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40217 Düsseldorf (ots) - Weniger Getötete, mehr Drogen am Steuer und immer mehr
verbotene Autorennen: Diese Entwicklungen prägen die Verkehrsunfallbilanz 2025
für Nordrhein Westfalen. Innenminister Herbert Reul stellte am Mittwoch, 11.
März 2026, in Düsseldorf die aktuellen Zahlen zum Verkehrsgeschehen vor. Rund
656.000 Verkehrsunfälle und etwa 80.500 Verletzte wurden im vergangenen Jahr
registriert. 479 Menschen sind im Straßenverkehr ums Leben gekommen (2024: 485).
Es wurden deutlich mehr verunglückte Kinder und Jugendliche auf E-Scootern
erfasst. Zudem wurde ein neuer Höchststand bei Unfällen unter Drogeneinfluss -
vor allem mit Cannabis - registriert. Die Zahl der Toten infolge verbotener
Kraftfahrzeugrennen ist so hoch wie noch nie seit Einführung des
Straftatbestands.
Minister Reul: "Es sind in den seltensten Fällen 'unglückliche Umstände', die zu
Unfällen führen, sondern menschliche Fehler - ein kurzer Moment Unachtsamkeit,
ein Griff zum Handy, Alkohol oder schlicht Rücksichtslosigkeit. Jeder Verletzte,
jeder Tote im Straßenverkehr ist einer zu viel. Wer Drogen am Steuer und PS
Rennen in der Innenstadt einfach hinnimmt, der spielt mit Menschenleben. Auch
E-Scooter sind kein Spielzeug, darum haben Kinder darauf nichts verloren. Bei
jeder Fahrt und in jedem Verkehrsmittel müssen Vorsicht und Umsicht mitfahren."
Zentrale Unfallzahlen 2025
Die Polizei hat 2025 656.030 Verkehrsunfälle auf den Straßen in Nordrhein
Westfalen registriert - rund 11.000 mehr als im Jahr davor. Dabei sind 81.231
Menschen verletzt oder getötet worden. Rund 70.500 Menschen wurden leicht, rund
10.000 schwer verletzt. 479 Menschen haben ihr Leben verloren - sechs weniger
als im Vorjahr.
Verkehr wird dichter, vielfältiger, riskanter Der Minister wies darauf hin, dass
sich der Straßenverkehr deutlich verändert habe: "Er wird dichter, vielfältiger
und damit komplexer." Heute teilen sich Autos, Fahrräder, Pedelecs, Lastenräder,
E Scooter, Motorräder und Fußgänger oft denselben, engen Raum. Neue Straßen und
Wege kommen dagegen kaum hinzu. "Wo mehr Verkehr auf gleich viel Raum trifft,
entstehen neue Konflikte - und diese Konflikte schlagen sich in den Unfallzahlen
nieder", so Reul.
Kinder auf Pedelecs: Hohe Zuwächse
Besonders ins Auge fällt der Bereich Radverkehr. Mittlerweile entfallen rund 34
Prozent aller Unfälle mit Personenschaden auf Fahrräder oder Pedelecs - also
mehr als jeder dritte Unfall. 106 Menschen sind dabei im vergangenen Jahr ums
Leben gekommen - die höchste Zahl im Zehnjahresvergleich.
Auffällig ist ein hoher Anteil von Alleinunfällen. Kommt es zu Kollisionen mit
anderen Verkehrsteilnehmern, sind Radfahrerinnen und Radfahrer häufig nicht die
Verursacher: In rund zwei Dritteln der Fälle liegt die Hauptursache beim anderen
Verkehrsteilnehmer, etwa wegen Vorfahrtsverstößen, Fehlern beim Abbiegen oder
beim Einfahren in den fließenden Verkehr. "Hier würde es oft schon helfen, sich
vor der Weiterfahrt einen Moment Zeit zu nehmen, den Kopf zu drehen und sich
einen Überblick über die Verkehrssituation zu verschaffen", sagte Reul.
Stark nach oben gegangen sind die Unfallzahlen bei Kindern und Jugendlichen auf
dem Pedelec. Die stärksten prozentualen Anstiege verzeichnet die Bilanz bei den
unter 14-Jährigen und den 15 bis 17 Jährigen. "Pedelecs sind längst kein
'Seniorenfahrzeug' mehr", so Reul. "Wer mit dem Pedelec unterwegs ist, erreicht
Geschwindigkeiten, die er vom klassischen Fahrrad nicht gewohnt ist. Das
verändert Fahrdynamik, Bremswege und Reaktionszeiten - und das muss man
beherrschen."
E Scooter: Viele Verletzte, viele Kinder betroffen Deutlich zugenommen haben
auch Unfälle mit E Scootern. "E Scooter gehören inzwischen fest zum
Straßenbild", sagte Reul. 2025 sind rund 3.900 Menschen mit einem E Scooter
verunglückt - getötet oder verletzt -, ein Anstieg von rund 50 Prozent gegenüber
dem Vorjahr. In 96 Prozent der polizeilich erfassten E Scooter Unfälle gab es
einen Personenschaden.
