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Frankfurt am Main (ots) -
- Sparziel Altersvorsorge 25 Jahre lang Nummer 1
- Renditechancen gewinnen an Bedeutung
- Eigene Finanzen: Solide Gelassenheit mit punktuellen Krisenausschlägen
Das Anlegerbarometer von Union Investment dokumentiert seit 25 Jahren die
Entwicklung der Anlegermentalität in Deutschland. Die Welt ist in den letzten
Jahren schneller, vernetzter und komplexer geworden - doch wie haben Sparerinnen
und Sparer hierzulande reagiert? Was hat sich verändert und was bleibt fester
Bestandteil der Sparkultur? Die Befragungsergebnisse des Anlegerbarometers von
2001 bis heute zeigen: Dem strukturellen Wandel der Finanzbranche und manchen
Marktkapriolen zum Trotz, prägen Sparbereitschaft, Sicherheitsbewusstsein sowie
Optimismus bei den eigenen Finanzen die Sparkultur. Zugleich zeigt sich, dass
sich der Fokus der Anleger durch eine schrittweise Modernisierung der
Anlagestrategie zunehmend Richtung mehr Renditeorientierung verschiebt.
Sparziel Altersvorsorge 25 Jahre lang Nummer 1
Das Sparen für die Altersvorsorge ist tief in der Mentalität der Sparerinnen und
Sparer hierzulande verankert: Blickt man auf das letzte Vierteljahrhundert
zurück, war es fast durchgängig das wichtigste Sparziel der Befragten. Lediglich
in einigen wenigen Erhebungen wechselte es hin und wieder die Spitzenposition
mit dem Sparziel "Notfallrücklage". Gerade in den vergangenen vier Jahren hat
die Bedeutung der privaten Ergänzung zur gesetzlichen Rente stark zugenommen. Im
2. Quartal 2025 erreichte das Sparziel private Altersvorsorge einen Rekordwert
von 87 Prozent und pendelt sich aktuell auf ähnlich hohem Niveau von 84 Prozent
ein.
Ob Finanz-, Eurokrise oder Corona: Trotz der Marktgeschehnisse der letzten Jahre
sind Sparerinnen und Sparer nicht vom Sparziel Altersvorsorge abgekommen.
Allerdings verändert sich mit der jungen Anlegergeneration die Art, mit welchen
Anlageformen fürs Alter vorgesorgt wird: Während Anfang der 2000er Jahre noch
Versicherungsprodukte dominierten, gewinnen Investmentfonds stark an Bedeutung:
46 Prozent sind in der aktuellen Befragung der Meinung, mit Fonds das Sparziel
Altersvorsorge am besten zu erreichen, darunter insbesondere die 20- bis
29-Jährigen (58 Prozent). 2001 waren es 18 Prozent aller Befragten.
Das zweitliebste Sparziel ist traditionell die Notfallrücklage (81 Prozent, 2.
Quartal 2001: 78 Prozent). Auf den dritten Platz hat sich in den vergangenen
Jahren das Sparen für "Unabhängigkeit und Flexibilität" vorgearbeitet:
Mittlerweile nennen es 79 Prozent der Befragten, während es vor 25 Jahren mit 65
Prozent noch deutlich weniger Bedeutung hatte. "Sparen für Kinder" nennen seit
Beginn der Befragung immer zwischen 47 und 67 Prozent als Ziel, in der aktuellen
Befragung 55 Prozent.
Renditechancen gewinnen an Bedeutung
Immer interessanter scheint es in den letzten Jahren für die Befragten zu sein,
mit dem Ersparten die Chancen an den Kapitalmärkten zu nutzen. Etwa ein Drittel
der Befragten (32 Prozent) hat dieses Sparziel in den letzten drei Jahren
verfolgt. In der aktuellen Befragung sind es sogar 37 Prozent, darunter vor
allem 20- bis 29-Jährige (44 Prozent). Einen annähernd hohen Wert erreichte das
Sparziel lediglich zu Beginn der Befragung im Jahr 2001 (29 Prozent). "Nach dem
Platzen der Dotcom-Blase, der Finanzmarktkrise und auch während der
Niedrigzinsphase war das Sparbuch für viele Menschen in Deutschland lange Zeit
der Inbegriff von Sicherheit. Im Ergebnis bedeutete das aber vor allem eines:
Kaufkraftverlust. Das Bewusstsein dafür, dass private Altersvorsorge essenziell
ist, um den eigenen Lebensstandard im Alter zu halten, steigt. Damit rücken
Renditechancen stärker in den Fokus", sagt Kerstin Knoefel, Segmentleiterin
Privatkunden bei Union Investment.
