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Blickwechsel Stoffwechsel - Gemeinsame Lösungen für Prävention & Versorgung in NRW / Versorgungslücken bei Adipositas schließen, gesetzliche Hürden abbauen (FOTO)

19.03.2026 16:55 Uhr Lilly Deutschland GmbH

Bad Homburg (ots) - Expertinnen und Experten aus Politik, Medizin und Patientenvertretung sind sich einig, dass das deutsche Gesundheitssystem einen grundlegenden Kurswechsel braucht: weg von der reinen Krankheitsverwaltung hin zur echten Prävention und einer strukturierten Regelversorgung. Regionale Lösungsansätze müssen systematisch in konkrete politische Maßnahmen überführt werden, um Gesundheit langfristig zu erhalten und die Versorgung von Menschen mit Adipositas nachhaltig zu verbessern. Diese gemeinsame Positionierung ist das zentrale Ergebnis des fachübergreifenden Austauschs beim zweiten Treffen der von Lilly Deutschland initiierten Plattform"Blickwechsel Stoffwechsel" in Düsseldorf, die gemeinsam mit dem Adipositas Verband Deutschland e. V. Akteure des Gesundheitswesens vernetzt.

Obwohl Adipositas bereits seit dem Jahr 2000 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und seit 2020 auch vom Deutschen Bundestag offiziell als chronische Krankheit anerkannt ist, besteht weiterhin ein gravierendes Missverhältnis zwischen medizinischer Evidenz und Versorgungsrealität. Es mangelt an flächendeckenden Screenings, früher Diagnostik und strukturierten Versorgungsangeboten, um Folgeerkrankungen und hohe Kosten für das Gesundheitssystem zu vermeiden. Zwar ist ein Disease-Management-Programm (DMP) Adipositas beschlossen, doch eine flächendeckende Umsetzung steht bislang aus.

Im Mittelpunkt des Treffens standen interdisziplinäre Arbeitsgruppen, in denen Entscheidungsträger aus Politik, Krankenkassen und Wissenschaft gemeinsam mit der Patientenvertretung konkrete Ansatzpunkte erarbeiteten. Ziel war es, jenseits grundsätzlicher Debatten praktikable Hebel zu identifizieren, um Prävention verbindlicher zu gestalten und strukturelle Barrieren in der Versorgung abzubauen.

Als zentrales Versorgungshemmnis identifizierten die Teilnehmenden § 34 SGB V. Der Paragraf schließt Arzneimittel zur Gewichtsregulierung explizit von der Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen aus, und stuft sie als vermeintliche "Lifestyle-Präparate" ein. Die Folge ist eine Zwei-Klassen-Medizin, bei der notwendige Therapien für viele Betroffene zur privaten Kostenfrage werden.

Raus aus der reinen Krankheitsverwaltung

Serdar Yüksel (MdB, SPD), Schirmherr der Veranstaltung und Mitglied im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages: "Wir haben in Deutschland kein Erkenntnisdefizit, sondern ein massives Umsetzungsdefizit. Unser Gesundheitssystem ist noch viel zu stark darauf ausgerichtet, Krankheit zu verwalten, statt Gesundheit zu erhalten. Oft betreiben wir Feuerwehrmedizin: Wir greifen erst ein, wenn das Haus bereits brennt, statt frühzeitig dafür zu sorgen, dass es gar nicht erst zum Brand kommt. Gerade bei Adipositas sehen wir, wie dringend wir Prävention, Versorgung und strukturelle Maßnahmen besser verzahnen müssen." Dazu gehöre auch, dass ein Disease-Management-Programm für Adipositas endlich zügig umgesetzt werde, damit Menschen mit dieser chronischen Erkrankung die bestmögliche, strukturierte Behandlung und Versorgung erhalten.

Prävention: Verbindlichkeit statt nur Appelle an die Eigenverantwortung

Auch aus medinisch-präventiver Sicht sei ein früheres und verbindlicheres Handeln notwendig. Prof. Dr. Dr. Christine Joisten, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP), betonte: "Prävention darf nicht erst im Erwachsenenalter oder in der Schule beginnen. Wir müssen bereits in den prägenden ersten 1.000 Tagen eines Lebens ansetzen, um die Weichen für eine gesunde Zukunft zu stellen. Damit diese Maßnahmen greifen, müssen sie jedoch evidenzbasiert, qualitätsgesichert und im System adäquat verankert und finanziert sein."

