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Hannover (ots) - Hannover, 12.06.2026 - Die Deutsche Polizeigewerkschaft
Niedersachsen fordert, alle operativ eingesetzten Polizeikräfte mit einem
persönlichen Individual First Aid Kit, kurz IFAK, auszustatten. Dieses soll
mindestens ein Tourniquet zur schnellen Blutstillung, eine Israeli-Bandage
beziehungsweise einen modernen Notfalldruckverband sowie ein Beatmungstuch
enthalten.
Die geopolitische Bedrohungslage und die polizeiliche Einsatzrealität haben sich
deutlich verändert. Terroristische Gefahrenlagen, Amoktaten, Messerangriffe,
mögliche Anschläge und Sabotageakte sowie das weiterhin hohe Niveau der Gewalt
gegen Einsatzkräfte zeigen: Polizeikräfte müssen in die Lage versetzt werden,
sich selbst, Kolleginnen und Kollegen sowie andere Verletzte in den ersten
entscheidenden Minuten wirksam zu versorgen.
"Wir reden hier nicht über Komfortausstattung, sondern über
Überlebensausstattung", erklärt der Landesvorsitzende der DPolG Niedersachsen,
Patrick Seegers. "Unsere Kolleginnen und Kollegen gehen täglich in dynamische
und kaum vorhersehbare Lagen. Wenn der Staat seine Beschäftigten diesen Gefahren
aussetzt, hat er die Pflicht, ihnen die bestmögliche Ausstattung für Eigenschutz
und Erstversorgung mitzugeben."
Die moderne Traumaversorgung setzt längst andere Standards als klassische
Erste-Hilfe-Konzepte. Bei lebensbedrohlichen Blutungen können wenige Minuten
über Leben und Tod entscheiden. Insbesondere bei Messer-, Schuss- und
Explosionsverletzungen oder schweren Unfalllagen muss kritischer Blutverlust
unmittelbar kontrolliert werden können - gerade dann, wenn der Rettungsdienst
eine dynamische oder noch nicht vollständig gesicherte Einsatzstelle noch nicht
erreichen kann.
Der stellvertretende Landesvorsitzende der DPolG Niedersachsen und
Rettungsassistent Christian-Tobias Gerlach betont: "Kritische Blutungen haben in
der präklinischen Versorgung höchste Priorität. Ein Tourniquet ist kein
militärisches Accessoire, sondern ein anerkanntes medizinisches Hilfsmittel zur
schnellen Blutungskontrolle. Wer schwer verletzt ist, braucht in den ersten
Minuten keine Symbolpolitik, sondern Material, Ausbildung und
Handlungssicherheit."
Positiv bewertet die DPolG Niedersachsen, dass die Polizei Niedersachsen in den
Polizeibehörden bereits Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter einstellt,
die taktische Medizin unterrichten. Das stärkt die Fachkompetenz und entlastet
zugleich die nebenamtlich tätigen Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter
in den regulären Einsatzhundertschaften, Aufrufhundertschaften und
Spezialeinheiten.
Diese vorhandene Kompetenz muss nun konsequent genutzt werden, um landesweit
einheitliche Standards für Ausbildung und Ausstattung zu schaffen. Eine
Vorhaltung des Materials allein im Streifenwagen oder auf der Dienststelle
reicht nicht aus. Das IFAK muss als persönliche Einsatzausstattung körpernah,
schnell erreichbar und möglichst einheitlich an Koppel oder Schutzweste getragen
werden.
Dass diese Ausstattung Leben retten kann, zeigen Beispiele aus Deutschland
bereits deutlich. In Nordrhein-Westfalen konnten Polizeibeamte in Paderborn
mithilfe von Tourniquets zwei Menschenleben retten.
"Die Bedrohungslage hat sich verändert, die medizinischen Standards haben sich
verändert - jetzt muss die Ausstattung folgen", so Seegers abschließend. "Das
Land Niedersachsen muss kurzfristig ein einheitliches Konzept umsetzen. Dazu
gehören persönliche IFAK sowie verbindliche und regelmäßig wiederkehrende
Trainings zur taktischen Verwundetenversorgung."
Rückfragen bitte an:
DPolG Niedersachsen
Patrick Seegers
Telefon: 0162-2093935
E-Mail: kontakt@dpolg.org
https://www.dpolg.org/
Weiteres Material: http://presseportal.de/blaulicht/pm/162835/6293156
OTS: DPolG Niedersachsen
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