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Köln (ots) - Das deutsche Gesundheitssystem steht zunehmend unter Druck:
steigende Patientenzahlen, eine alternde Gesellschaft und gleichzeitig zu wenig
Fachpersonal. Besonders deutlich zeigt sich das in der Physiotherapie. Sie
gehört zu den größten Engpassberufen im Gesundheitswesen, mit tausenden offenen
Stellen, die oft monatelang unbesetzt bleiben.
Die Versorgungslücke wird nicht kleiner - sie wächst jedes Jahr weiter. Viele
Praxen suchen monatelang Personal und bekommen kaum Bewerbungen. Ohne Fachkräfte
aus dem Ausland wird es in vielen Regionen schlicht nicht mehr möglich sein, die
Nachfrage nach physiotherapeutischer Behandlung zu decken. Hier erfahren Sie,
warum internationale Fachkräfte für die Versorgung immer wichtiger werden,
welche Hürden bei Anerkennung und Integration bestehen und was Politik und
Praxen jetzt ändern müssen.
Eine Krise mit strukturellen Wurzeln
Die Ursachen des Fachkräftemangels in der Physiotherapie sind nicht zufällig -
sie sind strukturell. Deutschland erlebt einen demografischen Doppeldruck: Eine
alternde Gesellschaft braucht mehr physiotherapeutische Versorgung, während
gleichzeitig erfahrene Therapeuten der Babyboomer-Generation in Rente gehen. Das
Statistische Bundesamt prognostiziert, dass der Bedarf an Pflegekräften bis 2049
um mindestens 280.000 zusätzliche Personen steigen wird. Die Physiotherapie
steckt im selben Sog.
Hinzu kommen unattraktive Rahmenbedingungen: Niedrige Kassenvergütung, hohe
Patientenzahlen und ein bürokratischer Alltag treiben ausgebildete Therapeuten
aus dem Beruf oder ins Ausland. Laut einer Studie der Hochschule Fresenius denkt
jeder zweite Therapeut über einen Berufswechsel nach. Das Berufsgesetz für
Physiotherapeuten hat seit Jahrzehnten keine grundlegende Reform erfahren und
schadet der Attraktivität des Berufs spürbar. Zwar steigen die Ausbildungszahlen
seit 2019 wieder leicht an, doch bei einer Ausbildungszeit von drei Jahren wirkt
sich das erst mit erheblicher Verzögerung aus. Viele gut ausgebildete Fachkräfte
aus dem Ausland könnten diese Lücke schließen, scheitern aber an langen
Anerkennungsverfahren, bevor sie überhaupt die erste Behandlung durchführen
dürfen.
Internationale Fachkräfte als notwendiger Baustein
Physiotherapeuten aus Indien, Nordafrika, der Türkei und südamerikanischen
Ländern bringen häufig Hochschulabschlüsse auf Bachelor- oder Masterniveau mit
und verfügen über eine hohe fachliche Qualifikation. Dazu kommt eine starke
Motivation: Deutschland bietet ihnen bessere Gehälter, stabilere
Arbeitsbedingungen und echte Zukunftsperspektiven. Der Weg nach Deutschland ist
klar strukturiert - er braucht Zeit und Begleitung, aber er funktioniert.
Am Anfang steht das Erlernen der deutschen Sprache: Mindestens B1-Niveau ist
Grundvoraussetzung für Visum und Arbeitsalltag, B2 für die volle Berufsurkunde.
Danach folgt der Abschluss eines Arbeitsvertrags mit einem deutschen Arbeitgeber
- er bildet die Grundlage für alle weiteren Schritte. Die ausländische
Ausbildung wird bei der zuständigen Landesbehörde geprüft; ein Defizitbescheid
stellt fest, welche Inhalte noch fehlen. Anschließend wird das Visum beantragt,
wobei das beschleunigte Fachkräfteverfahren die Bearbeitungszeit erheblich
verkürzen kann.
