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Berlin (ots) -
- Beschäftigung wird bundesweit stagnieren - bei regional starken Unterschieden
von plus 10 bis minus 15 Prozent
- Industrie verliert Jobs, Dienstleistungen gewinnen dazu
- BVR-Präsidentin Kolak: aktive und regionale Strukturpolitik notwendig, um
strukturschwächere Regionen gezielt mit Investitionen attraktiver zu gestalten
Im Schnitt wird die Beschäftigung in Deutschland bis 2035 zwar stagnieren -
zwischen Regionen und Branchen aber stehen massive Verschiebungen bevor. Der
Dienstleistungssektor beispielsweise wird an Gewicht gewinnen, während die
Industrie an Bedeutung verliert. Das zeigt eine Analyse von IW Consult im
Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken
(BVR). Untersucht wurden alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte.
"Deutschland steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel mit unterschiedlichen
Perspektiven für die Regionen. Während einige Räume Beschäftigung aufbauen und
neue Branchenschwerpunkte gewinnen, gehen andernorts bis 2035 viele
Arbeitsplätze verloren", sagt BVR-Präsidentin Marija Kolak. Aus Sicht des BVR
unterstreichen die Ergebnisse die Notwendigkeit einer aktiven Regional- und
Strukturpolitik. "Unsere Prognosen sprechen dafür, den Förderrahmen zur
Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur weiter zu erhöhen und stärker
auf besonders betroffene Regionen zu konzentrieren", so Kolak. Auf diese Weise
könnten strukturschwächere Regionen durch gezielte Investitionen an
Attraktivität gewinnen. Wichtige Ziele seien die Erreichbarkeit von
Ballungsräumen und die Lebensqualität vor Ort. Beides hänge auch davon ab, dass
es Banken vor Ort gibt, die private Investitionen in den Regionen begleiten
können.
Grund für die stagnierende Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
ist vor allem die demografische Entwicklung. Die Erwerbsbevölkerung schrumpft,
steigende Erwerbsquoten können das nur teilweise ausgleichen. Ungenutzte
Potenziale - etwa bei Frauen, Älteren und Menschen mit ausländischer
Staatsangehörigkeit - werden wichtiger, um den Rückgang abzufedern.
Die regionalen Unterschiede sind erheblich. In weiten Teilen Süddeutschlands und
der Weser-Ems-Region , in Schleswig-Holstein sowie in Berlin und seinem Umland
wächst die Beschäftigung bis 2035 weiter - in einzelnen Landkreisen um rund zehn
Prozent. Sie profitieren von einer stabilen Bevölkerungsentwicklung, einer guten
wirtschaftlichen Ausgangslage und einer hohen Attraktivität für qualifizierte
Fachkräfte. Deutliche Rückgänge zeigen sich hingegen in Sachsen, Sachsen-Anhalt,
Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, dem Saarland sowie in großen Teilen von
Rheinland-Pfalz . In einigen Landkreisen sinkt die Beschäftigung dort bis 2035
um mehr als 15 Prozent. Strukturschwächen, Überalterung und ein begrenztes
Fachkräfteangebot verstärken den Anpassungsdruck.
Industrie verliert, Dienstleistungen gewinnen
Klare Verschiebungen zeigen sich auch zwischen den Branchen. Besonders deutlich
ist der Rückgang in der Industrie . Sowohl ihr Anteil an der Gesamtwirtschaft
als auch die absolute Beschäftigtenzahl sinken - getrieben durch technologischen
Wandel, Dekarbonisierung und internationalen Wettbewerbsdruck. Auch die
Landwirtschaft verliert Beschäftigung, mit stärkeren Rückgängen in
Ostdeutschland und stabileren Entwicklungen im Nordwesten und in Teilen von
Rheinland-Pfalz. Der Handel verliert ebenfalls an Bedeutung, da digitale
Geschäftsmodelle und Automatisierung zunehmen.
Deutlich wachsen dagegen Gesundheits- und Sozialdienstleistungen , getrieben
durch die Alterung der Gesellschaft, sowie wirtschaftsnahe Dienstleistungen.
Besonders stark legen die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT)
sowie die wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen zu. Insgesamt
verschiebt sich die Branchenstruktur weiter in Richtung Dienstleistungen -
regional sehr unterschiedlich ausgeprägt.
"Wachstumsbranchen wie IKT, wissensintensive Dienstleistungen oder Gesundheit
brauchen zudem ausreichend qualifizierte Fachkräfte", so Marija Kolak,
"Fachkräftesicherung ist damit eine der wichtigsten Voraussetzungen für
regionale Entwicklung." Neben der Aktivierung inländischer Potenziale zählt
qualifizierte Zuwanderung. Anerkennungs- und Visaverfahren sollten schneller,
digitaler und verlässlicher werden. BVR-Präsidentin Kolak: "Die Studie zeigt
auch: Es braucht dringend wieder eine Wirtschaftspolitik, die Wachstumskräfte
freisetzt, damit die Regionen nicht ökonomisch abgehängt werden."
Zur Studie - Datenset steht zur Verfügung
Die Branchenprognose ist Teil der Studienreihe "Regionen 2035", in der der BVR
gemeinsam mit dem IW Consult regionale Entwicklungen in Deutschland analysiert.
Basis sind die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in 19
Wirtschaftszweigen auf Kreisebene. Die Studie modelliert mögliche
Entwicklungspfade bis 2035 unter Berücksichtigung regionaler Ausgangsbedingungen
und der vier Megatrends Digitalisierung, Demografie, Dekarbonisierung und
Deglobalisierung. Die Ergebnisse dienen als Orientierung über wahrscheinliche
Strukturtendenzen, nicht als punktgenaue Vorhersage.
Der aktuelle Teil der BVR-Studie "Branchen 2035" ist wie die bereits
veröffentlichten zu "Wohnimmobilien 2035" und "Demografie 2035" auf der
Internetseite http://www.bvr.de unter Publikationen, Volkswirtschaft abrufbar.
Das vollständige Datenset erhalten Journalistinnen und Journalisten auf Anfrage
unter mailto:presse@bvr.de .
Pressekontakt:
Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR)
Melanie Schmergal, Abteilungsleiterin Kommunikation und
Öffentlichkeitsarbeit / Pressesprecherin
Telefon: (030) 20 21-13 00, mailto:presse@bvr.de, http://www.bvr.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/40550/6293099
OTS: BVR Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenban
ken
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