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Berlin (ots) -
- Neue Gasheizungen könnten für Mieter*innen über 19 Jahre gerechnet mehr als
18.000 Euro höhere Heizkosten verursachen als Wärmepumpen
- Eigentümer*innen von Einfamilienhäusern laufen Gefahr, über die Jahre knapp
24.000 Euro mehr fürs Heizen zu zahlen
- BUND fordert klare Regeln zum Umstieg auf erneuerbare Wärme und einen
Heizkostendeckel für Mieter*innen
Neue Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung
ISI für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigen, wie das
geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) zum Heizkostentreiber wird. Die
Berechnungen verdeutlichen, dass die Pläne der Bundesregierung nicht nur einem
klimapolitischen Kahlschlag im Wärmebereich gleichkommen, sondern auch fatale
soziale Folgen haben.
Julius Neu, Experte für Energie- und Klimapolitik beim BUND : "Bereits vor der
Energiekrise im Zuge des Iran-Kriegs sorgten sich sieben von zehn Menschen
(https://app.civey.com/dashboards/02-2026-naturschutz-heizen-24419?tab=general)
vor steigenden Heizkosten. Ausgerechnet jetzt möchte die Bundesregierung der
Gaslobby mit einem 'Teurer-Heizen-Gesetz' ein Geschenk auf Kosten der
Verbraucher*innen machen. Das ist absolut unverantwortlich und muss im Kabinett
gestoppt werden. Statt fossiler Politik von gestern brauchen wir einen klaren
Kurs zum Umstieg hin zu erneuerbaren Lösungen wie der Wärmepumpe, die Heizkosten
bezahlbar halten und uns unabhängig von Krisen machen."
Mietende in der Kostenfalle
In den am 24. Februar veröffentlichten Eckpunkten zum GMG plant die
Bundesregierung, den Einbau von Öl- und Gasheizungen auch weiterhin zu erlauben,
wenn ein steigender Anteil "grüner Brennstoffe" beigemischt wird ("Bio-Treppe").
Bei Gasheizungen kommt in der Praxis dafür ausschließlich Biomethan infrage. Die
Berechnungen des Fraunhofer ISI zeigen, dass Mieter*innen in einer typischen
Wohnung in einem Mehrfamilienhaus bis 2045 gerechnet über 18.000 Euro mehr an
Heizkosten bezahlen, wenn Vermietende im Jahr 2027 auf eine neue Gasheizung
statt auf eine Wärmepumpe setzen. Die monatliche Mehrbelastung bei den
Betriebskosten einer Gasheizung im Vergleich zur Wärmepumpe könnten von 55 Euro
im Jahr 2035 auf 272 Euro im Jahr 2045 steigen.
Neu: "Was die Bundesregierung beim Heizen plant, ist nicht nur eine Mogelpackung
für den Klimaschutz, sondern auch sozialer Sprengstoff. Mietende, die nicht
selbst über ihre Heizung entscheiden, müssten über die nächsten Jahre gerechnet
tausende Euro an höheren Heizkosten tragen, wenn ihre Vermieter*innen
Gasheizungen statt Wärmepumpen einbauen. Die Bundesregierung muss deshalb
dringend ihren Kurs korrigieren, klare Regeln für den Umstieg auf erneuerbare
Heizungen festlegen und Mieter*innen mit einem Heizkostendeckel schützen."
Eigentümer*innen drohen teure Fehlentscheidungen
Die höheren Heizkosten mit fossilem Gas und Biomethan schlagen bei
Eigentümer*innen von typischen Einfamilienhäusern aufgrund der durchschnittlich
höheren Wohnfläche und schlechteren Effizienz noch deutlicher zu Buche. Bis 2045
könnten die Heizkosten um knapp 24.000 Euro höher ausfallen, wenn sie auf eine
neue Gasheizung statt auf eine Wärmepumpe setzen. Ihre monatliche Mehrbelastung
könnte von 73 Euro im Jahr 2035 auf 326 Euro im Jahr 2045 steigen. Um nicht in
die Kostenfalle zu geraten, rät der BUND Eigentümer*innen, unabhängig von der
politischen Entscheidung um das Gebäudemodernisierungsgesetz, auf erneuerbare
Heizsysteme wie die Wärmepumpe zu setzen.
Neu: "Hauseigentümer*innen sollten sich auf keinen Fall durch den
rückwärtsgewandten Kurs der Bundesregierung beim Heizen verunsichern lassen. Die
gestiegenen Einbauzahlen unterstreichen: Wärmepumpen sind nicht nur
klimafreundlich, sondern auch in den meisten Fällen die kostengünstigste Lösung.
