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Potsdam (ots) - Im Zeitraum 27. - 29.10.2026 führt das ZMSBw in Zusammenarbeit
mit der Bundesakademie für Sicherheitspolitik ( BAKS ) seine 65. Internationale
Tagung für Militärgeschichte (ITMG) in Berlin durch. Vor dem Hintergrund der
sich grundlegend gewandelten sicherheitspolitischen Lage in der Welt, steht die
diesjährige Tagung unter dem Titel: "Kriegsbilder und Kriegserwartungen.
Vergangenheit und imaginierte Zukünfte von "Future War(fare)".
Nach dem Ende des Kalten Krieges ist rasch deutlich geworden, dass die erhoffte
"Friedensdividende" ausgeblieben ist. Davon zeugen das Scheitern der Vereinten
Nationen in Somalia, der von der Weltgemeinschaft nicht verhinderte Völkermord
in Ruanda und die fast die gesamten 1990er Jahre umspannenden Kriege in
Ex-Jugoslawien. Trugen die gewalttätig ausgetragenen Auseinandersetzungen in den
1990er Jahren Merkmale von "Neuen Kriegen", so ist bereits mit den
Tschetschenienkriegen, dem Georgienkrieg, der russischen Annexion von Krim und
Donbass und dem Angriff auf die Ukraine sowie zuletzt mit dem
Armenisch-Aserbaidschanischen Krieg deutlich geworden, dass auch der
machtpolitisch begründete Staatenkrieg noch immer auf der weltpolitischen
Tagesordnung steht.
Vielfalt der Konfliktaustragung
Dieser wird jedoch nicht mehr nur konventionell geführt. Unter dem Schlagwort
"hybride Kriegführung" finden sich zahlreiche Varianten von teils militärischen,
teils nicht-kinetischen Angriffen, etwa die agitatorische und praktische Nutzung
von Politikfeldern wie Migration, die Verbreitung von demokratiegefährdenden
Narrativen ohne faktenbasierten Hintergrund, aber auch Sabotageangriffe auf
zivile Infrastrukturen und die Zivilbevölkerung bis hin zu staatlich
angeordneten Mordanschlägen auf missliebige Personen im Ausland. Schließlich
zeigt sich eine Renaissance des nuklearen Denkens, die einerseits in der
Tradition des Kalten Krieges steht, andererseits als Drohkulisse ihrerseits Teil
des Hybridkrieges ist.
Zukunftskrieg
Die prognostizierte Form eines möglichen Krieges der Zukunft, das Kriegsbild
also, istAusdruck gegenwärtiger Zukunftserwartungen. Zugleich basieren
Kriegsbilder auf vergangenen Erfahrungen. Sie tragen oftmals einen
militärisch-technischen Charakter, und sie beschreiben die angenommene konkrete
Realisierung eines zukünftigen Krieges ("Future Warfare"). Teilweise
deckungsgleich, teilweise abweichend zu diesen Vorstellungen über das Geschehen
in einem künftigen Krieg sind Erwartungen in Politik, Medien und Gesellschaft,
aber auch in den professionellen Fachgemeinschaften, welche Konflikte überhaupt
Gefahr laufen, kriegerisch ausgetragen zu werden. Ursache, Anlass und Gegenstand
potentieller Kriege stehen im Mittelpunkt von medial und wissenschaftlich
erörterten Kriegserwartungen. Bei derartigen Diskussionen um den "Future War"
geht es weniger um das Kampfgeschehen als vielmehr um Implikationen für lokale,
regionale oder internationale Konstellationen, Staaten und Individuen.
Die Rückkehr des zwischenstaatlichen Krieges nach Europa gibt Anlass,
Vorstellungen von Krieg, Kriegführung und Kriegserwartung auf den Prüfstand zu
stellen, zu historisieren und gegenwärtige Denkmuster darüber zu beleuchten. Mit
der ITMG 2026 wendet sich das Zentrum für Militärgeschichte und
Sozialwissenschaften der Bundeswehr daher in einem interdisziplinären Ansatz und
in vergleichender Perspektive den wissenschaftlichen Diskussionen über den Krieg
und der Kriegführung der Zukunft zu.
