|
Giessen (ots) - Mittelhessen - A 5: "Wofür steht eigentlich dieses rote X?"
Es ist eine Situation, die häufig auf Autobahnen festzustellen ist. Ein
Fahrstreifen wird, zum Beispiel wegen Bauarbeiten oder einem Unfall, gesperrt
und die Sperrung frühzeitig über die elektronischen Warntafeln oberhalb der
jeweiligen Fahrstreifen angezeigt. Um Gefahren zu reduzieren und den Verkehr zu
lenken und möglichst gut fließen zu lassen, wird zunächst mit einem gelben
Schrägpfeil angezeigt, dass die Spur zu wechseln ist. Schließlich erscheinen auf
folgenden Tafeln die roten gekreuzten Schrägbalken, das rote "X", die anzeigen,
dass dieser Fahrstreifen gesperrt ist. Gelegentlich ist die Baustelle oder die
Unfallstelle an diesem Punkt jedoch noch nicht zu sehen. Weshalb also sich schon
frühzeitig einordnen, wenn der Streifen ja noch befahren werden und man selbst
an der sich bildenden Fahrzeugschlange vorbei noch "ein paar Plätze gut machen"
kann? Die Antwort auf diese Frage ist manchen entweder nicht bewusst oder im
schlimmsten Fall egal. Diese Art der Verkehrslenkung dient, wie der Name schon
sagt, dazu, den Verkehr zu lenken und damit möglichst am Fließen zu halten.
Außerdem sollen Gefahren, beispielsweise durch temporäre
Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Hinweise auf äußere Natureinflüsse wie
Regen, Nebel oder Glätte, reduziert werden. Sie wird, je nach Örtlichkeit und
Anlass der Sperrung, nicht immer zur vollständigen Verhinderung von Staus
beitragen können. Dennoch haben die jeweiligen Anzeigen auf den elektronischen
Tafeln einen Sinn und einen Grund. Zudem schafft man durch eine wie oben
beschriebene Fahrstreifensperrung bei Unfällen Raum für Rettungskräfte und
Bergungsfahrzeuge. Staut es sich irgendwann auf dem eigentlich durch das rote
"X" gesperrten Fahrstreifen von der Unfallstelle oder Baustelle zurück, bleibt
kein Platz mehr für den Rettungsdienst, die Feuerwehr oder das
Abschleppfahrzeug. Das hat zur Folge, dass sich die Versorgung von Verletzten
und nebenbei auch die Auflösung der Unfallstelle, deutlich verzögern. Aus dem
vermeintlich eigenen Vorteil, den man sich verschaffen möchte, in dem man sich
nicht weiter hinten frühzeitig in den anderen Fahrstreifen einreiht, wird so ein
Nachteil für alle, die entweder Hilfe benötigen oder davon beeinträchtigt
werden, dass die Unfallstelle nicht geräumt werden kann. Des Weiteren stellt die
Nutzung des gesperrten Fahrstreifens eine Ordnungswidrigkeit dar. Führt die
Nutzung des gesperrten Fahrstreifens auch noch zur Behinderung von
Einsatzkräften, droht sogar ein einmonatiges Fahrverbot.
Mögliche Folgen der Nichtbeachtung von gesperrten Fahrstreifen verdeutlicht ein
Vorfall vom vergangenen Dienstag (17.03.2026) auf der A 5 bei Friedberg. Gegen
11:20 Uhr war ein 18-jähriger aus dem Landkreis Celle mit seinem Dacia Logan auf
dem linken Fahrstreifen der A 5 aus Richtung Frankfurt kommend in Fahrtrichtung
Kassel unterwegs. Aufgrund von Arbeiten der Autobahnmeisterei auf der Fahrbahn,
zeigten die Wechselverkehrszeichen zunächst einen gelben Schrägpfeil an, der den
Spurwechsel empfiehlt. Im Anschluss erfolgte die vollständige Sperrung des
linken Fahrstreifens durch rote gekreuzte Schrägbalken, also ein rotes "X". Der
Dacia-Fahrer fuhr jedoch so lange auf dem linken Fahrstreifen weiter, bis er zu
einem Sperranhänger der Autobahnmeisterei samt Zugfahrzeug kam. Beim Versuch,
dem Sperranhänger auszuweichen und noch auf die mittlere Spur zu wechseln,
kollidierte er dort zunächst mit dem Mercedes Vito eines 42-jährigen Mannes aus
Biedenkopf. Durch diese Kollision prallte der Dacia gegen das Zugfahrzeug des
Sperranhängers. Der 18-jährige Fahrer sowie sein 15-jähriger Beifahrer mussten
leicht verletzt in Krankenhäuser gebracht werden. Der Fahrer des Mercedes sowie
Arbeiter der Autobahnmeisterei wurden nicht verletzt. Diese befanden sich zum
Zeitpunkt des Unfalls nicht in der Nähe des Sperranhängers und des Zugfahrzeugs.
Am Dacia entstand Totalschaden. Der Gesamtsachschaden wird auf 9.000 EUR
geschätzt. Für anderthalb Stunden bildete sich ein fast acht Kilometer langer
Rückstau.
Bereits bei der Anfahrt zur Unfallstelle musste die Streife der Autobahnpolizei
feststellen, dass zahlreiche Verkehrsteilnehmer die Zeichen der
Verkehrsbeeinflussungsanlage ignorierten und weiter auf dem gesperrten linken
Fahrstreifen fuhren. Sowohl die Streife als auch ein Rettungswagen wurden dabei
auf der Anfahrt zur Unfallstelle behindert. Die Autobahnpolizei registrierte
insgesamt 72 Verkehrsteilnehmer, die das rote "X" ignorierten. Die jeweilige
Ordnungswidrigkeit wurde durch die Beamten zur Anzeige gebracht. Gegen 28 Fahrer
wird wegen des Verdachts der Behinderung von hilfeleistenden Personen ermittelt.
Tobias Schwarz, Pressesprecher
Rückfragen bitte an:
Polizeipräsidium Mittelhessen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Ferniestraße 8
35394 Gießen
Telefon: +49 641/7006-2055 (Pressetelefon)
E-Mail: pressestelle.ppmh@polizei.hessen.de
Außerhalb der Regelarbeitszeit
Polizeiführerin/Polizeiführer vom Dienst (PvD)
Telefon: +49 641/7006-3381
E-Mail: ful.ppmh@polizei.hessen.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/blaulicht/pm/154582/6239323
OTS: Polizeipräsidium Mittelhessen - Pressestelle
|