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Halle (ots) - Die Gedenkstätten für die Opfer von Nationalsozialismus und
SED-Diktatur in Sachsen-Anhalt werfen der AfD eine Relativierung deutscher
Verbrechen vor. Die Partei wolle die Vergangenheit nutzen, um "ungebrochenen
Nationalstolz und Patriotismus" zu erzeugen, sagte Direktor Kai Langer von der
Gedenkstättenstiftung der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung
(Dienstagausgabe). "Es geht um eine 'patriotische Wende' in der Kultur- und
Bildungspolitik, die die kritische Auseinandersetzung mit dem
Nationalsozialismus aufgibt", rügte Langer.
Die Stiftung unterhält neun Gedenkstätten, die sich mit den beiden Diktaturen
des 20. Jahrhunderts auseinandersetzen. Scharf kritisiert Langer den Umgang der
AfD mit den Gefallenen der Kriege. Im Entwurf ihres Wahlprogramms zur
Landtagswahl am 6. September fordert die AfD eine Neuausrichtung des Gedenkens.
Soldaten hätten "ihr Leben für die Verteidigung ihres Landes gegeben", heißt es
in dem Papier. Daher hätten sie ein Anrecht auf Ehrung.
Langer sieht darin eine unkritische Heldenverehrung. "Verbrechen der Wehrmacht
und der Waffen-SS spielen dabei keine Rolle mehr. Das ist eine Rehabilitierung
durch die Hintertür." Der Zweite Weltkrieg sei als Angriffs- und
Vernichtungskrieg "maßgeblich von Deutschland ausgegangen", mahnt der
Stiftungsdirektor. "Die AfD will das Wissen um das Ausmaß deutscher Verbrechen
tilgen, und sie behauptet, das alles spiele heute keine Rolle mehr."
AfD-Landesvize Hans-Thomas Tillschneider verteidigt die geplante Soldatenehrung.
"Die Angehörigen der Wehrmacht und der Waffen-SS waren zum überwiegenden Anteil
keine Verbrecher", sagte er der MZ. "Vereinzelte Kriegsverbrechen der kämpfenden
Truppe sind zu verurteilen, dürfen aber den Blick darauf, dass die große
Mehrheit daran nicht beteiligt war, nicht verstellen." Die Waffen-SS war 1946
unter anderem wegen ihrer Beteiligung am Holocaust vom Internationalen
Militärgerichtshof in Nürnberg zur verbrecherischen Organisation erklärt worden.
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Hagen Eichler
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OTS: Mitteldeutsche Zeitung
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