Versorgung ohne Stigma und finanzielle Barrieren

Neben finanziellen Hürden wurde auch die anhaltende Stigmatisierung von Menschen mit Adipositas als strukturelles Problem benannt. Christel Moll, Vorsitzende des Adipositas Verband Deutschland e.V., kritisierte dies als unhaltbaren Zustand im Leistungsrecht: "Wir erleben zurzeit eine Zwei-Klassen-Medizin. Aufgrund des aktuellen Arzneimittelausschlusses in § 34 SGB V kann sich schlicht nicht jeder die notwendige Therapie leisten. Eine wirksame Behandlung darf keine Frage des Geldbeutels sein." Sie verdeutlichte außerdem: "Für Betroffene entscheidet sich die Versorgung oft schon am Empfang der Arztpraxis: Wird man als Mensch mit der Krankheit Adipositas angenommen oder für mangelnde Disziplin verurteilt." Dass hier ein tiefgreifendes gesellschaftliches Umdenken nötig ist, unterstrich auch Marco Schmitz (MdL NRW, Sprecher der CDU-Fraktion im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales): "Wir müssen die Betroffenen ins Licht rücken und denen eine Stimme geben, die sonst eher keine haben. Es muss auf allen Ebenen klar werden: Adipositas ist eine Krankheit. Wir müssen die Stigmatisierung in der Öffentlichkeit aktiv bekämpfen und ein echtes Bewusstsein schaffen."

Die zentrale Forderung der Plattform an die Bundespolitik ist daher eine konsequente Reform oder Öffnung des §34 SGB V: Wenn Adipositas als chronische Erkrankung anerkannt ist, muss sich dies auch im Leistungsrecht widerspiegeln, um den Zugang zu medizinisch notwendigen Therapien für alle Versicherten sicherzustellen.

DMP-Adipositas: NRW als Motor für den Bund

Um respektvolle und zugängliche Versorgungstrukturen flächendeckend zu etablieren, richten sich die Blicke auf Nordrhein-Westfalen als möglichen Vorreiter. Der Roundtable war sich einig: Prävention darf kein Glücksfall sein und medizinische Qualität nicht vom Zufall abhängen. Mit der Umsetzung des strukturierten Behandlungsprogrammes (DMP) Adipositas bietet sich NRW die Chance, wirksame Strukturen zügig an den Start zu bringen und damit bundesweit Impulse zu setzen. Entscheidend sind dabei konkrete, alltagstaugliche Programme statt gut gemeinter Appelle.

Die "folgenlose Richtigkeit" beenden

Für die Wirksamkeit all dieser Reformen forderte Dr. Martin Danner, Bundesgeschäftsführer der BAG SELBSTHILFE, unmissverständliche gesetzliche Vorgaben. "Wenn die Politik den Fehler macht, Gesetze nur mit abstrakten Begriffen zu füllen, bleiben wir bei der 'folgenlosen Richtigkeit' ", warnte Dr. Danner. Man brauche Gesetze, die konkrete Maßnahmen so präzise durchdeklinieren, dass sie keinen Spielraum für Interpretation ließen. Nur durch eine solche Verbindlichkeit könnten strukturierte Programme wie das DMP endlich eine echte, flächendeckende Wirkung entfalten.

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Phase der reinen Problembeschreibung vorbei sein muss. Helena Kühnemund, Director External Engagement bei der Lilly Deutschland GmbH, betonte die Zielsetzung der Initiative: "Mit der Plattform 'Blickwechsel Stoffwechsel' ist es uns gelungen, einen kontinuierlichen Dialograum zu schaffen, der Akteure vernetzt, die sonst oft nebeneinander arbeiten, und insbesondere auch die Patient:innen zu Wort kommen zu lassen. Unser Ziel ist es, diesen interdisziplinären Austausch zu verstetigen und gemeinsam konkrete, politisch belastbare Lösungsansätze zu entwickeln, um die Versorgung von Menschen mit Adipositas nachhaltig und gerecht zu gestalten."

Abschließend unterstrich Christel Moll die Bedeutung der Perspektive der Betroffenen: "Es wird oft über die Betroffenen gesprochen, aber viel zu selten mit ihnen. Für die Menschen in der Selbsthilfe ist diese Initiative ein wichtiges Zeichen der Anerkennung. Respekt und Augenhöhe müssen die Grundlage jeder Therapie sein."

https://www.lilly.com/de/aktuelles/stoffwechsel

Weitere Informationen zu Adipositas: https://de.lilly.com/meinwegmitadipositas

CMAT-18407 März 2026

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Mit Erkenntnissen aus den Bereichen Biotechnologie, Chemie und Genetik treiben unsere Wissenschaftler:innen neue Entdeckungen voran, um einige der größten gesundheitlichen Herausforderungen der Welt zu lösen. So arbeiten sie daran, die Behandlung von Diabetes immer weiter zu optimieren, Adipositas zu behandeln und deren gravierende Langzeitfolgen einzudämmen, den Kampf gegen die Alzheimer-Krankheit voranzubringen, Lösungen für folgenschwere Störungen des Immunsystems zu finden und schwer zu behandelnde Krebsarten in beherrschbare Krankheiten zu verwandeln.

Bei jedem Schritt auf dem Weg zu einer gesünderen Welt geht es uns vor allem um eines: das Leben von Millionen Menschen zu verbessern. Das bedeutet auch, dass wir klinische Studien durchführen, die die Vielfalt unserer Welt abbilden. Und wir setzen uns dafür ein, dass unsere Medikamente weltweit zugänglich und bezahlbar sind.

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Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - Lilly Deutschland GmbH
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