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Liechtenstein (ots) - I always tend to see the funny side of things. - Eleanor
Antin
Seit über 50 Jahren zählt Eleanor Antin (geb. 1935 in New York) zu den
wegweisenden Stimmen ihrer Generation. Als Pionierin der künstlerischen
Selbstinszenierung erschafft sie fiktive Figuren und stellt zentrale Fragen nach
Identität, Geschichte und Repräsentation. Dabei verbindet ihr Werk tiefgründigen
Humor mit feinsinniger Erzählkunst. Antins medienübergreifende Praxis -
Fotografie, Film, Text, Performance, Skulptur und Installation - lädt dazu ein,
vertraute Narrative neu zu betrachten und verblüffende Perspektiven auf unser
individuelles und gesellschaftliches Selbstverständnis zu entdecken.
Diese Retrospektive - die erste überhaupt in Europa - beleuchtet von 27. März
bis 29. September 2026 die Vielschichtigkeit von Antins Oeuvre und macht
deutlich, wie aktuell ihre Arbeit bis heute ist. Die Ausstellung spannt den
Bogen von Antins frühen performativen Arbeiten der 1960er-Jahre bis zu jüngsten
Werken.
Zu den frühen ikonischen Arbeiten der Künstlerin zählen die legendäre Aktion und
Postkartenserie 100 Boots (1971-1973) - eine abenteuerliche, inszenierte Reise
von hundert schwarzen Gummistiefeln von Kalifornien nach New York - sowie die
Fotoarbeit CARVING: A Traditional Sculpture (1972). In dieser formt und
protokolliert sie ihren eigenen Körper über 37 Tage hinweg im Sinne einer
Bildhauerin und hinterfragt dabei radikal Vorstellungen von Selbstbestimmung und
Körperlichkeit.
Antins Personas: König, Ballerina, Krankenschwester
Im Zentrum ihres Schaffens steht die performative Selbstinszenierung, mit der
Antin seit den späten 1960er-Jahren die fluide Existenz des Selbst erkundet. Sie
schlüpft in verschiedene Rollen - den König, die Ballerina oder die
Krankenschwester -, die verschiedene Identitäten, historische Bezüge und innere
Widersprüche in sich tragen. So untersucht sie gesellschaftliche Rollen,
Machtstrukturen und kulturelle Zuschreibungen. Ambivalenz, Fiktion und
Inszenierung nutzt sie bewusst als künstlerische Mittel.
"Der König kam zuerst, als ich herausfinden wollte, wie mein männliches Selbst
sein würde", erklärt Antin. Die Ballerina tritt erstmals 1973 auf: Fotos zeigen
sie als ideale Primaballerina, während ein Making-of-Video die inszenierten
Posen entlarvt. Die Krankenschwester, Antins drittes Alter Ego, ist ihre
ambivalenteste Figur: Verführerin und Verführte zugleich, zwischen
Ausgeliefertsein und Handlungsmacht oszillierend.
Historische Referenzen und bewusste Theatralik
In späteren Arbeiten setzt sich Antin, deren Eltern von Polen in die USA
migriert waren, explizit mit ihrem jüdisch-kulturellen Erbe auseinander: mit The
Man Without a World (1991), einem Stummfilm in Spielfilmlänge, der sich als Werk
des fiktiven sowjetisch-jüdischen Regisseurs Yevgeny Antinov ausgibt, oder in
der imposanten, raumgreifenden Installation Vilna Nights (1993-1997/2025). Wie
eine Theaterkulisse lässt diese die Betrachtenden in eine Welt eintauchen, die
nicht mehr existiert.
Im Spätwerk wird die Künstlerin zur Regisseurin, die ihre Schauspieler:innen in
sorgfältig inszenierte Rollen führt. Die Historical Takes (2004-2008),
hollywoodeske Bilder einer überzeichneten griechisch-römischen Antike, zeigen
dekadente Exzesse und thematisieren den Niedergang von Imperien.
Kuratiert für das Kunstmuseum Liechtenstein von Christiane Meyer-Stoll mit
Henrik Utermöhle.
Die Ausstellung wurde vom Mudam Luxembourg - Musée d'Art Moderne Grand-Duc Jean
initiiert und organisiert. Nach Vaduz wandert sie an das MOCAK - Museum für
Gegenwartskunst in Krakau.
Zur Ausstellung erscheint die bislang umfassendste Monografie über die
Künstlerin, Eleanor Antin. Works 1965-2017 , sowie die Edition 2 Boots (after
Eleanor Antin) (2026) von Manfred Naescher.
Ausstellung
Eleanor Antin. Eine Retrospektive
27. März - 27. September 2026
Vernissage
Donnerstag, 26. März, ab 18 Uhr
18.30 Uhr: Gespräch
Bettina Steinbrügge (Direktorin Mudam Luxembourg - Musée d'Art Moderne
Grand-Duc Jean) und Vanessa Joan Müller (Mitherausgeberin der Publikation zu
Eleanor Antin) mit Christiane Meyer-Stoll (Direktorin Kunstmuseum Liechtenstein)
Führung und Gespräch
mit Hanno Loewy (Direktor des Jüdischen Museums Hohenems) und Christiane
Meyer-Stoll
Sonntag, 29. März, 11 Uhr
Performance von Saâdane Afif
Sonntag, 27. September, 14 Uhr
PRESSEMAPPE ZUM DOWNLOAD
Pressekontakt:
Franziska Hilbe
+423 235 03 17 · mailto:franziska.hilbe@kunstmuseum.li
Barbara Wagner
+41 78 236 34 84 · mailto:barbara.wagner@kunstmuseum.li
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/122910/6243238
OTS: Kunstmuseum Liechtenstein
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