Forschungsperspektiven
Zeitlich soll die Spannweite der Betrachtung von der Mitte des 19. Jahrhunderts
bis in die Gegenwart reichen; räumlich einen Fokus auf Europa, Asien,
Nordamerika einschließlich von Schauplätzen im Hohen Norden, der Tiefsee oder
dem Weltraum einnehmen; disziplinär sind Beiträge von der Geschichtswissenschaft
über Politik- und Sozialwissenschaften bis zu Fragen der Technik und Ethik wie
einer Rezeptionsgeschichte aus der Film- und Literaturwissenschaft erbeten.
Tagungsprogramm
1nd Conference Day (27 October 2026)
12:30 PM - 1:30 PM: Arrival and registration
1:30 PM - 1:50 PM: Welcome addresses Wolf-Jürgen Stahl, President, Federal
Academy for Security Policy; Frank Hagemann, Commander ZMSBw
1:50 PM - 2:15 PM: Introduction, Ina Kraft, ZMSBw
2:15 PM - 3:30 PM: Panel 1: Imagining War; Chair: Silvia-Lucretia Nicola, ZMSBw
Taming the Natives, Saving the Nation: The narrative construction of future
climate wars in the French Army's Red Team project; Eric Sangar, Science Po
Lille
Wann und wo beginnt der Dritte Weltkrieg, und wird er nuklear geführt werden?
Antworten aus Wissenschaft und Literatur (When and Where Will World War III
Begin-and Will It Be Fought with Nuclear Weapons? Answers from Academia and
Literature); Armin Wagner, ZMSBw
3:30 PM - 4:15 PM: Coffee break
4:15 PM - 5:30 PM: Panel 2: Adaptation in the Military; Chair: Gerhard Kümmel,
ZMSBw
Von AirLandBattle zu MultiDomainOperations: Konzeptionen vom Krieg zwischen
Technologieabhängigkeit und "menschlichem Faktor" (From AirLand Battle to
Multi-Domain Operations: Concepts of Warfare Between Technological Dependence
and the "Human Factor"); Frank Hagemann, Commander ZMSBw
When the Chameleon Fades: Friction, Shock, and the Struggle for Military
Adaptation; Alexander Schäbler
5:30PM - 6:30 PM: Optional dinner for participants (self-pay, advanced sign-up
required)
6:30 PM - 7:00 PM: Admission for the evening
7:00 PM - 9:00 PM: Research on the Military in Times of Democratic Erosion:
Authors, Editors and Academic Freedom (Discussion Panel in German Language)
Expert Introduction & Moderation: Janika Spannagel, FU Berlin & SCRIPTS Projekt
" Science Friction: Patterns, Causes and Effects of Academic Freedom
Contestations "
Panelists:
Christoph Harig, Scandinavian Journal of Military Studies
Albrecht von Lucke, Blätter für deutsche und internationale Politik
Manfred Sapper, Zeitschrift Osteuropa
Followed by a reception (complimentary drinks)
2nd Conference Day (28 October 2026)
9:30 AM - 10:30 AM: Panel 3: Forming Strategy in the Military; Chair: Martin
Elbe, ZMSBw
Deja-HU. NATO's response to the Russian Invasion of Hungary (1956) & Ukraine
(2022)
Christopher L. Gunn, Coastal Carolina University
Zwischen Wunschdenken und strategischer Notwendigkeit: Der Kampf um die
Meinungs- und Deutungshoheit des Kriegsbildes im Bundesministerium der
Verteidigung zu Beginn der 1990er Jahre (Between Wishful Thinking and Strategic
Imperative: The Struggle for Dominance over the Narrative and Interpretation of
Warfare within the Federal Ministry of Defence in the early 1990s)
Martin Reese, ZMSBw
10:30 AM - 11:00 AM: Coffee break
11:00 AM - 12:30 PM: Panel 4: Concepts of War; Chair: Johann Schmid, ZMSBw
From Conquest to Containment: Evolving Concepts of War on the Afghan Frontier,
1850-1940; Arka Chowdhury, Sri Ramkrishna Sarada Vidya Mahapitha
Future War and Next War: Perceptions of Modern Warfare in Latvia, 1920s-1930s;
Karlis Dambitis, National Defence Academy of Latvia
War without Warfare. China's Gray-Zone Strategy and the Redefinition of
Conflict; Christopher K. Tong, University of Maryland
12:30 PM - 02:00 PM: Lunch break
2:00 PM - 3:30 PM: Panel 5: Laboratories of War (I): Germany and Great Britain
from World War I to the 1930s; Chair: Friederike Hartung, ZMSBw
Fullers "Plan 1919" - die Vision einer revolutionären Kriegführung (Fullers
"Plan 1919" - The vision of revolutionary warfare); Karsten Richter, Volksbund
Deutsche Kriegsgräberfürsorge
Vermeidung vs. Optimierung - Der Totale Krieg in den Vorstellungen vom "Krieg
der Zukunft" in der Reichsheerführung (1920-1926) (Avoidance vs.
