche hat die Familie Spuren hinterlassen: Das
Dessert "Reis Trauttmansdorff" sei angeblich aus der Not für überraschenden
Besuch auf einem Gut entstanden. "Es ist im Grunde nur so ein fluffiger
Milchreis mit Schlagobers, also Sahne. Dazu isst man Himbeeren."
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