|
Bad Homburg (ots) - Expertinnen und Experten aus Politik, Medizin und
Patientenvertretung sind sich einig, dass das deutsche Gesundheitssystem einen
grundlegenden Kurswechsel braucht: weg von der reinen Krankheitsverwaltung hin
zur echten Prävention und einer strukturierten Regelversorgung. Regionale
Lösungsansätze müssen systematisch in konkrete politische Maßnahmen überführt
werden, um Gesundheit langfristig zu erhalten und die Versorgung von Menschen
mit Adipositas nachhaltig zu verbessern. Diese gemeinsame Positionierung ist das
zentrale Ergebnis des fachübergreifenden Austauschs beim zweiten Treffen der von
Lilly Deutschland initiierten Plattform"Blickwechsel Stoffwechsel" in
Düsseldorf, die gemeinsam mit dem Adipositas Verband Deutschland e. V. Akteure
des Gesundheitswesens vernetzt.
Obwohl Adipositas bereits seit dem Jahr 2000 von der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) und seit 2020 auch vom Deutschen Bundestag offiziell als chronische
Krankheit anerkannt ist, besteht weiterhin ein gravierendes Missverhältnis
zwischen medizinischer Evidenz und Versorgungsrealität. Es mangelt an
flächendeckenden Screenings, früher Diagnostik und strukturierten
Versorgungsangeboten, um Folgeerkrankungen und hohe Kosten für das
Gesundheitssystem zu vermeiden. Zwar ist ein Disease-Management-Programm (DMP)
Adipositas beschlossen, doch eine flächendeckende Umsetzung steht bislang aus.
Im Mittelpunkt des Treffens standen interdisziplinäre Arbeitsgruppen, in denen
Entscheidungsträger aus Politik, Krankenkassen und Wissenschaft gemeinsam mit
der Patientenvertretung konkrete Ansatzpunkte erarbeiteten. Ziel war es,
jenseits grundsätzlicher Debatten praktikable Hebel zu identifizieren, um
Prävention verbindlicher zu gestalten und strukturelle Barrieren in der
Versorgung abzubauen.
Als zentrales Versorgungshemmnis identifizierten die Teilnehmenden § 34 SGB V.
Der Paragraf schließt Arzneimittel zur Gewichtsregulierung explizit von der
Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen aus, und stuft sie als
vermeintliche "Lifestyle-Präparate" ein. Die Folge ist eine
Zwei-Klassen-Medizin, bei der notwendige Therapien für viele Betroffene zur
privaten Kostenfrage werden.
Raus aus der reinen Krankheitsverwaltung
Serdar Yüksel (MdB, SPD), Schirmherr der Veranstaltung und Mitglied im
Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages: "Wir haben in Deutschland kein
Erkenntnisdefizit, sondern ein massives Umsetzungsdefizit. Unser
Gesundheitssystem ist noch viel zu stark darauf ausgerichtet, Krankheit zu
verwalten, statt Gesundheit zu erhalten. Oft betreiben wir Feuerwehrmedizin: Wir
greifen erst ein, wenn das Haus bereits brennt, statt frühzeitig dafür zu
sorgen, dass es gar nicht erst zum Brand kommt. Gerade bei Adipositas sehen wir,
wie dringend wir Prävention, Versorgung und strukturelle Maßnahmen besser
verzahnen müssen." Dazu gehöre auch, dass ein Disease-Management-Programm für
Adipositas endlich zügig umgesetzt werde, damit Menschen mit dieser chronischen
Erkrankung die bestmögliche, strukturierte Behandlung und Versorgung erhalten.
Prävention: Verbindlichkeit statt nur Appelle an die Eigenverantwortung
Auch aus medinisch-präventiver Sicht sei ein früheres und verbindlicheres
Handeln notwendig. Prof. Dr. Dr. Christine Joisten, Präsidentin der Deutschen
Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP), betonte: "Prävention darf
nicht erst im Erwachsenenalter oder in der Schule beginnen. Wir müssen bereits
in den prägenden ersten 1.000 Tagen eines Lebens ansetzen, um die Weichen für
eine gesunde Zukunft zu stellen. Damit diese Maßnahmen greifen, müssen sie
jedoch evidenzbasiert, qualitätsgesichert und im System adäquat verankert und
finanziert sein."
Versorgung ohne Stigma und finanzielle Barrieren
Neben finanziellen Hürden wurde auch die anhaltende Stigmatisierung von Menschen
mit Adipositas als strukturelles Problem benannt. Christel Moll, Vorsitzende des
Adipositas Verband Deutschland e.V., kritisierte dies als unhaltbaren Zustand im
Leistungsrecht: "Wir erleben zurzeit eine Zwei-Klassen-Medizin. Aufgrund des
aktuellen Arzneimittelausschlusses in § 34 SGB V kann sich schlicht nicht jeder
die notwendige Therapie leisten. Eine wirksame Behandlung darf keine Frage des
Geldbeutels sein." Sie verdeutlichte außerdem: "Für Betroffene entscheidet sich
die Versorgung oft schon am Empfang der Arztpraxis: Wird man als Mensch mit der
Krankheit Adipositas angenommen oder für mangelnde Disziplin verurteilt." Dass
hier ein tiefgreifendes gesellschaftliches Umdenken nötig ist, unterstrich auch
Marco Schmitz (MdL NRW, Sprecher der CDU-Fraktion im Ausschuss für Arbeit,
Gesundheit und Soziales): "Wir müssen die Betroffenen ins Licht rücken und denen
eine Stimme geben, die sonst eher keine haben. Es muss auf allen Ebenen klar
werden: Adipositas ist eine Krankheit. Wir müssen die Stigmatisierung in der
Öffentlichkeit aktiv bekämpfen und ein echtes Bewusstsein schaffen."
