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Bonn (ots) - Der diesjährige Tag des Waldes steht unter dem Motto "Wälder und
Wirtschaft". Woran denken Sie bei diesen Schlagworten?
Ich denke an die wichtige Funktion des Waldes, die darin besteht, uns Menschen
mit verschiedensten Rohstoffen zu versorgen - allem voran natürlich mit Holz.
Sehr viele Dinge in unserem Alltag würden uns ohne diese nachwachsenden
Rohstoffe nicht zur Verfügung stehen. Die Liste fängt bei so einfachen
Gegenständen wie etwa einem Schneidebrett an. Sie ließe sich aber schnell
erweitern und würde bis zu interessanten neuartigen Verwendungen reichen, zum
Beispiel als Werkstoff im Bausektor. Wenn man sich diese funktionale Vielfalt
vor Augen führt, dann wird einem die hohe wirtschaftliche Bedeutung des Waldes
schnell klar.
Wie passen das Motto und der Naturschutz zusammen?
Die wirtschaftliche Funktion ist nur eine Funktion des Waldes. Er ist auch
Klimaschützer, Lebens- und Erholungsraum sowie Kulturgut. Auch im Wasser- und
Bodenschutz spielt der Wald eine wichtige Rolle. Da wir weiterhin Rohstoffe aus
dem Wald gewinnen wollen, sollten wir uns dieser Vielfalt an Funktionen und dem
damit einhergehenden Wirkgefüge bewusst sein. Der Wald ist ein komplexes
Ökosystem und muss vor einer übermäßigen Nutzung geschützt werden. Gleichzeitig
vertrete ich die Ansicht, dass eine bewusst nachhaltige Nutzung den Wald
schützen und sogar zu dessen positiver Entwicklung beitragen kann. Das bedeutet
zum Beispiel: klimastabile Mischwälder fördern, nachhaltig ernten und Produkte
möglichst langfristig nutzen. Auf diese Weise wird die Biodiversität in Wäldern
erhöht, die Nutzungslast verringert und wir machen sie widerstandsfähiger
gegenüber dem Klimawandel. Dabei sollen immer auch Naturschutzaspekte integriert
werden - darum steckt die integrative Waldbewirtschaftung in der DNA der SDW.
Zum Stichwort "Klimawandel": Welche Herausforderungen kommen im Wald auf uns zu?
Zunehmende Extremwetterereignisse wie Dürren oder Stürme sind ein Resultat des
menschengemachten Klimawandels. Dazu kommen die Begünstigung von Schädlingen und
die Ausbreitung von Krankheiten im Wald. Die Klimakrise ist damit sicherlich
eine der größten Herausforderungen, der wir uns stellen müssen. Es gibt aber
noch andere Bereiche, in denen dringend Handlungsbedarf besteht. In Sachen
Wirtschaft sehen wir uns mit schwankenden Holzpreisen, hohen Investitionskosten
und bürokratischen Hürden konfrontiert. Zusätzlich machen wir die Erfahrung,
dass gerade die Akzeptanz in der Bevölkerung für eine Nutzung des Waldes wichtig
ist. Diese müssen wir im Blick haben und mit Öffentlichkeitsarbeit und
Bildungsprogrammen über die vielfältigen Funktionen des Waldes aufklären.
Gleichzeitig können wir so zeigen, dass eine nachhaltige Bewirtschaftung dem
Wald nicht schadet.
Wie können wir als Gesellschaft auf diese Herausforderungen reagieren?
Wir sollten vor allem die naturnahe Waldbewirtschaftung unterstützen, indem wir
instabile Monokulturen in standortgerechte Mischwälder umbauen. Dafür braucht es
Förderprogramme, Forschung und Expertise aus der Praxis. Hier ist auch die
Politik gefragt, denn die gesetzlichen Vorgaben und die Rahmenbedingungen der
Förderprogramme müssen so gestaltet werden, dass die nachhaltige
Waldbewirtschaftung weiterhin wirtschaftlich tragfähig und für die
Waldbesitzenden attraktiv bleibt. Dann ist da noch der große Faktor Bildung.
Aktionen wie der "Tag des Waldes" geben uns die Möglichkeit, Menschen zu
erreichen, die nicht aus der Branche kommen. Für viele ist der Wald ein
wichtiges und emotionales Thema. Daher ist es unsere Aufgabe, die Bevölkerung
mit ins Boot zu holen und über den Wald aufzuklären. Dazu gehören sowohl
ökologische als auch wirtschaftliche Prozesse. Waldpädagogische Angebote von der
Kita bis zur Oberstufe sollten weiter ausgebaut werden, damit Kinder und
Jugendliche den Wald möglichst früh kennenlernen. Gleichzeitig sollte Ihnen die
Möglichkeit gegeben werden, selbst aktiv zu werden. Hier halte ich eine Stärkung
der Bürgerbeteiligung für sinnvoll, etwa in Form von gemeinsamen
Naturschutzaktionen oder dem direkten Dialog mit der Politik. Nicht zuletzt
spielt auch unser Konsumverhalten eine große Rolle: Wir sollten gezielt zu
zertifizierten und heimischen Holzprodukten greifen (z.B. PEFC oder FSC) und
Kreislaufsysteme in der Wirtschaft fördern. Viele Holzprodukte können auf
unterschiedliche Weise über längere Zeiträume genutzt werden.
Welche Rolle spielen dabei die Menschen, die im und mit dem Wald arbeiten?
Kurz: ohne sie geht es nicht. Menschen aus der Praxis spielen eine
Schlüsselrolle in der Umsetzung und Vermittlung aller bisher angesprochenen
Themen. Forstleute und Waldbesitzende entscheiden täglich über die Pflanzung und
Pflege im Wald. Sie sorgen dafür, dass wir zukünftig stabile, artenreiche und
klimafitte Mischwälder in Deutschland haben. Sie legen fest, wie stark genutzt
oder auch geschützt wird - das ist eine große Verantwortung. Um diese
Entscheidungen fundiert treffen zu können, brauchen wir forstliche Forschung und
Beratung auf allen Ebenen, aber auch eine direkte Unterstützung für die Akteure.
Im Bereich Bildung bauen Waldpädagogen und -pädagoginnen außerdem Brücken
zwischen einer naturfernen städtischen Gesellschaft und dem Wald als Ökosystem
und Wirtschaftsraum. Nicht zuletzt arbeiten auch wir als ehrenamtlicher
Naturschutzverband mit dem Wald, indem wir uns politisch für ihn stark machen,
den Waldumbau fördern und Bildungsprojekte umsetzen.
Über die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW):
Am 5. Dezember 1947 wurde die SDW in Bad Honnef gegründet und ist damit einer
der ältesten Naturschutzverbände in Deutschland. Heute engagieren sich in den 15
Landesverbänden rund 25.000 Mitglieder aktiv für den Wald. Auch in diesem Jahr
sollen anlässlich des Internationalen Tags des Waldes wieder zahlreiche
Veranstaltungen auf die große Bedeutung des Ökosystems Wald hinweisen.
Pressekontakt:
Tim Niereisel
Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Bundesverband e. V. (SDW)
Kaiserstraße 12 | 53113 Bonn
Tel.: 0228 945984-4
Mail: mailto:tim.niereisel@sdw.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/17688/6239272
OTS: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
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