|
Bayern (ots) - Ein Modellprojekt im Berchtesgadener Land zeigt, wie
Digitalisierung Pflegekräfte entlastet und die Versorgung von Patientinnen und
Patienten sicherer und menschlicher macht
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist mehr als ein technisches
Zukunftsprojekt - sie ist eine Frage der Würde, der Sicherheit und der Zeit für
Menschen. Ob ältere Patientinnen und Patienten mit mehreren Behandlungen,
pflegende Angehörige im Spannungsfeld von Beruf und Verantwortung oder
Pflegekräfte im Alltag zwischen Versorgung und Dokumentation: Sie alle
profitieren von Lösungen, die Informationen verlässlich und effizient verfügbar
machen.
Stellen wir uns eine typische Situation vor: Eine ältere Patientin wird aus dem
Krankenhaus entlassen. Neue Medikamente, veränderte Dosierungen,
Therapieempfehlungen. Der Hausarzt braucht Informationen. Der Pflegedienst
ebenfalls. Die Apotheke muss Wechselwirkungen prüfen. Die Krankenkasse klärt
Leistungen. Zu oft beginnt nun eine Kette aus Telefonaten, Faxen, Rückfragen -
mit Verzögerungen und Unsicherheiten. Für die Betroffenen bedeutet dies vor
allem Stress und Unsicherheit. Für Pflegekräfte und Ärzte zusätzlichen Aufwand.
Und manchmal entstehen genau dort Risiken, wo eigentlich Sicherheit herrschen
sollte.
Genau hier setzt die elektronische Patientenakte (ePA) an. Sie bündelt
medizinische Informationen wie Befunde, Arztbriefe und Medikationspläne an einem
zentralen, sicheren Ort und macht sie für berechtigte Beteiligte jederzeit
abrufbar. Gerade an sensiblen Schnittstellen - etwa beim Übergang vom
Krankenhaus in die ambulante Versorgung - hilft sie, Informationsverluste,
Rückfragen und Verzögerungen zu vermeiden und die Behandlung sicher zu
koordinieren.
Das vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention
geförderte Modellprojekt "Bürokratieabbau in der ambulanten Pflege -
EINFACH.MACHEN" im Berchtesgadener Land befasst sich nun intensiv mit der ePA.
Ziel des Projekts ist es, durch konsequente Digitalisierung die Versorgung
pflegebedürftiger Menschen zu verbessern und gleichzeitig Pflegekräfte und
-unternehmen, Angehörige sowie Ärztinnen und Ärzte spürbar von Bürokratie zu
entlasten. Projektträger ist der Bundesverband privater Anbieter sozialer
Dienste e.V. (bpa).
Der ehrenamtliche Projektleiter und Bezirksrat Georg Wetzelsperger aus
Teisendorf betont: "Wer Pflege wirklich stärken will, muss Bürokratie abbauen.
Unsere Pflegekräfte brauchen Zeit für Menschen statt für Formulare."
Der bayerische bpa-Landesvorsitzende Kai A. Kasri ergänzt: "Die elektronische
Patientenakte kann Informationen dorthin bringen, wo sie gebraucht werden -
schnell, sicher und ohne doppelte Dokumentation."
Auch aus der Praxis wird die ePA als zentraler Baustein für eine bessere
Zusammenarbeit gesehen. In Befragungen und Workshops im Rahmen des Projekts
wurde deutlich: Informationen dürfen nicht verloren gehen, Abstimmungsprozesse
müssen einfacher werden und pflegende Angehörige brauchen mehr organisatorische
Unterstützung. Die ePA schafft hier Transparenz, reduziert doppelte
Dokumentation und sorgt dafür, dass alle Beteiligten auf demselben Wissensstand
arbeiten.
Ein zentrales Element des Projekts ist der Aufbau durchgängiger digitaler
Prozesse über die Telematikinfrastruktur - von der Krankenhausentlassung über
den Datenaustausch zwischen Arztpraxis und Pflegedienst bis hin zur Abrechnung.
Das spart Zeit, schützt sensible Informationen und sorgt dafür, dass alle
Beteiligten auf demselben Wissensstand arbeiten.
Noch gibt es Hürden: Datenschutzfragen, technische Schnittstellen oder
Schulungsbedarf. Doch die bisherigen Erfahrungen in der Modellregion zeigen: Wo
Systeme verständlich eingeführt und Prozesse klar gestaltet werden, wächst das
Vertrauen.
Die Modellregion im Berchtesgadener Land ist hier ganz vorne mit dabei und
zeigt, wie die Digitalisierung im Gesundheitswesen konkret gelingen kann:
pragmatisch, kooperativ und konsequent am Nutzen für die Menschen ausgerichtet.
Die elektronische Patientenakte ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein
entscheidendes Werkzeug für eine bessere, sichere und menschlichere Versorgung.
Pressekontakt:
Für Rückfragen: Joachim Görtz, Leiter der bpa-Landesgeschäftsstelle,
Tel.: 089/890 44 83 20, www.bpa.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/17920/6242976
OTS: bpa - Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V.
|