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Mainz (ots) - EU-Recyclingziele in Gefahr: Seltenerdschrott aus Europa landet
wieder in China / ARD Politikmagazin heute, 21:45 Uhr, im Ersten
Mainz. Rohstoff-Experte Prof. Carlo Burkhardt von der Hochschule Pforzheim
befürchtet infolge des Iran-Kriegs eine steigende Abhängigkeit Deutschlands bei
sogenannten Seltenen Erden von China. Seltene Erden sind chemische Elemente, die
wichtig für moderne Hochtechnologie sind - wie etwa in E-Motoren,
Windkraftanlagen, Smartphones und in der Rüstungsindustrie. Durch Recycling soll
bei Seltenen Erden mehr Rohstoffunabhängigkeit erreicht werden. Doch: "Durch den
Krieg steigen die Produktionskosten beim Recycling massiv an", sagt Experte
Burkhardt im Interview mit dem ARD-Politikmagazin "Report Mainz". Der Grund
seien explodierende Öl- und Gaspreise.
"Insbesondere die Energiekosten und die Verbrauchsmittel, die Gase, machen
zusammen bei uns 95 Prozent der Herstellungskosten aus. Und das verringert
unsere Wettbewerbsfähigkeit dramatisch. (...) Das macht das Recycling
unattraktiv, und dadurch wird die Abhängigkeit von China zunehmen", so
Burkhardt.
Wenig Recycling von Seltenerdschrott in der EU
Schon jetzt werden beträchtliche Mengen sogenannten Seltenerdschrotts nicht in
der EU recycelt, sondern gehen nach Recherchen von "Report Mainz" wieder zurück
nach China. Und dies, obwohl Europa abhängig von Seltenerdimporten aus China
ist. Diese Entwicklung bestätigt Matthias Rüth, einer der größten deutschen
Rohstoffhändler, im Interview mit dem ARD-Politikmagazin:
"Dadurch, dass die Chinesen sehr flexibel sind, sehr dominant sind, sehr gute
Aufarbeitungsmöglichkeiten haben und tatsächlich das Preisniveau der Seltenen
Erden weitestgehend beeinflussen können, haben sie natürlich auch andere
Möglichkeiten, entsprechend attraktive Angebote für recyclingfähige Schrotte zu
machen", so Rüth. Deshalb würden viele Seltene Erden wieder in China landen.
Problem ist der EU-Kommission bekannt
Obwohl das Recycling von Seltenen Erden entscheidend für die
Rohstoffunabhängigkeit in Europa ist, steckt es also noch in den Anfängen. Auf
Nachfrage von "Report Mainz" bestätigt die EU-Kommission schriftlich, dass sie
"Informationen zu diesem Thema erhalten" habe. "Eine zuverlässige statistische
Bewertung", wie viel Seltenerdschrott wieder zurück nach China gehe, sei "jedoch
nicht möglich, da weder Handelsstatistiken noch Abfallstatistiken derzeit eine
eindeutige Identifizierung von Altmagneten (...) ermöglichen". Die EU-Kommission
hat demnach derzeit keine Kenntnis über die Dimension des Problems.
EU-Recyclingziele in Gefahr
Durch diese Entwicklung könnten die von der EU selbst gesetzten Ziele beim
Recycling verfehlt werden. Bis 2030 sollen 25 Prozent des Bedarfs an
strategischen Rohstoffen, darunter die Seltenen Erden, aus EU-Recycling kommen.
Das kritisiert Keit Pentus-Rosimannus, Mitglied des EU-Rechnungshofs und
ehemalige Finanzministerin Estlands. In einem aktuellen Bericht für den
EU-Rechnungshof hat sie sich intensiv auch mit dieser Frage beschäftigt.
"Wir halten das derzeit nicht für realisierbar. (...) Wir wissen, dass einige
Materialien, wie beispielsweise Seltene Erden, eine sehr geringe Recyclingquote
aufweisen. (...) Die Recyclingquote liegt dort zwischen zwei und vier Prozent",
so Pentus-Rosimannus im Interview mit "Report Mainz".
EU-Kommission will Exporte von Seltenerdschrott begrenzen
Obwohl die EU-Kommission nicht weiß, welche Menge recycelbarer Seltener Erden
wieder zurück nach China gehen, kündigt sie auf Nachfrage des
ARD-Politikmagazins trotzdem konkrete Maßnahmen an. Noch in diesem Jahr will sie
die "Ausfuhr von Schrott- und Abfallströmen, die Seltenerdelemente und
Permanentmagnete enthalten, beschränken".
Recyclingforscher fordert Exportverbot
Für Prof. Carlo Burkhardt von der Hochschule Pforzheim ist die von der
EU-Kommission angestoßene Beschränkung der Exporte von Seltenerdschrott zu
wenig. Seit Jahren forscht er mit EU-Forschungsgeldern zum Thema Recycling. Er
fordert ein "Exportverbot für Magnetschrotte mit Seltenen Erden".
Hintergrund: 67 Prozent des Abbaus von Seltenen Erden findet in China statt.
China hält einen weltweiten Marktanteil von 93 Prozent bei der Verarbeitung.
Allein bei den für die Herstellung von Permanentmagneten verwendeten Seltenen
Erden liegt Chinas weltweiter Marktanteil bei über 90 Prozent.
Zitate gegen Quellenangabe frei.
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