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Jena (ots) - Wir alle kennen die Bilder von stürzenden Profi-Fußballern auf dem
Spielfeld und halten in diesen Minuten den Atem an, angesichts der Verletzungen,
die sich Athleten immer wieder zuziehen. Doch es gibt auch Hochleistung jenseits
des Sports. Profis auf der Bühne, die täglich stundenlang hart trainieren oder
Auftritte haben. Auch sie ziehen sich Verletzungen, häufig durch enorme
Überlastungen zu. Um diese zu erkennen, wurde die Diagnostik immer weiter
verfeinert. Was es mit der sensorbasierten Bewegungsanalyse auf sich hat und wer
davon profitiert - darüber referiert Prof. Dr. Dirk Möller, Schwerpunkt
angewandte Bewegungsanalyse und Clinical Reasoning, Hochschule Osnabrück, auf
dem 41. Jahreskongress der GOTS vom 11. bis 13. Juni in Osnabrück.
Darstellende Berufs-Künstler, wie Musiker, Instrumentalisten, Sänger,
Berufssprecher oder Tänzer trainieren oft vier bis sieben Stunden am Tag in
unphysiologischen Körper-Haltungen. Dazu haben sie dann noch Vorstellungen.
Viele beginnen im frühesten Kindesalter, mit 18/19 haben diese Künstler bereits
Zehntausende Übungsstunden hinter sich und müssen oft bis 60/70 durchhalten, da
ihr Verdienst bei Weitem nicht so hoch ist, wie im Leistungssport.
Geht man zu einem Konzert, sieht man lächelnde Musiker in schicken Anzügen im
Orchester, die perfekt Musik spielen. Doch es steckt nicht nur viel Arbeit
dahinter, sondern auch ein ständiger Kampf mit Muskeln, Sehnen, Bändern, mit
Wirbelsäule und Gelenken. Dazu kommt der berufliche Druck, Leistung und den
perfekten Klang bringen zu müssen.
"Diese Künstler sind extrem hohen Belastungen ausgesetzt, an Verletzungen denkt
in diesem Bereich jedoch niemand", sagt Prof. Möller. Und weiter: "Am
Orchestergraben sieht man keinen Mediziner oder Physiotherapeuten, wie am
Spielfeldrand. In der Künstler-Branche ist es immer noch nicht ´normal´,
verletzt zu sein. Ein Solist darf schon gar nicht ausfallen, aber auch alle
anderen bangen um die Karriere, die Aufträge, den Job. Länger krank sein,
bedeutet bei hoher Konkurrenz schneller raus zu sein."
Exaktes Messen der Belastungen in der "Musiker-Sprechstunde"
Einseitige lange Belastungen, viel Stress und wenig Schlaf führen zu
spielbedingten Schmerzen. Prof. Möller: "Violinisten beispielsweise haben starke
Probleme mit Nacken, Schulter, Unterarmen, Schlagzeuger eher Probleme in den
Händen und der Lendenwirbelsäule. Pianisten haben häufig schmerzende
Handgelenke, Nacken und Schultern. Tänzer plagen sich wiederum mit Schmerzen in
den Sprunggelenken, Hüften, Knien, der LWS."
Das Forscherteam aus Osnabrück und Hannover erforscht im DFG-geförderten Projekt
"PA.H|LIFETIME.ai - Gesundheit darstellender Künstler - Entwicklung und Analyse
von Risikoprofilen und prädiktiven Modellen durch künstliche Intelligenz" u.a.
die Überlastungen von Künstlern nun systematisch. Verletzungen und die Ursachen
für das Auftreten von Schmerzen sollen besser verstanden werden. Dafür sind
bestimmte Untersuchungsreihen, Step bei Step aufgebaut worden.
"Die sensorbasierte Funktionsdiagnostik bietet hier die Möglichkeit, das
Therapiemanagement gezielt zu unterstützen und Dysfunktionen zu identifizieren.
Kinetische, kinematische und elektromyographische Assessmentverfahren liefern
zusätzliche Informationen zur zielgerichteten Entscheidungshilfe", so Möller.
Physiotherapeutische, ärztliche und sportwissenschaftliche Bewegungsanalysen
können dabei helfen, klare und potentielle Risiko-Faktoren zu analysieren.
Darauf basierend und mit Hilfe der KI werden diesbezüglich Vorhersagemodelle
abgeleitet.
Neben der schon lange bestehenden "Musiker-Sprechstunde" im INAPO an der
Hochschule Osnabrück gibt es diese nun auch in Hannover am Institut für
Musikphysiologie und Musiker-Medizin der Hochschule für Musik, Theater und
Medien. Die Künstler kommen aus ganz Deutschland hier ins Labor und unterziehen
sich umfassenden physiotherapeutischen Untersuchungen und biomechanischen
Messungen. Alle biomechanischen Messreihen sind sensor-basiert und sehr exakt.
Aus der sensorbasierten Bewegungsanalyse sollen nicht nur Therapie-Empfehlungen
entwickelt werden, sondern auch Leitlinien, Präventions- und
Trainingsanleitungen. Parallel dazu wurde in Osnabrück die weltweit erste
Professur für "Performing Arts Physiotherapy" etabliert. Demnächst wird es den
ersten Master-Studiengang "Performing Arts Physiotherapy" dazu geben.
Mehr spannende Themen vom 41. GOTS-Kongress
(https://gots-kongress.org/programm/)
Pressekontakt:
GOTS Pressestelle
mailto:presse@gots.org
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/126014/6284599
OTS: Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin
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