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Berlin (ots) - Im Sudan wütet die schlimmste humanitäre Krise der Welt. Mehr als
die Hälfte der Bevölkerung - 33,7 Millionen Menschen - benötigt humanitäre
Hilfe, um zu überleben. Seit Beginn des Krieges vor drei Jahren hat Aktion gegen
den Hunger rund 2 Millionen Menschen unterstützt. Vor der von der deutschen
Bundesregierung am 15. April ausgerichteten Sudan-Konferenz fordert die
Organisation verbindliche finanzielle und politische Zusagen der internationalen
Gemeinschaft.
"Wir begrüßen es, dass die Bundesregierung die Sudan-Konferenz ausrichtet. Das
allein aber reicht nicht. Die Konferenz muss konkrete Ergebnisse liefern, um das
Leid der Menschen zu beenden. Eine Abschlusserklärung mit messbaren Zusagen zum
Schutz der Zivilbevölkerung, einem sicheren humanitären Zugang und einer
ausreichenden Finanzierung muss im Rahmen der Konferenz vereinbart werden", sagt
Jan Sebastian Friedrich-Rust. Der Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger
wird an der Sudan-Konferenz teilnehmen.
Zwei von weltweit drei Hungersnöten im Sudan
Eine offizielle Hungersnot wird nur in den extremen Nahrungsmittelkrisen
erklärt, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind: Mindestens 20 Prozent der
Haushalte leiden unter extremer Nahrungsmittelknappheit, über 30 Prozent der
Kinder sind akut mangelernährt und täglich sterben mindestens 2 von 10.000
Menschen. Zwei von weltweit drei Hungersnöten ereignen sich im Sudan: in Al
Faschir und Kadugli. Andere Regionen sind bereits an der Grenze zur Hungersnot.
"Mehr als 21 Millionen Menschen leiden im Land unter akutem Hunger. Das ist eine
direkte Folge des Konflikts, der Märkte zerstört, Ernten beeinträchtigt sowie
Handelswege und die humanitäre Hilfe blockiert", sagt Samy Guessabi,
Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger, der für die Sudan-Konferenz in
Berlin ist. Guessabi vertritt zudem als Co-Vorsitzender das Sudan-INGO-Forum,
das die Aktivitäten der internationalen Hilfsorganisationen im Sudan
koordiniert.
Lokale sudanesische Akteure zentral
"Dem Sudan mangelt es nicht an Resilienz. Was uns Sudanesinnen und Sudanesen
fehlt, ist nachhaltiges internationales Handeln. Wir stehen gemeinsam mit den
internationalen Helferinnen und Helfern an der Seite der Bevölkerung. Aber
lokaler Einsatz allein kann in diesem Konflikt eine globale Verantwortung nicht
ersetzen", sagt Mohialdeen Ismail von der sudanesischen Hilfsorganisation AWAFY,
mit der Aktion gegen den Hunger eng zusammenarbeitet.
Lokale sudanesische Organisationen spielen bei der Versorgung der Menschen mit
humanitärer Hilfe eine zentrale Rolle: Sie sind tief verwurzelt in den Gemeinden
und erreichen Regionen, in denen internationale Organisationen oftmals keinen
Zugang haben. "Was die Menschen im Sudan brauchen, ist einfach: Sicherheit.
Essen. Wasser. Gesundheitsversorgung. Würde. Und das Gefühl, dass die Welt sie
nicht vergessen hat", so Mohialdeen Ismail.
Neuer Bericht über die dramatische Ernährungssituation
Der Bericht "What it takes to eat", der heute von Aktion gegen den Hunger
gemeinsam mit anderen NGOs veröffentlicht wurde , macht deutlich, wie der Krieg
den Zugang zu Lebensmitteln abschneidet und ganze Gemeinden in eine Hungersnot
treibt. Familien überleben nur, weil Menschen trotz großer Gefahr weiterhin
Lebensmittel anbauen, transportieren und verteilen.
Der Bericht zeigt, wie Menschen auf dramatische Weise Lebensmittel rationieren
oder ganz auslassen müssen. "Wir fragen nicht mehr, was wir essen werden. Wir
fragen, wer essen wird", erzählt eine Frau, die für den Bericht befragt wurde.
Trotz dieser extremen Bedingungen erhalten sudanesische Gemeinschaften durch
außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit und großen persönlichen Einsatz weiterhin
ein fragiles Ernährungssystem aufrecht.
Der Sudan erlebt die weltweit größte Vertreibungskrise
Fast 14 Millionen Menschen sind geflohen - mehr als 9 Millionen innerhalb des
Landes und 4 Millionen in Nachbarländer wie den Tschad und den Südsudan. Diese
Zahlen sind doppelt so hoch wie bei anderen großen aktuellen Vertreibungskrisen,
wie beispielsweise in Syrien (7 Millionen Vertriebene), der Demokratischen
Republik Kongo (6 Millionen) und im Jemen (5 Millionen). "Es geht dabei aber
nicht nur um die Zahlen. Familien sind gezwungen, immer wieder zu fliehen. Das
unterbricht die medizinische Versorgung und den Zugang zu Nahrungsmitteln,
schränkt die Gesundheitsversorgung ein und erhöht das Risiko
geschlechtsspezifischer Gewalt", erklärt Guessabi.
Aktion gegen den Hunger im Sudan
Seit Beginn des Konflikts am 15. April 2023 haben die Teams von Aktion gegen den
Hunger fast zwei Millionen Menschen in Darfur, Kordofan, am Blauen Nil, am
Weißen Nil und am Roten Meer unterstützt. Wir führen weiterhin unsere Programme
in den Bereichen Gesundheit, Behandlung von Unterernährung, Bargeldhilfe, Zugang
zu sauberem Trinkwasser, sanitäre Versorgung und Sensibilisierung für sexuelle
und geschlechtsspezifische Gewalt durch.
Hinweis an die Redaktionen
Folgende Sprecher*innen sind für Interviews und Hintergrundgespräche verfügbar:
- Samy Guessabi, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger im Sudan und
Co-Vorsitzender des Sudan-INGO-Forums (ENG, SPA, FRA)
- Mohialdeen Ismail, Geschäftsführer der sudanesischen Hilfsorganisation AWAFY
(ENG)
- Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger (DE,
ENG)
- Jan Sebastian Friedrich-Rust und Samy Guessabi werden am 15. April an der
Sudan-Konferenz teilnehmen und stehen gerne für Statements nach den
Ergebnissen zur Verfügung
- Den Bericht "What it takes to eat" sowie Fotos und weitere Pressematerialien
finden Sie hier als Download (https://aktiongegendenhunger.sharepoint.com/:f:/
s/Presse_Medien/IgCdK0EgQQ7dQJY9QhQH2S7SAXxYevIRTCLyrX1Xr93dpSU?e=fiCfXj) .
- Eine Aufzeichnung der heutigen Pressekonferenz ist auf Anfrage bei
mailto:presse@aktiongegendenhunger.de verfügbar.
Über Aktion gegen den Hunger
Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische
Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund
26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen
den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und
gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten
Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.
Spendenkonto
IBAN: DE93 3702 0500 0001 3777 01
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Pressekontakt:
Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 - 279 099 776
E-Mail mailto:presse@aktiongegendenhunger.de
Website http://www.aktiongegendenhunger.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/145487/6254418
OTS: Aktion gegen den Hunger gGmbH
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