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Berlin (ots) - Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken berufene
Finanzkommission Gesundheit hat ihren ersten Bericht vorgelegt und empfiehlt
umfangreiche Sparmaßnahmen - auch im zahnärztlichen Bereich - zur Stabilisierung
der GKV-Finanzen. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und die
Bundeszahnärztekammer (BZÄK) kritisieren einzelne Vorschläge der Kommission
scharf.
Hierzu stellt Martin Hendges, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV ,klar:
"Bereits das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz mit seiner strikten Budgetierung
für die Jahre 2023 und 2024 hat dem Kampf gegen Parodontitis einen herben
Rückschlag versetzt. Denn gerade erst hatten wir mit unserer
präventionsorientierten Parodontitisbehandlungsstrecke eine wirksame und auf
aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Therapie in die Versorgung
gebracht, womit natürlich - auch politisch gewollt - eine erhöhte
Inanspruchnahme verbunden sein sollte. Infolge der strikten Budgetierung kam es
dann zu einer drastischen Unterfinanzierung - mit spürbar negativen Folgen für
die Patientenversorgung. Eine nachhaltige Behandlung ist nun deutlich erschwert.
Und das vor dem Hintergrund, dass aktuell rund 14 Millionen Menschen an einer
schweren Parodontitis leiden. Der Kampf gegen diese Volkskrankheit ist umso
wichtiger, weil durch eine unbehandelte oder nicht frühzeitig behandelte
Parodontitis hohe Folgekosten entstehen - sowohl im zahnärztlichen als auch im
allgemeinmedizinischen Bereich.
Eine erneute Kostendämpfung würde sich damit zwangsläufig ins Gegenteil
verkehren und zudem die Erfolge in der Zahn- und Mundgesundheit der vergangenen
Jahre beschädigen.
Darüber hinaus ist - wie im Bericht selbst erwähnt - an anderer Stelle mit
Einschränkungen in der Versorgung zu rechnen: Praxisinhaberinnen und -inhaber
könnten sich entscheiden, früher aus der Versorgung auszuscheiden; zugleich
werden mögliche Vorbehalte gegenüber einer Praxisniederlassung durch fehlende
Planungssicherheit gestärkt. Versorgungsengpässe sind künftig dann nicht mehr
auszuschließen.
Mit dem Vorschlag der Etablierung einer einnahmenorientierten Ausgabenpolitik,
was einer globalen Begrenzung der Vergütungsanstiege entsprechen würde, nimmt
man die äußerst effiziente und wirtschaftliche vertragszahnärztliche Versorgung
mit einer erneuten ziellosen Kostendämpfungsmaßnahme ins Visier und lässt
darüber hinaus auch die absehbaren Folgekosten für das Gesundheitssystem völlig
außer Acht.
Mit großer Irritation haben wir zudem das Maßnahmenbündel im Bereich der
Kieferorthopädie zur Kenntnis genommen, das in weiten Teilen der aktuellen
Evidenzlage und der tatsächlichen Versorgungssituation widerspricht. Ziel der
KZBV ist es immer, die vertragszahnärztliche Versorgung am aktuellen Stand der
wissenschaftlichen Erkenntnisse auszurichten. Die jüngst veröffentlichten Daten
der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS - 6) sowie die aktuelle
wissenschaftliche Leitlinie zeigen, dass dies auch für die Kieferorthopädie der
Fall ist.
Will man die großen Herausforderungen im Gesundheitswesen wirklich meistern,
muss die Prävention Leitbild der Gesundheitsversorgung werden. Mit unserer
konsequenten Präventionsausrichtung ist es gelungen, den Anteil an den
GKV-Ausgaben für vertragszahnärztliche Leistungen - trotz Ausweitung des
Leistungskatalogs - seit 2001 um mehr als ein Drittel zu senken. Aktuell liegt
dieser bei nur noch 5,7 Prozent, mit weiter sinkender Tendenz. Wir appellieren
an die Bundesgesundheitsministerin, dies in ihrer kommenden Gesetzgebung
unbedingt zu berücksichtigen und stehen mit unserer Expertise sowie den
Erfahrungen aus dem Praxisalltag für einen lösungsorientierten Dialog bereit."
Dr. Romy Ermler, Präsidentin der BZÄK , sagt zu den Vorschlägen der
Finanzkommission:
"Die Zahnmedizin hat ihre Hausaufgaben gemacht - und zwar im Vorfeld. Seit über
25 Jahren haben wir uns auf den einzig richtigen Weg gemacht, Krankheiten zu
vermeiden. Prävention ist der nachhaltigste Weg, Gesundheit zu erhalten und
Kosten zu vermeiden. Das gilt bei der frühen Behandlung der Parodontitis und
ebenso bei allen anderen Erkrankungen, egal ob im Rahmen der Zahnmedizin oder
allgemein. Die Zahnmedizin zeigt seit Jahren, dass konsequente
Präventionsstrategien messbare Erfolge bringen: Erkrankungen konnten deutlich
zurückgedrängt werden. Diese Erfahrungen sollten im gesamten Gesundheitssystem
stärker genutzt werden. An validierten Erfolgen, die mit wissenschaftlichen
Studien belegt sind, sollte keinesfalls gespart werden!
Die Finanzkommission bestätigt selbst: Die Zahnmedizin hat nur moderate
Ausgaben. Weitere Kürzungen gingen auf Kosten der Mund- und Allgemeingesundheit
der Patientinnen und Patienten.
Ein positiver Fokus im vorgelegten Bericht ist der Blick auf die Prävention im
gesamtmedizinischen Bereich. Sowie der steuerpolitische Ansatz,
gesundheitsschädigendes Verhalten stärker nach dem Verursacherprinzip zu
berücksichtigen. Es muss gelten: Prävention stärken, statt Versorgung
schwächen!"
Pressekontakt:
KZBV: Vanessa Hönighaus
Telefon: 030 280 179-27, E-Mail: mailto:presse@kzbv.de
BZÄK: Dipl.-Des. Jette Krämer-Götte
Telefon: 030 40005-150, E-Mail: mailto:presse@bzaek.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/30852/6247991
OTS: Bundeszahnärztekammer
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