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Brüssel/Berlin (ots) - Mit dieser Frage haben hundert Aktivist*innen aus ganz
Europa die EU-Kommission in Brüssel konfrontiert. Denn eine neue Analyse der
Tierschutzorganisation Animal Equality zeigt: Der für Tierschutz verantwortliche
Kommissar Olivér Várhelyi hat sich in den vergangenen Monaten zehnmal häufiger
mit Vertreter*innen der Agrarindustrie zum Thema Tierschutz ausgetauscht als mit
Tierschutzorganisationen. An zwei aufeinanderfolgenden Protesttagen in Brüssel
haben die Tierschützer*innen von Animal Equality dieses Missverhältnis
kritisiert und den Verantwortlichen klargemacht: "Die Industrie, die von Tieren
und der Käfighaltung profitiert, darf nicht über den Schutz der Millionen
Lebewesen entscheiden."
Diese neuen Fakten sind ein weiteres Puzzlestück, das die Haltung der
EU-Kommission zum Thema Tierschutz verdeutlicht. Seit Februar hat die
international tätige Tierschutzorganisation Animal Equality ihren Einsatz für
ein Käfigverbot in der EU mit einer neuen Kampagne verstärkt. Die
Tierschützer*innen kritisieren seit Jahren die Untätigkeit der Politik. An den
vergangenen beiden Tagen (23. und 24. März 2026) haben sie ihre Forderungen
erneut in Brüssel mit über hundert Aktivist*innen aus ganz Europa direkt an die
EU-Kommission gerichtet: "Wir fordern von der Europäischen Kommission und
insbesondere Kommissar Olivér Várhelyi (Gesundheit und Tierschutz) noch in
diesem Jahr einen konsequenten Gesetzesvorschlag, der das seit Jahren
versprochene Käfigverbot beinhaltet sowie das Töten männlicher Küken beendet."
Die Tierschützer*innen protestieren lautstark vor dem Berlaymont-Gebäude, dem
Hauptsitz der EU-Kommission sowie der Generaldirektion Gesundheit und
Lebensmittelsicherheit (DG SANTE) - jener Behörde, in der EU-Tierschutzgesetze
ausgearbeitet werden. Sie trugen übergroße Figuren der Kommissare Várhelyi und
Christophe Hansen (Landwirtschaft und Ernährung) sowie der
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und präsentierten die Ergebnisse der
Datenanalyse.
Die Daten zeigen eine erschreckende Tendenz
Die Analyse basiert auf 708 öffentlichen Treffen, die im Transparenzregister der
EU-Kommission dokumentiert sind. Die Zahlen sind keine Behauptung, sondern von
der Kommission selbst veröffentlichte Informationen.
- Analysierte Treffen gesamt: 708
- Davon Treffen mit der Agrarindustrie zu Tierschutz: mindestens 46
- Davon Treffen mit Tierschutzorganisationen: 7
- Verhältnis: 7:1 zugunsten der Industrie
- Erwähnung des Wortes "Käfig" im Betreff in 708 Treffen: 0 Mal
- Erwähnung von "Kükentötung" im Betreff in 708 Treffen: 0 Mal
Besonders deutlich wird die Schieflage bei Kommissar Várhelyi: Er und sein
Kabinett trafen sich mindestens 40 Mal mit der Agrarindustrie zum Thema
Tierschutz - aber nur viermal mit Tierschutzorganisationen. Ein Verhältnis von
10:1.
"300 Millionen Tiere leben in der EU in Käfigen. Schweine, Hühner, Kaninchen und
andere Tiere, die sich teils ihr ganzes Leben lang kaum bewegen können. Mehr als
1,4 Millionen Bürger*innen haben bereits vor Jahren ein Verbot gefordert. Doch
in 708 offiziellen Treffen fiel das Wort 'Käfig' im Betreff kein einziges Mal.
Das ist kein Zufall - das ist das Ergebnis systematischer Einflussnahme einer
Industrie, die ungehinderten Zugang zu den Entscheidungsträger*innen hat."
- Vanessa Raith, Direktorin Animal Equality Deutschland
Fünf Jahre gebrochene Versprechen
2021 verpflichtete sich die EU-Kommission, als Reaktion auf die Europäische
Bürgerinitiative "End the Cage Age" (unterzeichnet von 1,4 Millionen
EU-Bürger*innen), legislative Vorschläge für ein Verbot der Käfighaltung
vorzulegen. Die ursprüngliche Frist Ende 2023 verstrich ohne Gesetzesvorschlag.
Anfang dieses Monats fand vor dem Gerichtshof der Europäischen Union die
mündliche Verhandlung über die Untätigkeitsklage gegen die Europäische
Kommission im Zusammenhang mit der Europäischen Bürgerinitiative "End the Cage
Age" statt. Ein Urteil wird in den kommenden Monaten erwartet.
