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Giessen (ots) - Gießen: Polizeiführung und Oberbürgermeister stehen jüdischer
Gemeinde bei
Nachdem am Dienstagabend (13.1.2025) ein Mann eine versuchte schwere
Brandstiftung vor der Gießener Synagoge beging, kamen gestern Polizeipräsident
Torsten Krückemeier, die Leiterin der mittelhessischen Abteilung Einsatz,
Leitende Kriminaldirektorin Carina Lerch, Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher
und der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gießen, Herr Dow Aviv, zusammen. Das
Treffen in den Räumen der jüdischen Gemeinde diente neben dem
Informationsaustausch vor allem einem weiteren Zweck: dem Ausdruck der engen
Verbundenheit.
"Durch viele gemeinsame Treffen, Projekte und Gespräche bin ich ohnehin eng mit
der jüdischen Gemeinde Gießen verbunden. Es ist mir ein wichtiges Anliegen,
diese Verbundenheit nach außen zu tragen und heute hier zusammen zu kommen. Frau
Lerch und mir wurde eindrucksvoll geschildert, welche Betroffenheit unter den
Mitgliedern der Gemeinde, aber auch der Gießener Bevölkerung herrscht. Als
Polizei ist es unser Auftrag, die Grundrechtsausübung zu gewährleisten. Darunter
fällt auch die Religionsfreiheit. Wir tun alles, um einen bestmöglichen Schutz
der jüdischen Gemeinde sicherzustellen. Ich bin erleichtert, dass nichts
Schlimmeres passiert ist. Dies ist auch dem schnellen Eingreifen der
Polizeikräfte, die erste Löschversuche unternahmen, und der Feuerwehr zu
verdanken. Der Vorfall untermauert umso mehr, wie wichtig es ist, in die
Stärkung unserer Demokratie zu investieren. Mit Hoffnung hat mich derweil
erfüllt, dass offenbar zwei Zeugen Zivilcourage bewiesenen, einschritten und der
Polizei die schnelle Festnahme des Tatverdächtigen ermöglichten", erklärte der
sichtlich betroffene Polizeipräsident.
Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher zeigte sich ebenfalls sehr betroffen: "In
solchen Momenten, in denen der Schock über das Geschehen und das Gefühl der
Verwundbarkeit besonders die Mitglieder in der jüdischen Gemeinde in Schrecken
versetzt hat, ist eines besonders wichtig: Wir als Stadtgesellschaft wollen
zeigen, dass wir beieinander stehen. Ich sage deshalb sehr deutlich: Wir stehen
an Eurer Seite, Ihr seid nicht allein." Diese Botschaft habe er dem Vorsitzenden
der jüdischen Gemeinde an diesem Tag überbracht. "Dass erneut Unbeteiligte
wachsam waren und wohl auch derart couragiert eingegriffen haben, erfüllt mich
gleichzeitig mit Hoffnung und Dankbarkeit. Das zeigt, dass in dieser Stadt
Beherztheit statt Gleichgültigkeit herrscht. Auch wenn solche Vorfälle Angst
machen: Wir sind diesem Schrecken nicht völlig hilflos ausgeliefert, wenn wir
erfahren können, dass andere Menschen helfen. Das gilt ebenso für Feuerwehr und
Polizei, die schnell reagiert und Gefahren abgewendet haben", fügte der OB an.
"Dennoch müssen wir natürlich auch immer wieder kritisch hinterfragen, ob es
angesichts der weltweiten zunehmenden Anfeindungen gegenüber jüdischen Gemeinden
weitere Schutzmaßnahmen auch vor Ort braucht. Dazu bleiben wir in engem
Austausch", erklärte Becher abschließend.
Der Gemeindevorsitzende, Dow Aviv, schildert die Sicht der Gemeinde: "Es ist
schwer, sich die Angst und die Verzweiflung vorzustellen, die so ein Angriff auf
unsere Synagoge bei den Bewohnern des Hauses ausgelöst hat. Der Schreck und die
Vorstellung was noch passieren könnte, sitzt immer noch tief in mir. Seit dem 7.
Oktober 2023 war die Angst von einem Anschlag bei uns in der jüdischen Gemeinde
stets präsent. Gott sei Dank, es entstand nur Sachschaden. Kein Mensch ist zu
Schaden gekommen. Ich möchte mich bei den Menschen bedanken, die Zivilcourage
zeigten und den Täter an der Flucht hinderten, bis die Polizei eintraf. Danke an
die Polizei, die Feuerwehr und die Sicherheitskräfte, die Schlimmeres verhindert
haben. Ich danke herzlichst Oberbürgermeister Becher und seinen Mitarbeitern,
für die Anteilnahme und zugesicherte unbürokratische Hilfe. Wir werden unsere
Rechte, hier in Frieden und mit Freude zu leben, nicht aufgeben und wir lassen
uns nicht einschüchtern. Ich möchte klarstellen: Antisemitismus ist kein Problem
der Juden. Es ist ein Problem der Gesamtgesellschaft. Ein Angriff auf Juden ist
ein Angriff auf unsere Demokratie. Ich wünsche mir Solidarität mit den hier
lebenden Juden die das Recht haben, hier und jetzt angstfrei zu leben."
Pierre Gath, Pressesprecher
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