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Berlin (ots) - Die Zahl der Opfer von Landminen und anderen explosiven
Kriegsresten steigt seit 2020 kontinuierlich an. Rund 90 Prozent der Opfer sind
Zivilist*innen . Antipersonen-Minen waren für die meisten Staaten zum Tabu
geworden, seit der internationale Vertrag über ihr Verbot vor fast 30 Jahren
geschlossen wurde, und die Opferzahlen waren gesunken.
Doch in den letzten Jahren nahmen Einsätze wieder zu, einige Staaten haben den
Vertrag verlassen - und falsche Aussagen über diese Waffen verbreiten sich immer
mehr. Darauf reagiert der gemeinsame Faktencheck der beiden Organisationen, die
beide zu den Gründern der Internationalen Landminenkampagne gehören.
"Wir sehen die fatalen Auswirkungen von Landminen täglich in den Einsatzgebieten
von Handicap International. Wir erkennen aber auch, was der Minenverbotsvertrag
positiv bewirkt hat, und engagieren uns deshalb aktiv zu seiner Verteidigung.
Dazu gehört es, den weit verbreiteten falschen Aussagen über Landminen die
Fakten entgegenzusetzen", sagt Dr. Eva Maria Fischer, Leiterin der politischen
Abteilung Handicap International Deutschland.
"Landminen töten wahllos und noch Jahrzehnte nach Kriegsende", sagt Philipp
Frisch, Deutschlanddirektor von Human Rights Watch. "Die Bundesregierung muss
das Landminen-Verbot entschlossen verteidigen und die Finanzierung von Räumung
und Opferhilfe sichern."
Was sind Landminen?
Landminen sind Explosivwaffen, die im Boden verborgen werden und beim Kontakt
oder bei Annäherung explodieren. Militärisch wird der Einsatz von Minen meist
damit begründet, die Bewegungsfreiheit gegnerischer Kräfte einzuschränken oder
bestimmte Gebiete zu sichern. Dafür werden sie häufig in großer Zahl und über
weite Flächen verteilt - auf diese Weise entstehen ganze Minenfelder.
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Typen:
- Antipersonen-Minen richten sich gegen Menschen.
- Antifahrzeug-Minen benötigen ein deutlich höheres Gewicht zur Detonation und
sind gegen Panzer gerichtet, treffen aber auch zivile Fahrzeuge.
Der Verbotsvertrag (Ottawa-Konvention)
Der Vertrag verbietet seit 1997 den Einsatz, die Herstellung, die Weitergabe und
die Lagerung von Antipersonen-Minen und regelt die Räumung und Vernichtung
dieser Waffen sowie die Unterstützung der Opfer. Die von HI und HRW mit
gegründete Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen (ICBL) erhielt
1997 für ihren Einsatz den Friedensnobelpreis.
Anlässlich des Internationalen Tages zur Aufklärung über die Minengefahr am 4.
April räumen Human Rights Watch und Handicap International mit zehn verbreiteten
Fehlannahmen auf:
Zehn Irrtümer - zehn Fakten (https://www.handicap-international.de/sn_uploads/de
/document/HI_HRW_Landminen_im_Faktencheck_04-26.pdf) - hier ein Auszug:
Mythos 1: "Landminen sind hauptsächlich gegen Soldatinnen und Soldaten im Krieg
gerichtet"
- Die Daten des jährlich erscheinenden Landminen-Monitor
(https://the-monitor.org/reports/landmine-monitor-2025) der Internationalen
Kampagne zum Verbot von Landminen (ICBL) zeigen eindeutig, dass - unabhängig
davon, gegen wen sie sich richten - 90 % der durch Landminen getöteten oder
verletzten Menschen aus der Zivilbevölkerung stammen (https://www.hrw.org/news
/2025/12/01/landmines-action-needed-to-reinforce-ban.) .
Mythos 2: "Landminen sind nicht verboten"
- Für die große Mehrheit der Staaten trifft diese Aussage - zumindest im
Hinblick auf Antipersonen-Minen - nicht zu: Über 80 % der Staaten weltweit
haben die Ottawa-Konvention (1997) ratifiziert und damit Antipersonen-Minen
vollständig verboten. (https://www.apminebanconvention.org/en/membership)
Mythos 3: "Der Ottawa-Vertrag wirkt nicht, weil die USA, Russland und China noch
nicht beigetreten sind"
- Das Ottawa-Abkommen hat den Umgang mit Antipersonen-Minen grundlegend
verändert: Es setzte humanitäre Prinzipien über militärische Interessen. Die
große Mehrheit der Staaten hält sich bis heute an das Verbot. Selbst
Nicht-Vertragsstaaten passten ihren Umgang lange Zeit an: Die USA verzichteten
über Jahre de facto auf Antipersonen-Minen - bis zur Lieferung an die Ukraine
Ende 2024.
- Seit Inkrafttreten des Vertrags sank die Zahl der Getöteten oder Verletzten
von rund 26.000 auf etwa 5.000 pro Jahr .