Auch in einer öffentlichen Konsultation der EU-Kommission im Jahr 2025 forderten
über 190.000 Bürger*innen ein Käfigverbot. Doch das Arbeitsprogramm 2026 der
Kommission erwähnt weder das Käfigverbot noch die seit Jahren versprochene
Überarbeitung der Tierschutzgesetzgebung. Die Folge: Rund 300 Millionen Tiere
leben in der EU weiterhin in Käfigen.
Deutsche Europaabgeordnete erhöhen Druck
Auch deutsche Politiker*innen im EU-Parlament setzen sich für ein Käfigverbot
ein. Maria Noichl, bayerische SPD-Europaabgeordnete, die bereits 2021 forderte,
die "tägliche Qual von Tieren zu beenden", macht mit der aktuellen
parlamentarischen Anfrage O-000006/2026 nun erneut Druck auf die Kommission. Die
mündliche Anfrage, die von insgesamt 36 Europaabgeordneten aus verschiedenen
Fraktionen eingereicht wurde, fordert die Kommission auf zu erklären: "Wann und
wie wird die Kommission ihre Verpflichtung zur Überarbeitung der
EU-Tierschutzgesetzgebung einlösen?" Die Anfrage soll in einer der kommenden
Plenarsitzungen des Europäischen Parlaments behandelt werden.
Was Animal Equality fordert
- Einen verbindlichen, monatsgenau festgelegten Zeitplan für einen
Gesetzesvorschlag bis Ende 2026
- Die Bestätigung, dass der Vorschlag ein Verbot der Käfighaltung und ein Verbot
der Kükentötung beinhalten wird
- Ausgewogenen institutionellen Zugang: Die Kommission muss jene, die Tiere
verteidigen, ebenso häufig anhören wie jene, die von ihrer Ausbeutung
profitieren
Animal Equality hat am 11. März 2026 formelle Anträge auf Akteneinsicht an beide
Kommissare gestellt. Die Kommission muss bis April 2026 antworten.
Wir stehen Ihnen jederzeit für weitere Informationen und Gespräche zur
Verfügung. Wenden Sie sich gerne an unseren Pressekontakt Till Hartmann via
E-Mail an mailto:presse@animalequality.de oder melden Sie sich telefonisch unter
+49 (0)176 30040892.
Fotos und weitere Informationen:
Pressekit (https://drive.google.com/drive/folders/1Fa2XH0ndhj4QYa21p1cN-teLtSOZ9
sN0?usp=drive_link)
Videostatement Animal Equality vom 24.03.2026 (https://drive.google.com/file/d/1
ANfmmSSVaT2hT-28uQ9UYuyUsOE2_BwC/view?usp=sharing)
Kampagnenseite
(https://animalequality.de/kampagne/kaefige/europaeische-kommission/)
Redaktionelle Hinweise
- All data: EC Transparency Register - Transparency: Olivér Várhelyi - European
Commission (https://commission.europa.eu/about/organisation/college-commission
ers/oliver-varhelyi_en) and Christophe Hansen - European Commission (https://c
ommission.europa.eu/about/organisation/college-commissioners/christophe-hansen
_en) - publicly verifiable
- Analysis period: mid-December 2024 to 11 March 2026 | Commissioners: Várhelyi
+ Hansen, including cabinets.
- 708 meeting subjects searched for: 'cage', 'cages', 'chick culling', 'chick
killing', 'male chick', 'culling', 'hatchery', 'in-ovo', 'laying hen',
'broiler', 'egg production', zero results across all terms.
Über Animal Equality
Animal Equality wurde 2006 von Sharon Núñez, Javier Moreno und Jose Valle in
Spanien gegründet und ist heute eine der weltweit effektivsten
Tierschutzorganisationen. Gemeinsam mit Gesellschaft, Politik und Unternehmen
arbeiten wir in acht Ländern auf vier Kontinenten für eine Welt, in der alle
Tiere respektiert und vor Ausbeutung geschützt werden. Zudem unterstützt Animal
Equality mit der Plattform Love Veg (https://loveveg.de/) zahlreiche Menschen
bei ihrer Ernährungsumstellung und bietet unter anderem kostenfreie pflanzliche
Kochbücher an. Animal Equality setzt sich durch Aufklärungsarbeit,
Unternehmenskampagnen und die Veröffentlichung von Undercover-Recherchen dafür
ein, die Grausamkeit gegenüber landwirtschaftlich genutzten Tieren zu beenden.
Ebenso strebt Animal Equality Fortschritte für Tiere auf rechtlicher Ebene an.
Pressekontakt Animal Equality:
Animal Equality Germany e.V.
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Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/181638/6242897
OTS: Animal Equality Germany e.V.
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