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Berlin (ots) - Aktueller Datenreport zu Täuschungsversuchen bei
Führerscheinprüfungen im Jahr 2025. Mehr als jeder zweite Fall professionell
vorbereitet. Deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. TÜV-Verband
fordert konsequentere Sanktionen.
Der Prüfungsbetrug beim Führerschein bleibt auf einem hohen Niveau: Im Jahr 2025
wurden bundesweit 4.239 Täuschungsversuche in der theoretischen
Fahrerlaubnisprüfung registriert. Das ist ein leichter Anstieg von 1 Prozent im
Vergleich zum Vorjahr. Im Jahr 2024 ist die Zahl der Betrugsfälle noch um 13
Prozent auf 4.198 Fälle gestiegen und im Jahr 2023 sogar um 36 Prozent auf
3.759. Das zeigen Daten des TÜV-Verbands auf Grundlage von Erhebungen der TÜV |
DEKRA arge tp 21. "Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich der Prüfungsbetrug
nach einem starken Anstieg in den Vorjahren auf einem hohen Niveau
stabilisiert", sagt Fani Zaneta, Referentin für Fahrerlaubnis und
Verkehrssicherheit beim TÜV-Verband. "Gleichzeitig gehen wir von einem großen
Dunkelfeld aus, da mutmaßlich nur ein Bruchteil der Täuschungen entdeckt wird."
Das habe Konsequenzen für die Verkehrssicherheit. Zaneta: "Fahrschülerinnen und
Fahrschüler, die sich ihre Fahrerlaubnis erschleichen, fehlen wichtige
Kenntnisse im Straßenverkehr. Damit gefährden sie die Sicherheit im
Straßenverkehr." Besonders besorgniserregend sei zudem, dass hinter vielen
Täuschungsversuchen zunehmend organisierte Strukturen stehen. Der TÜV-Verband
warnt vor den Folgen für die Verkehrssicherheit und fordert ein konsequenteres
Vorgehen der Behörden.
Häufig kommt bei Täuschungsversuchen komplexe Technik zum Einsatz
Laut den Erhebungen ist nach Einschätzung des TÜV-Verbands inzwischen gut jeder
zweite Fall (53 Prozent) professionell organisiert. In 36 Prozent der Fälle
werden technische Hilfsmittel wie nahezu unsichtbare Ohrhörer, Mini-Kameras oder
andere versteckte Kommunikationstechnik eingesetzt. In weiteren 17 Prozent der
Fälle wurden so genannte Stellvertreter entlarvt, die die Prüfung für eine
andere Person ablegen wollten. "Für professionelle Strukturen spricht, dass in
den Betrug neben den Fahrschülern weitere Personen involviert sind, die den
Prüfling technisch unterstützen, aus der Ferne Lösungen übermitteln oder sich
als Fahrschüler ausgeben", sagt Zaneta. Darüber hinaus sei entsprechendes
technisches Know-how notwendig, um bestimmte Betrugsmaschen durchführen zu
können.
Mit klassischen Hilfsmitteln wie Spickzetteln erfolgten 44 Prozent der
Täuschungsversuche. In den allermeisten Fällen ist die Pkw-Klasse betroffen: 96
Prozent der festgestellten Täuschungsversuche (4.052 Fälle) finden in der Klasse
B statt, die auch den Großteil der abgelegten Prüfungen ausmachen.
Bundesländervergleich: Nordrhein-Westfalen vor Berlin und Bayern
Im bundesweiten Vergleich zeigen sich deutliche Unterschiede: Die meisten
Täuschungsversuche wurden in Nordrhein-Westfalen registriert - mit 1.378 Fällen
auf einem ähnlich hohen Niveau wie im Vorjahr (2024: 1.368). Dahinter folgt
Berlin mit 497 Fällen, das im Bundesländervergleich den stärksten Anstieg
verzeichnet und gegenüber dem Vorjahr um rund 25 Prozent zugelegt hat. Platz 3
belegt Bayern mit 449 Täuschungsversuchen. Deutlich niedriger sind die
Fallzahlen in kleineren Bundesländern: Im Saarland wurde mit 19 Fällen die
geringste Zahl an Täuschungsversuchen erfasst, in Mecklenburg-Vorpommern waren
es 23 und in Bremen 41.
"Organisierter Prüfungsbetrug ist kein Kavaliersdelikt", sagt Zaneta. "Wer bei
der theoretischen Fahrprüfung täuscht, bringt sich und andere in Gefahr. Wir
brauchen deshalb klare Regeln, die konsequent von den Behörden angewendet
werden." Um eine wirksame Abschreckung sicherzustellen, sollten Instrumente wie
Sperrfristen oder Medizinisch-Psychologische Untersuchungen (MPU) bei
organisierten Täuschungsversuchen bundesweit angeordnet werden. Darüber hinaus
sollten aus Sicht des TÜV-Verbands die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen
werden, um organisierte Täuschungsversuche künftig als Straftatbestand zu
werten, auch für beteiligte Dritte.
Eine Präsentation mit weiteren Informationen und dem vollständigen
Bundesländervergleich sind abrufbar unter https://ots.de/sBWJ3J
Über den TÜV-Verband: Als TÜV-Verband e.V. vertreten wir die politischen
Interessen der TÜV-Prüforganisationen und fördern den fachlichen Austausch
unserer Mitglieder. Wir setzen uns für die technische und digitale Sicherheit
sowie die Nachhaltigkeit von Fahrzeugen, Produkten, Anlagen und Dienstleistungen
ein. Grundlage dafür sind allgemeingültige Standards, unabhängige Prüfungen und
qualifizierte Weiterbildung. Unser Ziel ist es, das hohe Niveau der technischen
Sicherheit zu wahren, Vertrauen in die digitale Welt zu schaffen und unsere
Lebensgrundlagen zu erhalten. Dafür sind wir im regelmäßigen Austausch mit
Politik, Behörden, Medien, Unternehmen und Verbraucher:innen.
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