|
Kassel (ots) - Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. engagiert sich
mit französischen und britischen Partnerorganisationen für das Gedenken an die
Toten des Ersten Weltkrieges, die in Frankreich starben. Mit dabei: 24
Jugendliche aus Frankreich, Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland.
Jeweils acht aus jedem Land nehmen an dieser gemeinsamen trinationalen
Jugendbegegnung teil.
Vor 110 Jahren wütete in Europa der Erste Weltkrieg. Die 'Urkatastrophe des 20.
Jahrhunderts' forderte eine noch nie gekannte Zahl an Toten, verwüstete Städte
und Landschaften. Allein die Schlachten an der Somme, in denen Truppen aus dem
Commonwealth und Frankreich von Juli bis November 1916 gegen die deutschen
Stellungen kämpften, kosteten über eine Million Soldaten das Leben. Spuren des
Krieges sind noch heute dort sichtbar.
Verwundete Landschaft: Krater von Lochnagar
Am 1. Juli, dem Tag des Beginns der Schlachten vor 110 Jahren, treffen sich
Delegationen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Commonwealth War
Graves Commission (CWGC) und des französischen Office national des combattants
et des victimes de guerre (ONaC VG) zum gemeinsamen Gedenken.
Es beginnt an einem historischen Ort: dem Krater von Lochnagar. Mit einem
Durchmesser von 91 Metern und einer Tiefe von 21 Metern symbolisiert er die
neuentwickelte technische Zerstörungskraft im Ersten Weltkrieg. Britische
Pioniere hatten monatelang deutsche Stellungen untertunnelt und dort massenhaft
Sprengstoff platziert. Die Sprengung am 1. Juli 1916 um 7.28 Uhr gilt als eine
der größten Sprengungen in der Geschichte der Kriege. Das Gedenken daran findet
jedes Jahr um 7.28 Uhr an diesem Ort statt. Als Symbol der Versöhnung wird eine
Menschenkette um den Krater gebildet.
Begegnung der Urenkel auf den Schlachtfeldern
Gedenken darf nicht verloren gehen, sondern muss in die Zukunft getragen werden.
Die drei Organisationen haben 24 Jugendliche aus Frankreich, Großbritannien und
Deutschland zu einer trinationalen Jugendbegegnung nach Péronne an die Somme
eingeladen. Eine Woche lang setzen sie sich die Jugendlichen mit der
gewaltvollen Geschichte ihrer Heimatländer im Ersten Weltkrieg auseinander,
besuchen Museen, Kriegsgräberstätten und Gedenkorte der drei Nationen.
Gedenken an die Vermissten des Commonwealth in Thiepval
Gemeinsam mit Volksbund-Generalsekretär Dirk Backen nehmen sie am 1. Juli an der
Gedenkveranstaltung am "Memorial to the missing" in Thiepval teil, die die Royal
British Legion ausrichtet. Das Monument erinnert an die 72.337 vermissten
südafrikanischen und britischen Soldaten und ist das größte
Commonwealth-Kriegerdenkmal der Welt.
M Ort zentralen französischen Gedenkort der Schlachten an der Somme bildet die
Chapelle du Souvenir Française in Rancourt. Dort wird am 1. Juli um 10.30 Uhr
der französischen Gefallenen gedacht. Die Jugendlichen legen bei der
Gedenkveranstaltung Blumen nieder.
Die Volksbund-Delegation nimmt um 17.30 Uhr an der Gedenkveranstaltung auf der
deutschen Kriegsgräberstätte in Fricourt teil.
Internationales Gedenken in Maissemy
Nach einer stillen Kranzniederlegung im Ort lädt der Volksbund am 2. Juli um
11.00 Uhr zur internationale Gedenkveranstaltung auf die deutsche
Kriegsgräberstätte Maissemy ein. Dort sprechen der Bürgermeister von Maissemy,
Hubert Delalieu, die Generaldirektorin der ONaC VG, Marie-Christine
Verdier-Jouclas, der stellvertretende Vorsitzende der CWGC, Peter Hudson und der
Volksbund-Generalsekretär Dirk Backen, ebenso die Präfektin des Départements
Aisne, Fanny Anor. Die Jugendlichen gestalten einen eigenen Beitrag.
Wie gehen Jugendliche mit diesen historischen Themen um?
Sie tauschen sich in Workshops und Arbeitsgruppen aus und suchen Antworten:
Warum konnten sich zivile Gesellschaften für den Krieg begeistern und
mobilisieren lassen? Was bedeutet der Soldatentod für die Familien? Wie erinnern
die Nationen an ihre Toten? Warum unterscheiden sich die Gedenkkulturen des
Commonwealth, Frankreichs und der Bundesrepublik so stark?
Mohn, Kornblumen, Vergissmeinnicht: Blumen der Erinnerung
Die Geschichte prägt die Gegenwart bis heute. Die Lehren, die die Jugendlichen
daraus ziehen, sollen helfen, eine friedlichere Zukunft zu gestalten. Neben
vielen Erfahrungen nehmen sie blühende Symbole der Erinnerung mit: Blumensamen.
Kornblumen stehen für die Erinnerung in Frankreich, roter Mohn erinnern in den
Commonwealth-Staaten an die Opfer der Kriege und Vergissmeinnicht an die
deutschen Kriegsgefallenen.
Operation Levi: Zeichen der Fürsorge, Kampf gegen Antisemitismus
Der Volksbund setzt in diesen Tagen die Operation Levi auf deutschen
Kriegsgräberstätten in Frankreich fort. Hintergrund: Viele deutsche jüdische
Soldaten sind unter einem christlichen Kreuz bestattet, teilweise aus
unterschiedlichen Gründen. Die Operation Levi korrigiert das und tauscht das
Grabkreuz gegen Stelen mit einem Davidstern aus. Bei Kameradengräbern werden die
Namen der jüdischen Soldaten mit einer kleinen Rosette mit Davidstern
geschmückt. Die Gräber von 21 jüdischen Soldaten sind dann korrekt
gekennzeichnet. Mit der Operation Levi setzt der Volksbund ein deutliches
Zeichen gegen alten und neuen Antisemitismus und zeigt, dass die Fürsorge für
Militärangehörige nicht mit dem Tod endet.
Pressekontakt:
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.
Pressesprecherin Diane Tempel-Bornett
+49561-7009-139
mailto:presse@volksbund.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/18238/6305102
OTS: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.
|