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Osnabrück/Berlin (ots) - Anlässlich des 10. Jahrestags des EU-Türkei-Abkommens,
das die Fluchtmigration in die EU reduzieren und die Aufnahmebedingungen für
Geflüchtete in der Türkei verbessern sollte, veröffentlicht Terre des Hommes
Deutschland das Bulletin "Warum die Türkei kein sicheres Land für Kinder auf der
Flucht ist" (https://www.tdh.de/fileadmin/user_upload/Verein/01_Informieren/Them
en/Flucht/260316__Bulletin_10_Jahre_EU-Tuerkei_de.pdf) . Die Analyse der
Erfahrungen unserer Partnerorganisationen vor Ort zeigt: Das Abkommen wird den
Schutzbedürfnissen von Kindern nicht gerecht. Trotz erheblicher EU-Mittel bleibt
der Schutz von geflüchteten Kindern in der Türkei lückenhaft, während
Migrationskontrolle und Abschiebungen ausgeweitet wurden. Terre des Hommes warnt
daher eindringlich davor, das Abkommen als Modell für weitere Vereinbarungen mit
Drittstaaten zu nutzen.
Die Türkei ist eines der wichtigsten Aufnahmeländer für Kinder und Familien auf
der Flucht. Doch die Bedingungen vor Ort sind äußerst schwierig: Viele dieser
Kinder müssen arbeiten, um sich und ihre Familien ernähren zu können. Zusammen
mit ihren Familien können sie willkürlich inhaftiert und in Länder abgeschoben
werden, in denen ihnen Gewalt und Folter drohen - auch gegen internationales
Recht. Ein weiteres Problem ist, dass Kindern und Familien ihre Registrierung
häufig willkürlich entzogen oder nicht verlängert wird. "Dadurch können Kinder
von einem Tag auf den anderen nicht mehr zur Schule gehen oder erhalten keine
lebenswichtigen Medikamente mehr", berichtet Nina Schwarz, Referentin für den
Mittleren Osten bei Terre des Hommes. Das Bulletin schildert zahlreiche konkrete
Fälle aus der Praxis der Terre des Hommes-Partnerorganisationen in der Türkei,
die die Drastik der Lage belegen. "So erhielt beispielsweise der achtjährige
Mehdi[1], der an Krebs leidet, erst wieder Zugang zu lebenswichtigen
Medikamenten, nachdem Terre des Hommes-Partnerorganisationen eine einstweilige
Verfügung erwirkt hatten."
"Das EU-Türkei-Abkommen hat die erforderlichen Reformen im Sinne der Menschen-
und Kinderrechte ganz offensichtlich verfehlt. Stattdessen hat es ein System
stabilisiert, das auf Abschreckung beruht und Kinder auf der Flucht systematisch
entrechtet", so Teresa Wilmes, Referentin für Flucht und Migration bei Terre des
Hommes. "Wir fordern daher von der Bundesregierung als wichtigem Akteur
innerhalb der EU, dem Schutz von Kindern Vorrang zu geben und dafür die
finanzielle Unterstützung für Inhaftierungs- und Abschiebungsstrukturen umgehend
zu beenden". Auch dürfe diese Vereinbarung nicht als Blaupause für künftige
Migrationsabkommen dienen. "Kinder und menschenrechtliche Verpflichtungen müssen
unverhandelbare Grundlage jeder Kooperation mit Drittstaaten sein. Wer weitere
Abkommen nach dem Modell des EU-Türkei-Abkommens aufsetzt, exportiert
vorhersehbare Kinderrechtsverletzungen", so Teresa Wilmes.
[1] Name zum Schutz des Kindes geändert
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Verantwortlich: Terre des Hommes
Unser Name "Terre des Hommes" steht für eine "Erde der Menschlichkeit".
Klimawandel, Kinderarbeit, Krieg und Vertreibung - wir machen Kinder und
Jugendliche stark und schützen sie mit unseren Projekten vor Gewalt und
Ausbeutung. Wir leisten humanitäre Hilfe und verbessern die Lebensbedingungen
von Kindern weltweit. Was uns dabei besonders wichtig ist: Wir arbeiten mit
Partnerorganisationen vor Ort zusammen und setzen gemeinsam mit Kindern ihre
Rechte durch. Als Kinderrechtsorganisation sind wir unabhängig von Regierungen,
Wirtschaft, Religionsgemeinschaften und Parteien. Wir fördern derzeit über 400
Projekte für Kinder und Jugendliche in 47 Ländern.
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