|
Berlin (ots) - Kartoffel, Kohl, Spargel - wie deutsch kann Gemüse sein?
Letzterer könnte in der startenden Saison deutlich teurer werden, warnen
Agrarverbände. Weitere Horrorszenarien: Die heimische Spargelproduktion könnte
zugrunde gehen, und der Anbau vieler Obst- und Gemüsesorten könnte sich ins
Ausland verlagern. Glücklicherweise haben die Verbände gleich die Lösung parat:
einen Mindestlohnabschlag von 20 Prozent. Die landwirtschaftlichen Betriebe
sollen also den allgemeingültigen gesetzlichen Mindestlohn unterwandern.
Laut einem süddeutschen Branchenverband entfallen etwa 45 Prozent des
Spargelpreises auf die Lohnkosten, ein großer Teil auf Saisonarbeitskräfte. Das
sind oft Spargelstecher aus Osteuropa. Eine mögliche mittelbare
Ungleichbehandlung der überwiegend aus Osteuropa stammenden Saisonarbeitskräfte
sei durch legitime Ziele gerechtfertigt und verhältnismäßig, verlautbart der
Deutsche Bauernverband. Im Klartext: Für den Spargelpreis soll das Allgemeine
Gleichbehandlungsgesetz umgangen werden. Osteuropäer*innen dürfen die Triebe
gerne weiter stechen. Aber eben für weniger Bezahlung.
Dabei ist die Branche auf Arbeiter*innen aus dem Ausland angewiesen. Drückt man
ihren Lohn, drückt man automatisch auch jenen der Fachkräfte in der Landarbeit
und über die Branche hinaus. Dem Bauernverband geht es nicht nur um den Spargel,
sondern um "besonders mindestlohnbetroffene Branchen" wie den arbeitsintensiven
Obst-, Gemüse- und Weinanbau. Eine Formulierung, als wäre der Mindestlohn ein
Grauschimmel, der im Frühjahr den Spargel befällt und so die Ernte zerstört.
Löhne anzugreifen, um die Preise in Supermärkten zu senken, ist ein Versuch, den
Gaul von hinten aufzuzäumen. Inzwischen weist vieles, beispielsweise
Nachforschungen der Monopolkommission, darauf hin, dass der Ertrag der
gestiegenen Lebensmittelpreise vor allem in den Taschen von Supermarkt- und
Industrieriesen landet. Mit Transparenz und Kontrolle dort anzusetzen, könnte zu
faireren Preisen für Arbeiter*innen führen. Und zu Spargel auf den Tischen.
Pressekontakt:
nd.DerTag / nd.DieWoche
Redaktion
Telefon: 030/2978-1722
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/59019/6245205
OTS: nd.DerTag / nd.DieWoche
|