Nach der Einreise kümmern sich die Fachkräfte zunächst um Wohnung, Anmeldung,
Bankkonto und Versicherung. Dabei ist ein strukturiertes Onboarding durch die
Praxis oder einen Dienstleister besonders wichtig. Ist die berufliche
Anerkennung noch nicht vollständig abgeschlossen, kann der Therapeut bereits in
der Praxis arbeiten und absolviert parallel eine sogenannte Anpassungsmaßnahme,
um fehlende Qualifikationen auszugleichen. Nach erfolgreichem Abschluss dieser
Maßnahme erhält er die offizielle deutsche Berufsurkunde und kann anschließend
dauerhaft als anerkannte Fachkraft tätig sein.
Hürden, die das System selbst aufbaut
So klar der Prozess auf dem Papier ist, so real sind die Hindernisse in der
Praxis. Anerkennungsverfahren sind je nach Bundesland unterschiedlich lang und
folgen keinem einheitlichen Standard. Übersetzungskosten für
Ausbildungsunterlagen, die oft 50 bis 100 Seiten umfassen, schlagen bei rund 35
Euro pro Seite erheblich zu Buche. Sprachkurse sind kostenintensiv und mit
langen Vorlaufzeiten verbunden. Wohnungssuche, Einreiseprozess und bürokratische
Hürden bei Ausländerbehörden sind ohne professionelle Unterstützung kaum zu
bewältigen. In vielen Praxen und Regionen fehlen zudem Mentoring- und
Integrationsprogramme vollständig.
Positiv hervorzuheben ist, dass das beschleunigte Fachkräfteverfahren und der
Wegfall der Vorrangprüfung seit 2023 Schritte in die richtige Richtung sind.
Doch sie reichen noch nicht aus, um die strukturellen Defizite zu beheben.
Was Politik und Praxen jetzt tun müssen
Die Antwort auf die Versorgungskrise erfordert Handeln auf zwei Ebenen. Die
Politik muss bundeseinheitliche Anerkennungsstandards schaffen und die
Länderzuständigkeiten harmonisieren. Anerkennungsverfahren müssen beschleunigt
und digitalisiert werden. Ausgebaut werden muss auch die finanzielle Förderung
für Sprachkurse und Anerkennungskosten. Und das veraltete Berufsgesetz für
Physiotherapeuten braucht endlich eine grundlegende Reform - eine, die den Beruf
attraktiver macht und die internationale Anerkennungsfähigkeit stärkt.
Auch Praxen sind gefordert. Therapeuten in Anerkennung sind fachlich stark und
hoch motiviert - wer ihnen gegenüber offen ist, gewinnt engagierte
Mitarbeitende. Onboarding darf kein Lippenbekenntnis sein: Mentoring,
Wohnungsunterstützung und kulturelle Integration entscheiden darüber, ob eine
Fachkraft bleibt oder wieder geht. Wer erst dann mit der Personalsuche beginnt,
wenn die nächste Kündigung auf dem Tisch liegt, hat bereits verloren.
Professionelle Recruiting-Prozesse müssen frühzeitig etabliert werden - nicht
als Reaktion auf die Krise, sondern als strukturelle Antwort auf eine Realität,
die sich nicht von selbst auflöst.
Über Tobias Frese:
Tobias Frese ist Gründer und Geschäftsführer der Frese Recruiting GmbH. Die
Personalagentur vermittelt qualifizierte Physiotherapeuten aus dem Ausland an
deutsche Praxen. Dabei übernimmt die Agentur den kompletten Prozess von Auswahl
bis Integration. Mehr Informationen unter: http://www.frese-recruiting.de
Pressekontakt:
Frese Recruiting GmbH
Vertreten durch: Tobias Frese
E-Mail: mailto:info@frese-recruiting.de
Webseite: https://www.frese-recruiting.de/
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/178186/6252082
OTS: Frese Recruiting GmbH
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