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Fulda (ots) - "Minderjährige im Digitalen Raum. Radikalisierungsbeschleuniger
Social Media": Unter dieser Überschrift trafen sich am Donnerstag (27.08.) rund
120 Fachkräfte aus Schulen und Behörden sowie unterschiedlichen Bereichen der
Sozialen Arbeit im Bonifatiushaus in Fulda. Organisiert wurde die Fachtagung von
den osthessischen Fachstellen für Demokratieförderung und phänomenübergreifende
Extremismusprävention (DEXT) der Stadt Fulda, dem Landkreis Fulda, dem Landkreis
Hersfeld-Rotenburg und dem Vogelsbergkreis in Kooperation mit dem Beauftragten
für die Prävention der politisch motivierten Kriminalität (PMK) des
Polizeipräsidiums Osthessen. Es handelt sich dabei bereits um die dritte
Fachtagung der Reihe in den letzten vier Jahren. Beim diesjährigen Fachtag hat
auch die Hessische Landeszentrale für politische Bildung (HLZ) im Vorfeld
organisatorisch unterstützt. Der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Fulda,
Frederik Schmitt (CDU), bedankte sich bei den Verantwortlichen für die
Organisation des Fachtags und hob die Notwendigkeit einer behörden- und
landkreisübergreifenden Vernetzung hervor: "Es ist unerlässlich, dass sich
staatliche und nichtstaatliche Fachkräfte für diese herausfordernden Themen fit
machen und sich miteinander über mögliche Radikalisierungsverläufe frühzeitig
austauschen".
Schmitt machte zunächst auf die Korrelation zwischen einer ausufernden
Handynutzung und damit einhergehenden negativen Folgen für Kinder und
Jugendliche im Bereich Sprache bzw. psychischen Erkrankungen aufmerksam: "Sie
gehen heute aber noch einen Schritt weiter und beleuchten wie Soziale Medien und
digitale Räume als Beschleuniger für Polarisierung und Radikalisierung wirken
können. Die Initiative der Organisatoren des Fachtags, die heute mit
unterschiedlichen Impulsen über demokratiefeindliche, extremistische und
strafbare Inhalte im Internet sensibilisieren wollen, begrüße ich ausdrücklich.
Um den Feinden der freiheitlich demokratischen Grundordnung effektiv begegnen zu
können, müssen alle staatlichen Ebenen um Gefahren wissen und vernetzt
arbeiten", so Schmitt.
Vorträge und Workshops
Im Rahmen von Vorträgen sowie Workshops wurden die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer über Gefahren und Radikalisierungsprozesse für Kinder und Jugendliche
in der Onlinewelt informiert. Frau Dr. Zillich von der
Ludwig-Maximilians-Universität München gab mit ihrem Eröffnungsvortrag unter dem
Titel "Normverletzendes Verhalten auf Social Media" einen Überblick in das
komplexe und vielschichtige Thema.
Mit Verweis auf die aktuelle Jim-Studie wurde zunächst die umfangreiche
Social-Media-Nutzung von Jugendlichen thematisiert. Demnach liegt die
durchschnittliche Smartphone-Nutzung der 12-19-Jährigen bei 231 Minuten täglich.
Neben positiven Gelegenheitsstrukturen (Internet ist Teil der Lebenswirklichkeit
junger Menschen) wurden im Vortrag die wesentlichen Problemfelder
(Hassbotschaften, extremistische Inhalte, PMK, Verschwörungsnarrative,
Desinformation) im Zusammenhang mit der Social-Media-Nutzung skizziert.
Insgesamt zeigt sich eine deutliche Zunahme normverletzenden Verhaltens und am
Beispiel von Tik Tok, X und Telegram verdeutlichte Frau Dr. Zillich wie durch
Algorithmen und Social-Media-Potenziale (sog. "Affordanzen") neue Zielgruppen
durch Extremisten erreicht werden.
Diskutiert wurde im Anschluss mit dem Auditorium über die politischen
Rahmenbedingen, die Rolle der Plattformbetreiber sowie erforderliche Ableitungen
für die Prävention.
Auch im weiteren Verlauf der Fachtagung griffen die Referentinnen und Referenten
die wesentlichen Berührungspunkte und Herausforderungen im Kontext von
Social-Media heraus:
§ Digitalisierung des Extremismus ("Tik-Tokisierung" des Extremismus) § Digitale
Hassbotschaften und Verschwörungstheorien § Desinformation § Transnationale
(terroristische) Online-Communitys Bei allen Phänomenen lassen sich
Wechselwirkungen zwischen On- und Offline feststellen: Viele Straftaten und
Radikalisierungsverläufe haben gegenwärtig digitale Bezüge. So stehen
beispielsweise Propagandadelikte, auch im schulischen Kontext, oft im
Zusammenhang mit verschiedenen Online-Trends bzw. "Challenges". Weiterhin können
Radikalisierungsverläufe im Netz im schlimmsten Fall zu schweren Straftaten im
analogen Raum führen.
Die zahlreichen Workshops ermöglichten auch den Austausch hinsichtlich bewährter
Praktiken bzw. Handlungsstrategien und boten Gelegenheit für individuelle
Fragen.
Der Tagungskommentar von Matthias Feuerstein, Programmbereichsleiter für
gesellschaftspolitische Bildung bei der Akademie Burg Fürsteneck, rundete den
Fachtag in Fulda ab.
Im Rahmen des Landesprogramms "Hessen - aktiv für Demokratie und gegen
Extremismus" wurde die Veranstaltung vom Hessischen Ministerium des Innern, für
Sicherheit und Heimatschutz (HMdI) gefördert.
Am Fachtag inhaltlich beteiligt waren das Polizeipräsidium Osthessen, das
Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Hessen, das Kompetenzzentrum gegen
Extremismus in Baden-Württemberg (LKA BW), jugendschutz.net, die
Ludwig-Maximilians-Universität München, die Medienanstalt Hessen, die Berghof
Foundation sowie die Akademie Burg Fürsteneck.
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