Die Bundesregierung muss die Menschen deshalb durch einen klaren Umstiegspfad
hin zu erneuerbaren Heizungen unterstützen und Förderprogramme sozial gestalten,
damit sich alle den Umstieg leisten können."
Hintergrund:
Die Berechnungen des Fraunhofer ISI für den BUND vergleichen die monatlichen
Betriebskosten einer neuen Gasheizung mit steigenden Beimischungsquoten von
Biomethan mit denen einer Wärmepumpe bis zum Jahr 2045. Betrachtet wurde sowohl
die Situation von Mieter*innen in einem typischen Mehrfamilienhaus
(teilmodernisierter Zustand, Effizienzklasse D) als auch die von selbst
nutzenden Eigentümer*innen eines typischen Einfamilienhauses (wenig sanierter
Zustand, Effizienzklasse E). Die Heizkosten wurden für eine für die Gebäudetypen
durchschnittlichen Wohnfläche berechnet: 70 Quadratmeter im Mehrfamilienhaus und
121 Quadratmeter im Einfamilienhaus. Es wurde angenommen, dass die "Bio-Treppe"
gemäß der Eckpunkte mit 10 Prozent ab 2029 startet und danach - angelehnt an die
im aktuellen Gebäudeenergiegesetz festgelegten Stufen - auf 30 Prozent ab dem
Jahr 2035, 60 Prozent ab 2040 und 100 Prozent im Jahr 2045 steigt. Als Stichjahr
des Heizungstausches wurde 2027 angenommen.
Zur Entwicklung von Energiepreisen (Strom, Erdgas, Biomethan) sowie zur
Entwicklung von CO2-Bepreisung und Netzentgelten wurden moderat konservative
Annahmen gewählt. Diese moderate Annahme preist Energiekostenspitzen, wie sie
beispielsweise jetzt infolge des Irankriegs entstehen, nicht mit ein. Diese
würden sich bei Gasheizungen durch die höheren Energiekosten deutlich stärker
auswirken als bei einer Wärmepumpe. Um Unsicherheiten bei der Entwicklung von
Preisen von fossilem Erdgas, Biomethan und Strom sowie CO2-Preis und der
Entwicklung von Netzentgelten abzubilden, wurden zusätzlich zu
durchschnittlichen Werten auch Bandbreiten in die Berechnungen einbezogen.
In einem Szenario mit besonders hohen Kosten für die Gasheizung und besonders
günstigen Kosten für den Betrieb einer Wärmepumpe würden sich die monatlichen
Mehrausgaben für Mietende auf 141 Euro im Jahr 2035 und 453 Euro im Jahr 2045
erhöhen. Für Eigentümer*innen eines typischen Einfamilienhauses auf 185 Euro im
Jahr 2035 und 558 Euro im Jahr 2045. Selbst im umgekehrten Fall, bei besonders
günstigen Betriebskosten von Gasheizungen und besonders hohen Kosten für den
Betrieb von Wärmepumpen bleibt das Heizen mit einer Gasheizung teurer als das
Heizen mit einer Wärmepumpe. Der monatliche Vorteil für Mietende im
Mehrfamilienhaus beträgt hier 11 Euro im Jahr 2035 und 149 Euro im Jahr 2045.
Für Bewohner*innen eines Einfamilienhauses liegt er bei 16 Euro im Jahr 2035 und
171 Euro im Jahr 2045.
Mehr Informationen:
- Fraunhofer ISI: Ergebnispräsentation (https://www.bund.net/fileadmin/user_uplo
ad_bund/publikationen/energiewende/Berechnungen-GEG-Frauenhofer-BUND-2026.pdf)
der Berechnungen für den BUND
- BUND-Eilappell: (http://www.aktion.bund.net/gaslobby-geschenk-stoppen)
Geschenk an Gaslobby stoppen! Heizen muss klimafreundlich und bezahlbar sein
- BUND-Kurzanalyse: Klimaschädlich und teuer. Kurzanalyse der Eckpunkte zum
"Gebäudemodernisierungsgesetz" (https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bun
d/publikationen/energiewende/Eckpunkte-GEG-BUND-Bewertung-25-02-2026.pdf)
- BUND-Umfrage (https://app.civey.com/dashboards/02-2026-naturschutz-heizen-2441
9?tab=general) zu den Sorgen der Menschen vor steigenden Heizkosten
- Kontakt: Julius Neu, Experte für Energie- und Klimapolitik beim BUND, Tel: +49
30 27586-105, julius.neu(at)bund.net (https://www.bund.net/service/presse/pres
semitteilungen/detail/news/einigung-zur-kraftwerksstrategie-leerstelle-klimasc
hutz/)
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