Optimization-Total War in Conceptions of the "War of the Future" within the
Reichsheer Leadership (1920-1926); Christian Stachelbeck, ZMSBw
Krieg: Eine gesamtgesellschaftliche Angelegenheit - Über die Demilitarisierung
des Kriegs der Zukunft und seine zivile Aneignung in den 1920er und 1930 Jahren
(War: A Whole-of-Society Affair-On the Demilitarization of the "War of the
Future" and Its Civilian Appropriation in the 1920s and 1930s); Frank
Reichherzer, ZMSBw
3:30 PM - 6:00 PM: Guided tours of the Schönhausen Palace (advanced sign-up
required) and an opportunity for dinner, optional dinner (self-pay, advanced
sign-up required)
6:00 PM - 7:00 PM: Admission for the Evening Event
7:00 PM - 9:00 PM: The Use and (f)Utility of Imagining Future War
Keynote Address and discussion (in English language)
Tim Sweijs, Hague Centre for Strategic Studies
Moderation: Alaric Searle, ZMSBw
Followed by a reception (complimentary drinks)
3rd Conference Day (29 October 2026)
9:30 AM - 11:00 AM: Panel 6: Laboratories of War (II): The American Military
Century; Chair: Heiner Bröckermann, ZMSBw
Preparing For What War? The U.S. Army in a Time of Transition, 1919-1939;
Alexander Reineke, Ruhr-University Bochum
"A Marvelous Excuse": General William DePuy, Interwar Escapism, and Concepts of
War in the U.S. Army, 1973-1976; Eric Michael Burke, Stahnsdorf (formerly U.S.
Army)
Continuity in a changing security environment. US armed forces planning,
2001-2014; Philipp Münch, ZMSBw
11:00 AM - 11:15 AM: Coffee break
11:15 AM - 12:15 PM: Panel 7: Legacies of War; Chair: Jörg Echternkamp, ZMSBw
The Suez Crisis: Colonial Conflict, the Cold War, and the Call to Criminalize
Aggressive Warfare; Theresa Whitely, University of Florida
Das Schlachtfeld der Erinnerung: Das kulturelle Gedächtnis als Filter von
Kriegsbildern und Konstrukteur militärischer Identität (The Battlefield of
Memory: Cultural Memory as a Filter of War Imagery and a Constructor of Military
Identity); Michael Rohschürmann, Institut für Sicherheitspolitik an der
Universität Kiel
12:15 PM - 12:30 PM: Closing remarks and farewell; Armin Wagner, ZMSBw
12:30 PM: End of conference
Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie auf unserer Webseite (https:/
/zms.bundeswehr.de/de/aktuelles/veranstaltungen/itmg-kriegsbilder-kriegserwartun
gen-future-warfare-6095930) .
Pressekontakt:
Oberstleutnant Michael Gutzeit
Leiter der Informationsarbeit
Telefon: 0331 9714 400
mailto:ZMSBwPressestelle@bundeswehr.org
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/171701/6364755
OTS: Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bu
ndeswehr
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