Die schrittweise Modernisierung der Anlagestrategie spiegelt sich auch in den
Besitzquoten wider: Galt bei der ersten Befragung im Jahr 2001 das Sparbuch als
Nonplusultra der Geldanlage - 86 Prozent hatten eines - ist der Besitz
kontinuierlich auf aktuell 60 Prozent gesunken und wurde von Investmentfonds
überholt. Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer (66 Prozent) besitzen inzwischen
Fonds, 2001 waren es nur 50 Prozent. Im Verlauf der vergangenen zweieinhalb
Jahrzehnte sank die Quote auf zwischenzeitlich 42 Prozent (Q2 2016), bevor sie
sich insbesondere nach 2019 auf das heutige Niveau hocharbeitete. Aktien besaßen
zu Beginn der Zeitreihe 27 Prozent der Umfrageteilnehmer (1. Quartal 2001).
Zwischenzeitlich sank auch diese Quote deutlich, der niedrigste Wert lag bei 15
Prozent im 2. Quartal 2015. In der aktuellen Befragung gibt es mit 35 Prozent so
viele Aktienbesitzer wie nie zuvor. "In den letzten 25 Jahren hat das Sparbuch
hierzulande deutlich an Bedeutung verloren. Für immer mehr Sparerinnen und
Sparer ist klar: Wer Vermögen aufbauen will, setzt auf Diversifikation,
Langfristigkeit und ein gutes Verständnis von Chancen und Risiken - ohne
kurzfristigen Trends zu folgen. Finanzwissen bleibt der Schlüssel, um fundierte
Entscheidungen zu treffen und zukunftsorientiert zu handeln", meint Knoefel.
Eigene Finanzen: Solide Gelassenheit mit punktuellen Krisenausschlägen
Befragt nach Prognosen, hält sich ein Muster seit 25 Jahren stabil: Der Blick
auf die Zukunft der deutschen Wirtschaft fällt in der Regel düsterer aus als der
für die Zukunft der eigenen Finanzen. Über zweieinhalb Jahrzehnte hinweg
erwartete die Mehrheit der Befragten eine gleichbleibende finanzielle Situation,
lediglich externe Schocks wie die Finanzmarktkrise und der Ukraine-Krieg führten
zu erkennbaren Pessimismus-Spitzen. Ähnlich gelassen zeigten sich die Sparer zum
Beispiel auch während der Finanzmarktkrise und bei der Frage, wie sie zu dieser
Zeit mit ihren Geldanlagen umgehen. Trotz der Turbulenzen wollten im zweiten
Quartal 2009 lediglich ein Fünftel der reaktionsbereiten Aktienfondsbesitzer
verkaufen (20 Prozent), während die Mehrheit entweder an ihrer Strategie
festhielt oder teils sogar Zukäufe plante (80 Prozent). Aktuell sind die
Befragten optimistisch wie nie: Fast drei von zehn Sparern (29 Prozent) erwarten
eine Verbesserung ihrer Finanzsituation in den nächsten 12 Monaten. Das ist ein
Höchststand, der lediglich im zweiten Quartal 2007 erreicht wurde.
Beim Blick auf die Einschätzung der wirtschaftlichen Situation in Deutschland
sind die Krisenausschläge dagegen deutlicher. So erreichte die Stimmung der
Anleger zum Beispiel mit Beginn des Ukraine-Krieges einen historischen
Tiefpunkt: Im zweiten Quartal 2022 erwarteten 74 Prozent der Befragten eine
schlechtere wirtschaftliche Situation - ein Rekordwert in der
Erhebungsgeschichte. Optimisten waren kaum vorhanden (4 Prozent). Zum Vergleich:
Selbst während der Finanzmarktkrise lag der Pessimismus-Anteil "nur" bei 65
Prozent (zweites Quartal 2009). In der aktuellen Befragung ist die Zahl der
Pessimisten auf 51 Prozent gestiegen, vor einem halben Jahr waren es lediglich
42 Prozent. "Die Ergebnisse des Anlegerbarometers der vergangenen 25 Jahre
zeigen: Das Gros der Anleger in Deutschland ist in Grundhaltungen wie hoher
Sparbereitschaft, starker Sicherheitsorientierung und Altersvorsorge als
Top-Sparziel fest verwurzelt geblieben. Gleichzeitig blieben viele auch in
turbulenten Zeiten besonnen und zeigten ein rationales Krisenverhalten mit
klarem Fokus auf den langfristigen Vermögensaufbau, ohne panisch umzuschichten",
so Knoefel.
Zur Studie:
Für das Anlegerbarometer befragt das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag
von Union Investment seit dem Jahr 2001 quartalsweise 500 Personen, die in
Privathaushalten in Deutschland über Finanzen entscheiden. Die Befragung fand
bis 2021 telefonisch statt und seitdem online. Die Zahl der Befragten wurde mit
der Onlinebefragung auf rund 1.000 Personen erweitert. Seit 2023 finden die
Befragungen halbjährlich statt. Zum 25-jährigen Jubiläum des Anlegerbarometers
dokumentiert ein Whitepaper die Entwicklung der Anlegermentalität in Deutschland
im letzten Vierteljahrhundert. Die aktuelle Befragung erfolgte im Dezember 2025.
Pressekontakt:
Sandra Lorke, Tel. 069-2567-2641,
E-Mail: mailto:sandra.lorke@union-investment.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/76432/6242157
OTS: Union Investment
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