|
Berlin/Heringsdorf (ots) - Kanadischer Ölkonzern CEP plant gigantisches
Ölprojekt nur sechs Kilometer vor Usedom mit Förderung bis in die 2060er-Jahre
Fossiles Megaprojekt gefährdet Natura2000-Gebiet; bei einem Unfall könnten bis
zu 3.300 Tonnen Öl pro Tag austreten
Aktionsbündnis fordert gemeinsam mit der Gemeinde Heringsdorf den sofortigen
Stopp des Vorhabens
Das Aktionsbündnis aus Deutscher Umwelthilfe (DUH), WWF Deutschland, BUND
Mecklenburg-Vorpommern und der Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern fordert
gemeinsam mit der polnischen Organisation EKO-UNIA und der Gemeinde Heringsdorf
den Stopp des geplanten Ölprojekts Wolin East des kanadischen Ölkonzerns Central
European Petroleum (CEP) vor den Inseln Usedom und Wollin. Angrenzende
Gasvorkommen will CEP ebenfalls in Zukunft erschließen. Nach Ansicht der
Umweltschutzorganisationen gefährdet das fossile Großprojekt das sensible
Ökosystem der benachbarten europäisch geschützten Natura2000-Gebiete sowie den
dort heimischen, vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswal. Die Förderung
birgt zudem das Risiko eines Unfalls, bei dem pro Tag bis zu 3.300 Tonnen Öl
austreten könnten. Zudem verstößt die geplante Förderdauer bis in die
2060er-Jahre klar gegen die deutschen und europäischen Klimaziele.
Mit ihren eingereichten Stellungnahmen zum Untersuchungsrahmen zur
grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung warnen die Organisationen
vor gravierenden Umwelt- und Klimafolgen des Vorhabens und fordern von der
Bundesregierung, der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns und den polnischen
Behörden, das fossile Megaprojekt zu stoppen.
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: "Es ist aus Sicht von
Natur- und Klimaschutz nicht hinnehmbar, wie der kanadische Ölkonzern CEP die
Bucht vor Usedom für Jahrzehnte zu einem fossilen Industriepark machen will.
Obwohl die Folgen für Menschen und Umwelt bei einem möglichen Ölaustritt
verheerend wären, spielt der fossile Konzern die Folgen für den Meeres- und
Klimaschutz herunter. Mit einer geplanten Förderung bis in die 2060er-Jahre
würden polnische, deutsche und europäische Klimaziele ignoriert. Wir fordern die
Bundesregierung und die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern auf, sich mit
aller Konsequenz für den Stopp dieses fossilen Megaprojekts einzusetzen."
Laura Marisken, Bürgermeisterin Gemeinde Heringsdorf: "Usedom steht für
einzigartige Natur, kilometerlange weiße Sandstrände und hervorragende
Wasserqualität - nicht für Schwerindustrie vor unserer Haustür. Die geplante Öl-
und Gasförderung erfüllt uns mit großer Sorge, insbesondere weil die möglichen
Umweltauswirkungen aus unserer Sicht bislang nicht hinreichend untersucht sind.
Gerade im Fall einer Havarie sprechen wir auch über irreversible Schäden an
unserem sensiblen Ökosystem und Folgen für die gesamte Region."
Rainer Sauerwein, Vorsitzender Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern: "Die
Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern hat sich zum Ziel gesetzt, die Zerstörung
des Naturraums der Vorpommerschen Bucht der Ostsee durch eine fortschreitende
Industrialisierung aufzuhalten. Wir erleben gerade vor den Inseln Usedom und
Wollin eine massive Zerstörung der Natur, da neben einem gigantischen
Containerhafen auch noch eine 10 Hektar große Bohrinsel zur Ölförderung in den
so sensiblen und geschützten Küstengewässern errichtet werden soll. Das
gefährdet die Lebensqualität der Insulaner und ihre wirtschaftliche Grundlage,
den naturnahen Tourismus. Zum Schutz der Natur und der Bewohner der Inseln
Usedom und Wollin werden wir uns mit allen Mitteln dagegen wehren."
Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin des BUND Mecklenburg-Vorpommern:
"Direkt an und teilweise in sensiblen Naturschutzgebieten der Pommerschen Bucht
sollen pro Tag 4.100 Tonnen Rohöl und beigemischtes Gas gefördert und bearbeitet
werden. Die ausgelieferten Unterlagen spielen Gefahren eines Ölunfalles
herunter. Das Unternehmen CEP rechnet aber bereits jetzt mit Bestandsverlusten
von Meeressäugetieren. Es wären auch tausende Meeresvögel betroffen, die auf der
Oderbank rasten. CEP setzt darauf, dass bei Ölunfällen Rettungsdienste und
Behörden einspringen. Das kann nicht ausreichen. Wir fordern die Vorlage eines
umweltbezogenen, internationalen Havariekonzeptes."
Radoslaw Gawlik, Präsident von The Ecological Association EKO-UNIA: "Die
Nachricht über eine mögliche Öl- und Gasförderung vor Swinoujscie hat uns
überrascht. Die Ostsee ist ein flaches und empfindliches Meer. Bislang hat in
der Pommerschen Bucht kein Land diese Rohstoffe gefördert - unter anderem wegen
der Risiken für die Meeresumwelt und der möglichen Folgen für den Tourismus im
Falle eines Unfalls. Berichten zufolge handelt es sich um eine kleine
Lagerstätte, die nur wenige Prozent der polnischen Energiebilanz ausmacht. Zudem
befinden wir uns, wie die übrige EU, im Übergang von fossilen Energieträgern zu
erneuerbaren Energien. Polen plant und baut Offshore-Windkapazitäten mit einer
Leistung von 12 bis 16 Gigawatt. Es lohnt sich angesichts der enormen Menge
sauberen Stroms, die wir aus der Ostsee gewinnen können, nicht, in Gas und Öl zu
investieren, sondern vielmehr in die Elektrifizierung des Energiesystems."
Hintergrund:
Das von CEP geplante Projekt hat mit 18 Hektar gigantische Ausmaße und würde
gravierende Umweltauswirkungen mit sich bringen. Ein Teil des 65 Meter hohen
Bohrturms wird in die europäisch geschützten Natura2000-Gebiete Zatoka Pomorska
und Ostoja na Zatoce Pomorskiej geplant. In der Pommerschen Bucht sind zudem
Schweinswale der vom Aussterben bedrohten südlichen Ostseepopulation heimisch,
deren Bestand auf nur noch rund 500 Tiere geschätzt wird. Bereits bei der
Erkundungsbohrung gingen laut CEPs eigenen Unterlagen die Schweinswalnachweise
deutlich zurück. Bau-, Bohr- und Schiffslärm können ihre Nahrungssuche stören
und sie aus wichtigen Lebensräumen verdrängen.
Die Regionaldirektorin für Umweltschutz in Szczecin (Stettin) hat am 3. Juni
2026 ein grenzüberschreitendes Umweltprüfungsverfahren eingeleitet, an dem sich
das Aktionsbündnis und die Gemeinde Heringsdorf mit Stellungnahmen beteiligt
haben. Erst in der vergangenen Woche hatte der Konzern eine neue Bohrplattform
zu weiteren Erkundungsbohrungen in die Pommersche Bucht gesetzt, ohne deutsche
Behörden und die betroffenen Gemeinden darüber zu informieren.
Pressekontakt:
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer DUH
0160 90354509, mailto:mueller-kraenner@duh.de
Gemeinde Ostseebad Heringsdorf
038378 25012, mailto:sekretariat@ahlbeck.de
Rainer Sauerwein, Vorsitzender Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern
0152 53670823, mailto:rainer.sauerwein@online.de
Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin des BUND Mecklenburg-Vorpommern
0178 5654700, mailto:corinna.cwielag@bund-mv.de
Radoslaw Gawlik, Präsident von The Ecological Association EKO-UNIA
+48 71 344 22 64, mailto:rgawlik@eko.org.pl
DUH-Newsroom:
030 2400867-20, mailto:presse@duh.de
http://www.duh.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/22521/6368884
OTS: Deutsche Umwelthilfe e.V.
|