Mythos 4: "Wenn man auf eine Antipersonen-Mine tritt, hat man noch Zeit der
Explosion zu entkommen"
- Antipersonen-Minen detonieren sofort beim Auslösen - ohne Vorwarnung, ohne
Verzögerung, ohne Chance zu fliehen. Sie sind so konstruiert, dass bereits
geringer Druck die Explosion unmittelbar auslöst.
Mythos 5: "Antifahrzeug-Minen gefährden nur Panzer und andere militärische
Fahrzeuge"
- Antifahrzeug-Minen lösen nicht nur unter Panzern aus (https://icblcmc.org/asse
ts/reports/Landmine-Monitors/LMM2024/Downloads/Landmine-Monitor-2024-Final-Web
.pdf) - im Gegenteil. Die Zahl der weltweiten Opfer durch Antifahrzeug-Minen
hat sich seit 2022 nahezu verdreifacht, und rund 60 % dieser weltweiten
Vorfälle ereignen sich in der Ukraine (https://www.handicap-international.de/d
e/neuigkeiten/ukraine-mein-mann-dachte-ich-sei-tot) .
Mythos 6: "Landminen sind besonders kostengünstig in der Produktion und deshalb
eine unverzichtbare Waffe für die Grenzsicherung"
- Minenräumungsexperten betonen es immer wieder: Landminen sind zwar
kostengünstig in der Produktion, es sind aber vor allem die Folgekosten (https
://www.landmine.de/neuigkeiten/landminen-sind-als-grenzschutz-ueberholt-hi-rae
umungsexperte-im-interview) , die sie sehr teuer machen.
Mythos 7: "Angesichts militärischer Bedrohungen sind Landminen heute wieder
notwendig"
- In Zeiten moderner Kriegsführung ist die militärische Wirksamkeit von
Antipersonen-Minen durch technische Fortschritte stark reduziert. Spezielle
Räumgeräte sind in der Lage, unter Beschuss innerhalb weniger Minuten "
sichere" Korridore durch Minenfelder (https://www.landmine.de/neuigkeiten/land
minen-sind-als-grenzschutz-ueberholt-hi-raeumungsexperte-im-interview) zu
schaffen. Damit verlieren Minenfelder ihren früheren Abschreckungseffekt und
sind heute höchstens ein taktisches Ärgernis - keine strategische Blockade
mehr.
Mythos 8: "Smarte" Minen sind sicher, weil sie sich selbst zerstören oder
neutralisieren"
- Sogenannte "smarte" Minen (https://blogs.icrc.org/law-and-policy/2025/11/26/do
-anti-personnel-mines-still-have-military-utility-in-modern-warfare) bieten
militärisch keine verlässliche Lösung. Ihre Mechanismen zur Selbstzerstörung
oder Selbstdeaktivierung funktionieren in der Praxis nicht immer zuverlässig -
etwa durch Alterungsprozesse oder Witterungseinflüsse.
Mythos 9: "Wenn Minen sorgfältig vermessen und kartiert sind, lassen sie sich
problemlos räumen"
- Selbst kartografierte Minenfelder (https://www.landmine.de/neuigkeiten/landmin
en-sind-als-grenzschutz-ueberholt-hi-raeumungsexperte-im-interview)
vereinfachen die Räumung in der Realität oft nicht, weil Umwelteinflüsse
(Regen, Erosion, Überschwemmungen, Frost, Tieraktivität) Minen verschieben und
die Koordinaten über die Zeit unzuverlässig machen.
Mythos 10: "Moderne Technik erlaubt eine schnelle und vollständige Räumung von
Minenfeldern"
- Räumungsgeräte sind nicht überall einsetzbar, z.B. weil die Vegetation es
nicht zulässt, die schweren Geräte nicht in betroffene Regionen transportiert
werden können oder die Instandhaltung im jeweiligen Land nicht möglich ist.
Human Rights Watch und Handicap International fordern die Staaten auf, den
Landminen-Verbotsvertrag zu stärken, Vertragsaustritte rückgängig zu machen und
die internationale Finanzierung für Minenräumung sowie die Unterstützung der
Überlebenden deutlich zu erhöhen.
Weitere Informationen zum Thema Landminen:
Landminen im Faktencheck (https://www.handicap-international.de/sn_uploads/de/do
cument/HI_HRW_Landminen_im_Faktencheck_04-26.pdf) - Mythen und Realität
Handicap International: https://www.handicap-international.de/de/landminen/index
und
https://www.landmine.de und Fakten aus dem Landminen-Monitor (https://www.handic
ap-international.de/sn_uploads/de/document/Faktenblatt_Landminen_Stand_Dezember_
2025.pdf)
Human Rights Watch: https://www.hrw.org/topic/arms/landmines%20
ICBL: Internationale Kampagne zum Verbot von Landminen: https://icblcmc.org
Pressekontakt:
Für Handicap International:
Huberta von Roedern, mailto:h.vonroedern@hi.org, Tel.: +49 151 73 02 32 06
Für Human Rights Watch:
Lisa-Marie Maier, mailto:marieml@hrw.org, Tel.: +49 30 259 306 13
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/16206/6248325
OTS: Handicap International e.V.
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