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Düsseldorf (ots) - Ein Freitagnachmittag in Neuss. Duc Phu Dinh greift zu
Arztkoffer und Tablet, verlässt das Dienstzimmer im Johanna-Etienne-Krankenhaus
im Neusser Norden. Vor der Tür wartet Fahrerin Alexandra Bindels, die ihn in den
kommenden Stunden zu den Erkrankten in der Region fahren und begleiten wird -
jederzeit digital koordiniert über die Servicenummer 116 117. Der Ablauf zeigt,
wie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein die ambulante Versorgung
außerhalb der Sprechstundenzeiten jetzt im gesamten Rheinland neu aufstellt:
zentral gesteuert, elektronisch unterstützt und mit mehr Zeit für die
Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten.
Duc Phu Dinh ist Internist und Allgemeinmediziner aus Krefeld. Seit 2006
absolviert er im Rahmen des ambulanten Notdienstes Hausbesuche in der Region.
Seit Januar 2026 arbeitet er als Kooperationsarzt im Pilotprojekt der KV
Nordrhein für Düsseldorf und Neuss. Ab April 2026 wird dieses Modell auf ganz
Nordrhein ausgeweitet. Ziel: flächendeckend besser helfen, Versorgung
verlässlich sichern und Praxen entlasten.
Neu: Digitale Steuerung, kurze Wege und mehr Fokus auf die Menschen
Die Abläufe sind präzise und bleiben für Erkrankte bewährt: Die für Patientinnen
und Patienten kostenlose Servicenummer 116 117 nimmt die Anrufe außerhalb der
Praxisöffnungszeiten (abends, nachts, am Wochenende oder feiertags) entgegen,
die Disposition der KV Nordrhein in Köln steuert und bereitet alles für die
Diensthabenden vor. Sofort nach dem Erfassen der Patientenbeschwerden sieht Phu
Dinh auf seinem Tablet die Einsatzdaten und wichtigen Informationen über den
erkrankten Patienten. So kann er direkt noch im Fahrzeug entscheiden: erst
telefonische Klärung oder sofortiger Hausbesuch. Fahrerin Bindels bringt ihn
direkt vor die Tür der Anrufenden. Das spart Zeit, reduziert Wege, erhöht nachts
die Sicherheit.
Der erste Einsatz an diesem Tag: eine 86-Jährige mit Bauchschmerzen. Treppenlift
und Rollator weisen auf eingeschränkte Mobilität hin. Die Messung zeigt eine
deutlich zu niedrige Sauerstoffsättigung. Mediziner Phu Dinh spricht mit der
Patientin und den Angehörigen, organisiert die Einweisung in eine Klinik. Wieder
im Auto dokumentiert er direkt digital, auch die Abrechnung läuft automatisiert.
Der nächste Auftrag erscheint: ein Altenheim, 2,5 Kilometer entfernt. Verdacht
auf Blasenentzündung, Rücksprache mit der Tochter, gemeinsam abwägen -
Krankenhaus ja oder nein. So funktioniert ambulante Versorgung am Menschen, klar
strukturiert und zügig.
Entlastung für Praxen in Nordrhein
Die Reform dahinter: Seit 1. Januar 2026 ruht die Verpflichtung der
niedergelassenen Haus- und Fachärztinnen und -ärzte, Fahrdienste im Rahmen des
ambulanten Notdienstes zu übernehmen. Die Hausbesuche führen nun Ärztinnen und
Ärzte aus, die sich bewusst dafür entschieden und eine Kooperationsvereinbarung
mit der KV Nordrhein abgeschlossen haben. Für niedergelassene Ärztinnen und
Ärzte bedeutet das: keine verpflichtenden Fahrdienste mehr, planbare Einsätze
und deutlich weniger organisatorischer Aufwand. Und: Bisher mussten viele
Niedergelassene im Rheinland für Hausbesuche noch ihren eigenen PKW nutzen. Auch
dies gehört nun durch die einheitliche Fahrdienststruktur über die KV Nordrhein
der Vergangenheit an - ebenso wie spontane Vertretungen oder nächtliche
Alleinfahrten für Ärztinnen. Zudem wird für viele Ärztinnen und Ärzte durch eine
einheitliche Kostenstruktur der Fahrdienst sogar günstiger - denn die ambulante
Versorgung in den Bereitschaftszeiten finanziert sich solidarisch selbst. Der
Fahrdienst wird damit zu einer eigenständigen, gut strukturierten Tätigkeit -
mit digitaler Unterstützung, klaren Abläufen und ohne die bisherigen
Belastungen.
Neue Bezirke, mehr Flexibilität
Auch strukturell wird ab April gestrafft: Statt 54 sehr unterschiedlicher
Fahrdienstbezirke gibt es ab April 20 neu zugeschnittene Bereiche in Nordrhein.
Die Basis dafür legte die Analyse tausender Einsatzfahrten in den letzten
Jahren. Die neuen Bezirke ermöglichen eine flexible Steuerung - auch innerhalb
einer Schicht, etwa an Brücken- und Feiertagen mit hohem Bedarf. Die Ärztinnen
und Ärzte sind während des Dienstes permanent mit der 116 117-Disposition
verbunden und erhalten alle relevanten Informationen auf ihr "Dienst-Tablet"
digital. Das beschleunigt Entscheidungen und verkürzt Wege.
Worum es am Ende geht, erlebt Phu Dinh im Einsatz: ankommen, einschätzen,
handeln - und helfen. Für fast zehn Millionen Menschen im Rheinland bedeutet
das: verlässliche ärztliche Hilfe außerhalb der Sprechstundenzeiten, jede Nacht,
jedes Wochenende.
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