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Osnabrück (ots) - Schauspieler Alexander Scheer ("Gundermann", "Rabiye Kurnaz
gegen George W. Bush") hat Details über eine medizinische Diagnose und seinen
früheren Drogenkonsum öffentlich gemacht: "Ich habe hochgradig ADHS", sagte
Scheer der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (noz). Die Diagnose sei durch seine
Freundin angestoßen worden - nachdem sie seine Symptome in einer Arztserie
wiedererkannt habe: "Damit hat sie mich dann zum Arzt geschickt und der hat
festgestellt: Ich habe hochgradig ADHS. Was ich gar nicht so schlimm finde. Mein
einziges Problem: In Interviews bilde ich Schachtelsätze, als gäb's keinen
Morgen", so der 49-Jährige.
Der Musiker und Schauspieler erklärte, dass er die Störung produktiv nutze: "Ich
komme mit allem gut klar: mit dem Hyperfokus, mit der Parallelität von
Ereignissen in meinem Kopf auch. Ich kann mich sehr gut mit sechs Dingen
gleichzeitig beschäftigen", sagte Scheer noz. Bei der vorbereiteten Lektüre für
seinen aktuellen David-Bowie-Abend habe er aber auf Medikamente zurückgegriffen:
"Dagegen kann man sich wirklich was verschreiben lassen. Ich mache das aber nur
selten, wenn ich mich wirklich konzentrieren muss - zum Beispiel als ich diese
zwölf Bücher lesen wollte." Der Effekt sei für ihn enorm: "Lesen fällt mir
natürlich schwer. Aber mit so einer Pille habe ich dann teilweise ein Buch pro
Tag gelesen."
Scheer äußerte sich auch offen über Erfahrungen mit anderen Substanzen. Auf die
Frage, welche der von David Bowie konsumierten Rauschmittel er selbst
ausprobiert habe, antwortete er: "Alles." Er ordnete dies biografisch ein: "Ich
bin ein Kind der 90er und komme aus Ost-Berlin. Wir hatten einiges nachzuholen.
Und Berlin war damals der freieste Ort im ganzen Universum. Natürlich wurde das
zelebriert."
Im heutigen Berufsalltag lehne er Drogen jedoch strikt ab: "Irgendwann habe ich
nämlich gemerkt: Entweder Feiern oder Text lernen - beides geht nicht.
Schauspiel ist Teamsport. Drogen sind da Doping und das widerspricht der
olympischen Idee - die Leistung kommt aus dir!", sagte der Schauspieler. In der
Musikszene hingegen habe er eine andere Haltung: "In der Musik kann ich Drogen
übrigens tolerieren. Musik hat mit Feuern in der Nacht zu tun. Die kommt vom
Schamanentum und der Ekstase. Da stehen Drogen einem nicht im Wege. Legen Sie
mal eine Rolling-Stones-Platte auf. Man hört jedes Gramm."
Als Beispiel einer eigenen Drogenerfahrung nannte Scheer eine Szene aus seiner
Jugendzeit: "Ich habe mal auf 100 Meter Entfernung ein Tagpfauenauge an der
Hauswand sitzen sehen, mit beinahe mikroskopischer Schärfe. Als ich dort ankam,
saß es wirklich da", sagte Scheer. "Ich glaube, da war ich auf
psycho-halluzinogenen Pilzen. Oder auf Mikros, der chemischen Variante davon."
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