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Hamburg (ots) - Pläne des Wirtschaftsministeriums würden Ausbau von Windenergie
und Photovoltaik in 90 Landkreisen bremsen - Niedersachsen, Sachsen-Anhalt,
Schleswig-Holstein und Bayern besonders betroffen
Das vom Bundeswirtschaftsministerium geplante Netzpaket droht den Ausbau von
Wind- und Solarenergie in Deutschland massiv zu drosseln. Gefährdet wären rund
32 Gigawatt an Vorhaben, die bereits genehmigt sind, sich im Verfahren befinden
oder kurzfristig gebaut werden könnten. Insgesamt stehen damit rund 45
Milliarden Euro an unmittelbar bevorstehenden Investitionen auf dem Spiel. Das
zeigt eine neue Kurzstudie des Beratungsunternehmens enervis im Auftrag des
Ökostromanbieters Green Planet Energy.
Carolin Dähling, Bereichsleiterin Politik und Kommunikation bei Green Planet
Energy, kommentiert: "Fossile Preissprünge belasten das ganze Land. Gerade jetzt
Milliarden für Wind und Solar zu blockieren, wäre ein Fehler mit Ansage. Genau
das droht mit dem Netzpaket: Statt günstige, regionale Energie zu ermöglichen,
stellt das Ministerium Projekte infrage, die längst startklar sind. Die
Bundesregierung muss alles daransetzen, jede Kilowattstunde aus Erneuerbaren zu
nutzen - für mehr Unabhängigkeit, starke Regionen und verlässlichere
Energiepreise."
23 GW Windenergie und 9,2 GW Photovoltaik gefährdet
Mit Blick auf das Jahr 2025 identifiziert die Studie 90 Landkreise, die nach den
Plänen des Ministeriums als "kapazitätslimitierte Netzgebiete" gelten würden.
Dort dürften neue Wind- und Solaranlagen zwar weiter gebaut werden, die
Betreiber erhielten jedoch keine Entschädigung mehr für Abregelungen ihrer
Anlagen aufgrund von Netzengpässen (Redispatch). Diese Änderung wäre ein
massiver Angriff auf die Wirtschaftlichkeit der Projekte.
Besonders betroffen wären Landkreise in Ostfriesland, Sachsen-Anhalt,
Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bayern. Weil das Ministerium nicht
zwischen den Technologien unterscheidet, wären in Regionen mit starkem PV-Ausbau
neue Windprojekte beeinträchtigt - und umgekehrt. Sogar in Bayern, wo
bekanntlich sehr wenig Windräder stehen, wären damit neue Anlagen durch den
hohen Solar-Anteil bedroht.
Für Windenergie an Land zeigt die Studie: Rund 23 Gigawatt an bereits
genehmigten oder im Verfahren befindlichen Anlagen stünden vor dem Aus. Das
entspricht etwa 30 Prozent der anstehenden Projekte und rund 40 Milliarden Euro
an Investitionen. Auch bei der Photovoltaik wären die Folgen erheblich: Etwa 9,2
Gigawatt kurzfristig realisierbarer Freiflächen-Projekte - rund 28 Prozent
dieses Segments - könnten wegfallen. Das Investitionsvolumen liegt bei etwa 4,9
Milliarden Euro. Diese Größenordnung entspricht ungefähr dem gesamten
Jahreszubau an PV-Freiflächenanlagen.
In windstarken Jahren wären sogar mehr Regionen betroffen
Studienautor Tim Höfer, Energiemarktexperte bei enervis, betont: "Der geplante
Redispatchvorbehalt verschlechtert die Investitionsbedingungen für viele weit
entwickelte Wind- und Solarprojekte. Die Erlösrisiken steigen, da nicht
verlässlich vorhersehbar ist, ob eine Region im Projektzeitraum als
kapazitätslimitiertes Netzgebiet ausgewiesen wird. Der fehlende finanzielle
Ausgleich für Redispatch-Abregelungen reduziert die Wirtschaftlichkeit
zusätzlich. Die höheren Erlösrisiken werden in Gebote eingepreist, und ein
geringerer Wettbewerb ermöglicht strategischere Gebote. Beides kann dazu führen,
dass die Förderkosten steigen." Außerdem kann die Zahl der betroffenen Regionen
jedes Jahr weiter steigen. 2025 war ein windschwaches Jahr - in windstärkeren
Jahren müssen deutlich mehr Anlagen abgeregelt werden. Und selbst wenn eine
Region später weniger betroffen ist, bleibt der Status als 'kapazitätslimitiert'
noch bis zu drei Jahre bestehen.
Nicht weniger Erneuerbare, sondern bessere Netze
Green Planet Energy fordert daher, das Netzpaket grundlegend zu überarbeiten.
Statt Risiken auf Projektierer abzuwälzen, braucht es klare, faire und
investitionsfreundliche Rahmenbedingungen, die den Ausbau beschleunigen.
Entscheidend sei zudem, die Ursachen für Engpässe anzugehen: Netze und
Stromnutzung müssen modernisiert werden - durch zügigen Netzausbau,
Digitalisierung und Flexibilitätsoptionen.
"Den Erneuerbaren die Schuld für Netzprobleme zu geben, ist, als würde man dem
Wasser marode Leitungen anlasten. Nicht Wind und Sonne sind das Problem, sondern
Netze, die seit Jahren nicht modernisiert wurden. Die Bundesregierung muss jetzt
dafür sorgen, dass die Netzbetreiber ihre Arbeit erledigen und die Netze fit
machen für mehr Erneuerbare."
Download
- Studie von enervis: Auswirkungen des Redispatchvorbehalts auf die
Projektpipline und Investitionsvolumen von PV und Wind Onshore (https://green-pl
anet-energy.de/fileadmin/docs/publikationen/Studien/260325_Enervis_Auswirkungen_
des_Netzpakets_auf_PV_und_Wind_Onshore.pdf)
- Factsheet zur Enervis-Studie: Auswirkungen des Redispatch-Vorbehalts (https://
green-planet-energy.de/fileadmin/docs/publikationen/Studien/Factsheet_-_Auswirku
ngen_des_Redispatch-Vorbehalts.pdf)
Über uns: Green Planet Energy, 1999 von Greenpeace gegründet, gehört ihren mehr
als 50.000 Mitgliedern und ist damit Deutschlands größte Energiegenossenschaft.
Sie versorgt rund 200.000 Haushalte und Geschäftskund:innen mit innovativen
Ökostrom- und Gasprodukten. Dabei setzt Green Planet Energy auf Stromerzeugung
aus 100 Prozent erneuerbaren Energien: Die Genossenschaft betreibt Wind- und
Solarparks sowie Elektrolyseure zur Produktion von grünem Wasserstoff (Windgas)
und bezieht Strom ausschließlich aus Direktlieferverträgen - garantiert ohne
Kohle- oder Atomstrom. Green Planet Energy unterstützt Kund:innen, Unternehmen
und Kommunen bei ihrer Energiewende - von der eigenen Wärmepumpe über PV-Anlagen
und Mieterstromprojekte bis hin zur kommunalen Wärmeplanung. Als nicht
profitmaximierende Genossenschaft engagiert sich Green Planet Energy auch
politisch für eine nachhaltige und sozial gerechte Energiewende.
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