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Berlin (ots) - Die Debatte um das Gebäudemodernisierungsgesetz hat zuletzt
deutlich an Schärfe gewonnen. Auslöser sind Pläne der Bundesregierung, zentrale
Vorgaben des bisherigen Heizungsgesetzes zu lockern - darunter die Abkehr von
der 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien sowie die Einführung einer
technologieoffenen "Bio-Treppe". Während Befürworter mehr Flexibilität fordern,
warnen Kritiker vor Rückschritten beim Klimaschutz und wachsender Unsicherheit
für Eigentümer und Investoren.
Im Rahmen des Fachforums der Bundesingenieurkammer während der digitalen
Berliner Energietage am 16. April 2026 wurde diskutiert, wie ein klimaneutraler
Gebäudebestand bis 2045 erreicht werden kann. Die Expertinnen und Experten waren
sich einig, dass verlässliche politische Rahmenbedingungen entscheidend sind, um
Investitionsbereitschaft zu gewährleisten. So appellierten sie an die Politik,
die gesetzlichen Rahmenbedingungen im Dialog mit Expertinnen und Experten zu
erarbeiten und nicht an ihnen vorbei - wie beispielsweise bei dem geplanten
Gebäudemodernisierungsgesetz. Andreas Beulich, Bundesverband Freier Immobilien-
und Wohnungsunternehmen, unterstrich zudem, dass die Sanierungsquote als
zentrale Zielgröße herangezogen werden müsste und hierauf das Augenmerk von
Ordnungspolitik und Förderprogrammen zu legen ist.
Alexandra Halkenhäuser von der MVV Energie AG machte deutlich: "Das Heizen mit
fossilen Brennstoffen wird zunehmend teurer. Erdgas hat keine Zukunft im
Heizungskeller. MVV hat deshalb den Transformationsprozess hin zu einer
klimafreundlichen Wärmeversorgung frühzeitig gestartet. Dafür verdichten wir das
Wärmenetz und bauen es weiter aus, vergrünen die Fernwärme und verstärken das
Stromnetz."
Darüber hinaus wurde die soziale Dimension hervorgehoben: "Verbraucherschutz
heißt, die Wärmewende so zu gestalten, dass Wohnen für alle bezahlbar bleibt.
Dafür braucht es neben dem Umstieg auf fossilfreie Heizungen konsequente
Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs. Akzeptanz entsteht nur mit einer
sozial ausgewogenen Förderung und starkem Mieterschutz, damit Haushalte nicht
überfordert werden", so Florian Munder von der Verbraucherzentrale
(Bundesverband).
Auf die notwendige Beratung von Politik und Verbrauchern angesprochen, betonte
Christine Mörgen, Präsidentin der Ingenieurkammer des Saarlandes:
"Ingenieurinnen und Ingenieuren kommt eine Schlüsselrolle zu. Sie sind es, die
die komplexen Wechselwirkungen zwischen Gebäudehülle, Anlagentechnik,
Energieversorgung und Nutzung verstehen und in tragfähige Konzepte übersetzen.
Gute Planung bedeutet heute mehr denn je, nicht nur technische Lösungen zu
entwickeln, sondern Zielkonflikte zu erkennen, abzuwägen und ausgewogen zu
lösen."
Michael Kießling, MdB und baupolitischer Sprecher der CSU, unterstrich in seinem
Impulsvortrag, dass es keine einheitliche Lösung gebe. Vielmehr seien
differenzierte, objektspezifische Ansätze erforderlich - insbesondere im
Gebäudebestand, wo technische, wirtschaftliche und soziale Aspekte in Einklang
gebracht werden müssten. Auch regionale Unterschiede spielten eine wichtige
Rolle, etwa bei der Wahl zwischen zentralen und dezentralen
Versorgungskonzepten.
Die Veranstaltung hat gezeigt, dass die Transformation des Gebäudesektors
komplex, jedoch gestaltbar ist. Allerdings können gute Ergebnisse nur durch
interdisziplinäre Zusammenarbeit, fundierte Planung sowie die konsequente
Berücksichtigung technischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Aspekte
erzielt werden.
Den Video-Mitschnitt der Veranstaltung finden Sie unter dem nachfolgenden Link:
https://www.youtube.com/watch?v=zVLxoCS1Nxw
Pressekontakt:
Eva Hämmerle
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