Seite zu Favoriten hinzufügen / Link zu ihrer Webseite einrichten 

Deutschland

Top-News



Mittelhessen: +++ Gemeinsame Pressemitteilung der Stadt Gießen, der jüdischen Gemeinde Gießen und des Polizeipräsidiums Mittelhessen +++ (FOTO)

15.01.2026 17:56 Uhr Polizeipräsidium Mittelhessen - Pressestelle

Giessen (ots) - Gießen: Polizeiführung und Oberbürgermeister stehen jüdischer Gemeinde bei

Nachdem am Dienstagabend (13.1.2025) ein Mann eine versuchte schwere Brandstiftung vor der Gießener Synagoge beging, kamen gestern Polizeipräsident Torsten Krückemeier, die Leiterin der mittelhessischen Abteilung Einsatz, Leitende Kriminaldirektorin Carina Lerch, Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher und der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gießen, Herr Dow Aviv, zusammen. Das Treffen in den Räumen der jüdischen Gemeinde diente neben dem Informationsaustausch vor allem einem weiteren Zweck: dem Ausdruck der engen Verbundenheit.

"Durch viele gemeinsame Treffen, Projekte und Gespräche bin ich ohnehin eng mit der jüdischen Gemeinde Gießen verbunden. Es ist mir ein wichtiges Anliegen, diese Verbundenheit nach außen zu tragen und heute hier zusammen zu kommen. Frau Lerch und mir wurde eindrucksvoll geschildert, welche Betroffenheit unter den Mitgliedern der Gemeinde, aber auch der Gießener Bevölkerung herrscht. Als Polizei ist es unser Auftrag, die Grundrechtsausübung zu gewährleisten. Darunter fällt auch die Religionsfreiheit. Wir tun alles, um einen bestmöglichen Schutz der jüdischen Gemeinde sicherzustellen. Ich bin erleichtert, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Dies ist auch dem schnellen Eingreifen der Polizeikräfte, die erste Löschversuche unternahmen, und der Feuerwehr zu verdanken. Der Vorfall untermauert umso mehr, wie wichtig es ist, in die Stärkung unserer Demokratie zu investieren. Mit Hoffnung hat mich derweil erfüllt, dass offenbar zwei Zeugen Zivilcourage bewiesenen, einschritten und der Polizei die schnelle Festnahme des Tatverdächtigen ermöglichten", erklärte der sichtlich betroffene Polizeipräsident.

Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher zeigte sich ebenfalls sehr betroffen: "In solchen Momenten, in denen der Schock über das Geschehen und das Gefühl der Verwundbarkeit besonders die Mitglieder in der jüdischen Gemeinde in Schrecken versetzt hat, ist eines besonders wichtig: Wir als Stadtgesellschaft wollen zeigen, dass wir beieinander stehen. Ich sage deshalb sehr deutlich: Wir stehen an Eurer Seite, Ihr seid nicht allein." Diese Botschaft habe er dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde an diesem Tag überbracht. "Dass erneut Unbeteiligte wachsam waren und wohl auch derart couragiert eingegriffen haben, erfüllt mich gleichzeitig mit Hoffnung und Dankbarkeit. Das zeigt, dass in dieser Stadt Beherztheit statt Gleichgültigkeit herrscht. Auch wenn solche Vorfälle Angst machen: Wir sind diesem Schrecken nicht völlig hilflos ausgeliefert, wenn wir erfahren können, dass andere Menschen helfen. Das gilt ebenso für Feuerwehr und Polizei, die schnell reagiert und Gefahren abgewendet haben", fügte der OB an. "Dennoch müssen wir natürlich auch immer wieder kritisch hinterfragen, ob es angesichts der weltweiten zunehmenden Anfeindungen gegenüber jüdischen Gemeinden weitere Schutzmaßnahmen auch vor Ort braucht. Dazu bleiben wir in engem Austausch", erklärte Becher abschließend.

Der Gemeindevorsitzende, Dow Aviv, schildert die Sicht der Gemeinde: "Es ist schwer, sich die Angst und die Verzweiflung vorzustellen, die so ein Angriff auf unsere Synagoge bei den Bewohnern des Hauses ausgelöst hat. Der Schreck und die Vorstellung was noch passieren könnte, sitzt immer noch tief in mir. Seit dem 7. Oktober 2023 war die Angst von einem Anschlag bei uns in der jüdischen Gemeinde stets präsent. Gott sei Dank, es entstand nur Sachschaden. Kein Mensch ist zu Schaden gekommen. Ich möchte mich bei den Menschen bedanken, die Zivilcourage zeigten und den Täter an der Flucht hinderten, bis die Polizei eintraf. Danke an die Polizei, die Feuerwehr und die Sicherheitskräfte, die Schlimmeres verhindert haben. Ich danke herzlichst Oberbürgermeister Becher und seinen Mitarbeitern, für die Anteilnahme und zugesicherte unbürokratische Hilfe. Wir werden unsere Rechte, hier in Frieden und mit Freude zu leben, nicht aufgeben und wir lassen uns nicht einschüchtern. Ich möchte klarstellen: Antisemitismus ist kein Problem der Juden. Es ist ein Problem der Gesamtgesellschaft. Ein Angriff auf Juden ist ein Angriff auf unsere Demokratie. Ich wünsche mir Solidarität mit den hier lebenden Juden die das Recht haben, hier und jetzt angstfrei zu leben."

Pierre Gath, Pressesprecher

Rückfragen bitte an:

Polizeipräsidium Mittelhessen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Ferniestraße 8 35394 Gießen

Telefon: +49 641/7006-2055 (Pressetelefon) E-Mail: pressestelle.ppmh@polizei.hessen.de

Außerhalb der Regelarbeitszeit

Polizeiführerin/Polizeiführer vom Dienst (PvD) Telefon: +49 641/7006-3381 E-Mail: ful.ppmh@polizei.hessen.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/blaulicht/pm/154582/6197287 OTS: Polizeipräsidium Mittelhessen - Pressestelle


Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - Polizeipräsidium Mittelhessen - Pressestelle
Für den Inhalt übernehmen wir keine Verantwortung