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Stuttgart (ots) - Marode Gebäude und steigende Schülerzahlen prägen den
Schulalltag in Deutschland. Dank vorgefertigter Module und verkürzter Bauzeit
könnten Serielle Ansätze jetzt helfen - kostengünstig und ohne an Vielfalt
einzubüßen.
Mit den Abiturprüfungen in Niedersachsen startet am Freitag die Prüfungsphase an
deutschen Schulen. Vielerorts ziehen Klassen in Turnhallen und provisorische
Räume um. Der Platz in den Klassenzimmern reicht nicht aus und der
Sanierungsstau zeigt sich an jeder Ecke. Rund 68 Milliarden Euro sind laut der
Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW, nötig, um die Mängel zu beheben.
Deutschland steht damit vor einem historischen Investitionsdefizit im
Bildungsbau. Gleichzeitig wachsen die Schülerzahlen dem Kultusministerium
zufolge bis 2035 um 758.000, was die Engpässe verschärft. Um damit Schritt zu
halten, müssen Städte und Kommunen schneller bauen und sanieren.
Der Trendreport Bildungsbau des auf Bau, Immobilien und Infrastruktur
spezialisierten Beratungsunternehmens Drees & Sommer SE analysiert den
Status-Quo der Bildungsinfrastruktur in Deutschland und gibt konkrete
Handlungsempfehlungen. Serielle Ansätze erachten die Autor:innen dabei als eine
Schlüssellösung.
Bildung im Baukastensystem
Beim seriellen Bauen werden standardisierte Bauteile wie Wände, Decken oder
Fassadenteile industriell in großer Stückzahl vorgefertigt, und anschließend auf
der Baustelle zu vollständigen Gebäudeeinheiten zusammengesetzt. "Das verkürzt
die Bauzeit spürbar; komplette Schulgebäude lassen sich damit in nur 14 Monaten
realisieren", erklärt Daniel Hof, Experte für Serielles Bauen bei Drees &
Sommer. Anders als beim klassischen Bau, bei dem jedes Element einzeln geplant
und nacheinander gefertigt wird, laufen die Produktionsschritte beim seriellen
Bauen parallel. "Dadurch bleiben die Kosten niedrig, weil sich die Prozesse
wiederholen, Materialien effizient genutzt werden und Lieferketten stabil
bleiben", ergänzt Hof. Zudem können Städte und Kommunen die vorgefertigten
Einheiten individuell ergänzen oder rückbauen, und so auf steigende oder
sinkende Schülerzahlen flexibel reagieren.
Keine Schule von der Stange
Trotz der Vorteile gibt es auch Zweifel: "Viele Menschen verbinden serielles
Bauen - den Plattenbauten aus der Nachkriegszeit geschuldet - noch immer mit
wenig Vielfalt und monotoner Architektur", sagt Thomas Köhler, Head of Education
bei Drees & Sommer. Dabei geht es auch anders: "Mit modularen Elementen schaffen
wir Lernlandschaften, die optisch ansprechend und funktional für den
Ganztagsbetrieb ausgelegt sind", so Köhler. Das braucht es gerade im Hinblick
auf den Anspruch auf Ganztagsbetreuung im Primarbereich, der ab dem Schuljahr
2026/27 rechtskräftig wird. Schulen müssen jetzt zusätzliche Räume schaffen und
ihre Flächen besser nutzen: "Lernhaus- und Clusterkonzepte werden dabei immer
beliebter", erklärt Köhler. Sie verbinden Klassenräume, fördern den Austausch
unter den Schülerinnen und Schülern, bieten Rückzugsbereiche und offene
Lernbereiche für Gruppenprojekte. Licht und Akustik lassen sich dort flexibel
steuern.
Einheitliche Regeln und digitale Prozesse
"Momentan erschweren unterschiedliche Bauordnungen in den Bundesländern es,
einheitliche Typen- und Modulbauten umzusetzen. Dabei könnten bereits
eingeführte Gebäudetypen innerhalb von drei Monaten genehmigt werden", sagt
Thomas Köhler. "Damit Städte und Kommunen seriell bauen und sanieren können,
braucht Deutschland in erster Linie einen einheitlichen Rahmen für den seriellen
Schulbau, der rechtliche, technische und pädagogische Standards harmonisiert",
ist der Experte überzeugt. Auch die Projektabwicklung müsse flexibler werden:
Durch eine gebündelte Vergabe mehrerer Projekte könnten Kommunen Kosten und Zeit
sparen. Gleichzeitig brauche es in den kommunalen Bauämtern noch Nachhilfe mit
seriellen Bauweisen; hier helfen Schulungen, Leitfäden und regionale
Weiterbildungsangebote.
Damit pädagogische und funktionale Bedürfnisse frühzeitig in die Modulauswahl
und -konfiguration integriert werden können, sollte die Phase Null fester
Bestandteil jedes seriellen Schulbauprojekts sein, plädiert Köhler. Alle seriell
errichteten Schulgebäude sollten zudem einen digitalen Zwilling erhalten, der
Daten zum Betrieb der Schulen liefert und helfen würde, die Standardmodule
weiterzuentwickeln. Digitale Monitoring-Systeme könnten Daten zum
Energieverbrauch, zur Raumnutzung und zur Nutzerzufriedenheit erfassen.
Modellvorhaben aus Berlin, Dortmund und Frankfurt
In Deutschland zeigt sich vielerorts, dass sich der serielle Schulbau zunehmend
durchsetzt. Berlin hat mit den "Standards für den Neubau von Schulen" einen
systematischen Ansatz entwickelt, der konsequent auf modulare und serielle
Prinzipien setzt. Dortmund erprobt mit der Reinoldi-Gesamtschule sein erstes
modulares Holzbauprojekt und hat dafür einen klar strukturierten Prozess - den
"Dortmunder Weg" - entwickelt, der pädagogische Anforderungen eng mit
architektonischen Modulen verzahnt. Frankfurt am Main wiederum plant und
realisiert derzeit drei baugleiche Grundschulen als Teil eines Pilotprojekts,
das auf wiederholbaren Strukturen und standardisierten Planungsprozessen
basiert. Die dort gewonnenen Erfahrungen sollen die Grundlage für einen
übertragbaren Schulbautyp bilden.
Den ausführlichen Trendreport finden Sie zum Download hier (https://www.dreso.co
m/de/markets/infrastructure/education-science-research/trendreport-bildungsbau-2
025-mit-dem-schwerpunkt-serieller-schulbau) .
Pressekontakt:
mailto:presse@dreso.com
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/134210/6250977
OTS: Drees & Sommer SE
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