Die zentrale Forderung der Plattform an die Bundespolitik ist daher eine
konsequente Reform oder Öffnung des §34 SGB V: Wenn Adipositas als chronische
Erkrankung anerkannt ist, muss sich dies auch im Leistungsrecht widerspiegeln,
um den Zugang zu medizinisch notwendigen Therapien für alle Versicherten
sicherzustellen.
DMP-Adipositas: NRW als Motor für den Bund
Um respektvolle und zugängliche Versorgungstrukturen flächendeckend zu
etablieren, richten sich die Blicke auf Nordrhein-Westfalen als möglichen
Vorreiter. Der Roundtable war sich einig: Prävention darf kein Glücksfall sein
und medizinische Qualität nicht vom Zufall abhängen. Mit der Umsetzung des
strukturierten Behandlungsprogrammes (DMP) Adipositas bietet sich NRW die
Chance, wirksame Strukturen zügig an den Start zu bringen und damit bundesweit
Impulse zu setzen. Entscheidend sind dabei konkrete, alltagstaugliche Programme
statt gut gemeinter Appelle.
Die "folgenlose Richtigkeit" beenden
Für die Wirksamkeit all dieser Reformen forderte Dr. Martin Danner,
Bundesgeschäftsführer der BAG SELBSTHILFE, unmissverständliche gesetzliche
Vorgaben. "Wenn die Politik den Fehler macht, Gesetze nur mit abstrakten
Begriffen zu füllen, bleiben wir bei der 'folgenlosen Richtigkeit' ", warnte Dr.
Danner. Man brauche Gesetze, die konkrete Maßnahmen so präzise durchdeklinieren,
dass sie keinen Spielraum für Interpretation ließen. Nur durch eine solche
Verbindlichkeit könnten strukturierte Programme wie das DMP endlich eine echte,
flächendeckende Wirkung entfalten.
Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Phase der reinen
Problembeschreibung vorbei sein muss. Helena Kühnemund, Director External
Engagement bei der Lilly Deutschland GmbH, betonte die Zielsetzung der
Initiative: "Mit der Plattform 'Blickwechsel Stoffwechsel' ist es uns gelungen,
einen kontinuierlichen Dialograum zu schaffen, der Akteure vernetzt, die sonst
oft nebeneinander arbeiten, und insbesondere auch die Patient:innen zu Wort
kommen zu lassen. Unser Ziel ist es, diesen interdisziplinären Austausch zu
verstetigen und gemeinsam konkrete, politisch belastbare Lösungsansätze zu
entwickeln, um die Versorgung von Menschen mit Adipositas nachhaltig und gerecht
zu gestalten."
Abschließend unterstrich Christel Moll die Bedeutung der Perspektive der
Betroffenen: "Es wird oft über die Betroffenen gesprochen, aber viel zu selten
mit ihnen. Für die Menschen in der Selbsthilfe ist diese Initiative ein
wichtiges Zeichen der Anerkennung. Respekt und Augenhöhe müssen die Grundlage
jeder Therapie sein."
https://www.lilly.com/de/aktuelles/stoffwechsel
Weitere Informationen zu Adipositas: https://de.lilly.com/meinwegmitadipositas
CMAT-18407 März 2026
Über Lilly
Lilly verbindet Fürsorge mit Forschergeist, um Medikamente zu entwickeln, die
das Leben von Menschen verbessern. Seit fast 150 Jahren leisten wir
Pionierarbeit, erzielen wissenschaftliche Durchbrüche und haben Therapieoptionen
für einige der schwierigsten Gesundheitsprobleme gefunden. Heute helfen unsere
Medikamente Millionen von Menschen auf der ganzen Welt.
Mit Erkenntnissen aus den Bereichen Biotechnologie, Chemie und Genetik treiben
unsere Wissenschaftler:innen neue Entdeckungen voran, um einige der größten
gesundheitlichen Herausforderungen der Welt zu lösen. So arbeiten sie daran, die
Behandlung von Diabetes immer weiter zu optimieren, Adipositas zu behandeln und
deren gravierende Langzeitfolgen einzudämmen, den Kampf gegen die
Alzheimer-Krankheit voranzubringen, Lösungen für folgenschwere Störungen des
Immunsystems zu finden und schwer zu behandelnde Krebsarten in beherrschbare
Krankheiten zu verwandeln.
Bei jedem Schritt auf dem Weg zu einer gesünderen Welt geht es uns vor allem um
eines: das Leben von Millionen Menschen zu verbessern. Das bedeutet auch, dass
wir klinische Studien durchführen, die die Vielfalt unserer Welt abbilden. Und
wir setzen uns dafür ein, dass unsere Medikamente weltweit zugänglich und
bezahlbar sind.
Weitere Informationen über Lilly Deutschland finden Sie hier:
https://www.lilly.com/de
https://www.linkedin.com/showcase/lilly-deutschland/
Pressekontakt:
Kontakt Lilly:
Lilly Deutschland GmbH
Katharina Bittmann
Werner-Reimers-Straße 2-4
61352 Bad Homburg
lilly.com/de
Büro: 06172 273-2037
eMail: mailto:katharina.bittmann@lilly.com
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/19840/6239395
OTS: Lilly Deutschland GmbH
|