Rund 30 Prozent der Unfälle sind Alleinunfälle. Bei den Verursacherquoten hält
sich das Bild die Waage: In etwa der Hälfte der Fälle liegt die Hauptursache
beim E Scooter Fahrer, in der anderen Hälfte beim anderen Verkehrsteilnehmer.
Wenn E Scooter Fahrerinnen und -Fahrer den Unfall verursachen, sind typische
Ursachen Alkohol, die falsche Fahrbahn oder unangepasste Geschwindigkeit.
Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei Kindern: 566 unter
14-Jährige sind im vergangenen Jahr mit einem E Scooter verunglückt - ein
Anstieg von 72 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Ich erinnere daran: E Scooter
dürfen erst ab 14 Jahren gefahren werden. Ein E Scooter ist kein Spielzeug. Er
ist ein Kraftfahrzeug. Wer damit unterwegs ist, bewegt sich mitten im
Straßenverkehr - mit allen Regeln und Risiken," mahnt Reul
Verbotene Kfz Rennen: Höchststand bei Fällen und Toten Ein weiterer Schwerpunkt
der Bilanz sind verbotene Kraftfahrzeugrennen. Seit 2017 gibt es dafür einen
eigenen Straftatbestand. 2025 hat die Polizei in Nordrhein Westfalen 2.384
verbotene Kfz Rennen registriert - der höchste Stand seit Beginn der Statistik.
In 663 Fällen kam es infolge solcher Rennen zu Verkehrsunfällen. 19 Menschen
sind im vergangenen Jahr nach verbotenen Kraftfahrzeugrennen ums Leben gekommen
- so viele wie noch nie seit Einführung des Straftatbestands. "Wer unsere
Straßen zur Rennstrecke macht, begeht keine Ordnungswidrigkeit. Er begeht eine
Straftat", stellte Reul klar.
Die Polizei schöpft alle Möglichkeiten aus, um diese Taten nachzuweisen und hat
die Ermittlungsarbeit intensiviert. Unfälle werden von Spezialisten der
Verkehrsunfallaufnahmeteams analysiert, Fahrzeugdaten aus Blackbox,
Multimediasystem und Handy werden ausgelesen. "Wer sein Fahrzeug im
Straßenverkehr wie eine Waffe benutzt, setzt Menschenleben aufs Spiel - und
seine eigene Zukunft gleich mit: Führerschein weg, Auto weg und, wenn Menschen
zu Schaden kommen, mehrjährige Freiheitsstrafen", so der Minister.
Rückgang der getöteten Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer Die Zahl der
getöteten Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer ist deutlich gesunken. 45
Menschen kamen 2025 bei Motorradunfällen ums Leben, im Vorjahr waren es noch 86
- ein Rückgang von über 47 Prozent und der niedrigste Stand im
Zehnjahresvergleich. Gleichzeitig zeigt die Bilanz: Die Zahl der
Leichtverletzten ist um 18 Prozent gestiegen, bei den Schwerverletzten gibt es
einen leichten Anstieg von gut 3 Prozent. Rund 35 Prozent der Unfälle sind
Alleinunfälle, bei denen der Fahrer ohne Beteiligung anderer die Kontrolle
verliert; kommt es zu Kollisionen, liegt in 62 Prozent der Fälle die
Hauptursache beim anderen Verkehrsteilnehmer. Innenminister Reul appellierte
deshalb: "Motorradfahren ist Leidenschaft, aber es bleibt riskant: hohe
Geschwindigkeiten, keine Knautschzone - ein kleiner Fehler kann reichen. Fahren
Sie mit Köpfchen, tragen Sie gute und gut sichtbare Schutzkleidung und gönnen
Sie sich nach der Winterpause ein Fahr- und Sicherheitstraining. Und alle
anderen sollten mit Motorrädern rechnen - sie sind schnell, schmal und werden
noch immer zu oft übersehen."
Alkohol, Drogen und Cannabis
Große Sorge bereitet Reul auch die Entwicklung bei Unfällen unter Alkohol und
Drogeneinfluss. 2025 haben sich 4.404 Unfälle unter Einfluss von Alkohol oder
anderen berauschenden Mitteln ereignet. Den größten Anteil hat Alkohol mit 3.274
Unfällen, 1.130 Unfälle gehen auf andere berauschende Mittel zurück. Hier
wiederum hat Cannabis mit 506 Unfällen den größten Anteil - ein Zuwachs um 23
Prozent und der höchste jemals erfasste Wert. Die Polizei hat 2025 so viele
Verkehrsteilnehmer unter Drogeneinfluss festgestellt wie noch nie. In rund
25.000 Fällen gab es Hinweise auf Drogenkonsum und eine Blutprobe - ohne dass es
bereits zu einem Unfall gekommen war.
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