|
Berlin (ots) - Entdeckendes und forschendes Lernen in Mathematik, Informatik,
Naturwissenschaften und Technik (kurz: MINT) stärkt nicht nur das fachliche
Verständnis von Kindern, sondern auch ihre Sprachkompetenzen. Zu diesem Ergebnis
kommt die im Auftrag der Stiftung Kinder forschen erstellte Expertise "Sprach-
und MINT-Bildung in Kita und Grundschule - Aktuelle Befunde und
Entwicklungsperspektiven" von Prof. Dr. Franziska Egert. Gleichzeitig zeigt die
Analyse: Das Potenzial, MINT- und Sprachbildung gemeinsam zu fördern, wird in
Kitas und Grundschulen bislang oft nicht ausgeschöpft. Die Stiftung Kinder
forschen leitet daraus konkrete Handlungsempfehlungen für Bildungspraxis und
Bildungspolitik ab.
Aktuelle Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen zeigen: Bei etwa jedem
dritten Kind wird vor der Einschulung ein besonderer Sprachförderbedarf
festgestellt - mit teils erheblichen Unterschieden zwischen den Bundesländern.
Darauf reagieren die Länder mit vielfältigen Programmen und Initiativen zur
Sprachförderung von Kindern vor dem Schuleintritt.
Zur erfolgreichen Sprachbildung in Kita, Grundschule und Hort kann auch die
frühe MINT-Bildung einen wichtigen Beitrag leisten. Mit ihrem Ansatz des
entdeckenden und forschenden Lernens kann sie messbar zur Sprachbildung
beitragen, wie die heute veröffentlichte Expertise "Sprach- und MINT-Bildung in
Kita und Grundschule - Aktuelle Befunde und Entwicklungsperspektiven" aufzeigt.
Sprache ist kein Zusatz, sondern zentral für das Lernen in MINT. Wenn Kinder
beim Forschen erklären, vergleichen oder Hypothesen formulieren, trainieren sie
gleichzeitig zentrale sprachliche Fähigkeiten, die auch für schulischen Erfolg
entscheidend sind. Zentral ist, dass viele Sprechanlässe im Alltag der Kinder
geschaffen werden: Beim Vermuten, Diskutieren, Beschreiben und Erklären kommen
Kinder ständig ins Gespräch miteinander und mit der Fachkraft. Gerade Kinder mit
Deutsch als Zweitsprache oder aus sprachlich weniger anregenden Familien können
durch solche Angebote sprachlich aufholen.
"Wenn pädagogische Fachkräfte MINT-Angebote sprachsensibel gestalten,
profitieren Kinder messbar - etwa beim (Fach-)Wortschatz, bei sprachproduktiven
und bildungssprachlichen Fähigkeiten und beim wissenschaftlichen Denken - und
das gilt für Kinder im Kita- und Grundschulalter gleichermaßen", sagt Prof. Dr.
Franziska Egert, Autorin der Expertise .
Potenzial in der Praxis oft ungenutzt
Gleichzeitig zeigt die Studie: In der Praxis wird dieses Potenzial bislang oft
nicht ausgeschöpft. Häufig prägen größtenteils die pädagogischen Fachkräfte die
Gespräche oder sie stellen überwiegend geschlossene Fragen. Dadurch haben die
Kinder in den Einrichtungen im Alltag zu selten die Möglichkeit,
anspruchsvollere Sprachhandlungen zu nutzen, wie Erklären oder Argumentieren.
"Pädagogische Fachkräfte wissen teilweise nicht, wie sie Sprachförderung
alltagsintegriert umsetzen können - oder ihnen fehlt schlicht die Zeit dafür.
Dabei liegt der Schlüssel oft in einfachen Fragen beim Entdecken und Forschen",
erklärt Dr. Tobias Ernst, Vorstand der Stiftung Kinder forschen . "Es geht nicht
darum, zu fragen: 'Schwimmt der Stein?', sondern darum, Kinder zum Denken und
Sprechen anzuregen: 'Was siehst du? Was denkst du, warum das so ist, dass der
Korken schwimmt, aber nicht der Stein?' Durch solche offenen Fragen beim
Entdecken und Forschen - und im Alltag - nutzen Kinder komplexere Sätze und ihr
Wortschatz wächst automatisch."
Qualifizierung als Schlüssel für bessere Bildung
Die Stiftung Kinder forschen sieht in den Ergebnissen einen klaren
Handlungsauftrag. Seit 20 Jahren qualifiziert sie pädagogische Fach- und
Lehrkräfte darin, entdeckendes und forschendes Lernen mit den Kindern
umzusetzen. Sprachbildung ist dabei ein zentraler Bestandteil.
- Damit Kinder überall von dem Potenzial profitieren können, fordert die
Stiftung Kinder forschen:
- Pflichtfortbildungen zu sprachsensibler MINT-Bildung für pädagogische Fach-
und Lehrkräfte,
- Sprachsensible MINT-Bildung verbindlich in Bildungsplänen zu verankern,
- Zeit, Ressourcen und Rahmenbedingungen für hochwertige Interaktionen mit
Kindern zu schaffen und damit die Qualität der Sprachbildung zu sichern.
Hintergrund
Die Expertise "Sprach- und MINT-Bildung in Kita und Grundschule - Aktuelle
Befunde und Entwicklungsperspektiven" wertet nationale und internationale
Studien zur Verbindung von naturwissenschaftlicher Bildung und Sprachförderung
in der frühen Bildung aus. Sie zeigt konsistente Hinweise auf Vorteile
integrierter MINT- und Sprachbildung, macht aber auch deutlich: Die Qualität der
Umsetzung entscheidet über den Erfolg. Die Expertise kann unter folgendem Link
heruntergeladen werden: https://www.stiftung-kinder-forschen.de/presse/news/mint
-macht-kinder-sprachstark
Pressekontakt:
Stiftung Kinder forschen
Daniela Krebs
Referentin Presse, Public Affairs und Digitale Kommunikation
Rungestr. 18
10179 Berlin
Tel 030 23 59 40 -207
mailto:presse@stiftung-kinder-forschen.de
http://www.stiftung-kinder-forschen.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/126571/6243758
OTS: Stiftung Kinder forschen
|