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Berlin (ots) - 1988 endete der Betrieb des Versuchsreaktors im Forschungszentrum
Jülich. Seit 2013 hat das dortige Zwischenlager keine Genehmigung mehr, und in
der kommenden Woche soll der Transport des Atommülls aus dem Versuchsreaktor
nach Ahaus beginnen. Ebenfalls seit dem Jahr 2013 gab es ein politisches und
juristisches Hickhack darum, was mit dem strahlenden Abfall passieren soll. Im
Forschungszentrum Jülich wehrt man sich mit Zähnen und Klauen dagegen, den Müll
weiter auf dem Gelände zu lagern. In Jülich forscht man mittlerweile an
Quantencomputern, da passt Atommüll schlecht zum Image. In Ahaus will die Stadt
den Atommüll auch nicht und versuchte, genauso wie Atomkraftgegner*innen, die
Castor-Transporte auf juristischem Weg zu verhindern. Für die über 50 Transporte
der 152 Castor-Behälter aus Jülich ist das nicht geglückt. Sie dürfen nach
Ahaus, obwohl das dortige Zwischenlager nur noch eine Genehmigung bis ins Jahr
2036 hat. Wie es dann weitergeht, ist bislang unklar. Vermutlich wird die
Genehmigung für das Zwischenlager in Ahaus verlängert. Ein Endlagerstandort soll
in Deutschland erst in den 2070er Jahren gefunden werden.
In Jülich liegt also seit 40 Jahren Atommüll. Es hat 13 Jahre gedauert, einen
neuen Platz dafür zu finden, und wann und wo er am Ende gelagert wird, steht in
den Sternen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit einem Gefahrstoff sieht anders
aus.
Deswegen mutet es irrational an, dass es in Deutschland neue Atomüberlegungen
gibt. Angeschoben von Ursula von der Leyen und Emmanuel Macron wird wieder über
Atomkraft nachgedacht. Zur Erinnerung: Das französische Atomkraftwerk
Flamanville brauchte eine Bauzeit von fast 20 Jahren und kostete mehr als 13
Milliarden Euro. Geplant war eine Bauzeit von sieben Jahren und Kosten von 3,3
Milliarden Euro. Nun will man aber heute keine großen Atomkraftwerke bauen,
sondern "Small Modular Reactors" (SMR). Sie werden als Wunderwerke angepriesen,
sollen klein sein, in Fabriken gefertigt werden können und nur wenig Müll
produzieren. Bisher gibt es allerdings, bis auf Projekte in China und Russland,
über die wenig bekannt ist, keine funktionierenden SMR-Reaktoren, sondern nur
Pläne. Dass diese allzu schnell umgesetzt werden können und Deutschland oder
Europa zügig aus Energieabhängigkeiten heraushelfen können, ist ausgeschlossen.
Ganz davon abgesehen verbieten sich neue nukleare Pläne in Deutschland, selbst
wenn sie nur strahlenden Abfall in der Größe einer Streichholzschachtel
verursachen, solange keine vernünftige und abschließende Lösung für den alten
Müll gefunden worden ist.
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