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Ravensburg/München/Ludwigsburg (ots) - Erste Ergebnisse einer neuen Studie
zeigen: Wenn Väter sich Zeit nehmen, emotional zugewandt sind und mit ihren
Kindern sprechen, verbessert das die Beziehung deutlich. Gerade in der
Jugendphase sind die Papas für Jungen und Mädchen wichtig.
Väter spielen eine wichtige Rolle: Das Erziehungsverhalten in der Jugendphase
ihrer Sprösslinge ist zentral für die Qualität der Vater-Kind-Beziehung, wie
erste Ergebnisse einer aktuellen Studie zeigen. Forschende des Deutschen
Jugendinstituts München weisen nach, wie bedeutsam zudem väterliche
Familienorientierung insbesondere für jüngere Jugendliche ist. Laut den
repräsentativen Daten kümmern sich Männer täglich rund 1,5 Stunden im
Durchschnitt um ihre Kinder. Bedeutsam auch: Hatte das männliche Elternteil für
sie als Kind ein offenes Ohr und suchte das Gespräch, berichten 82 Prozent der
heute jungen Erwachsenen von einer "sehr guten" Beziehungsqualität zu ihrem
Papa. Die vorliegenden Daten sind Zwischenergebnisse der Studie "Vaterschaft im
Wandel". Professorin Dr. Johanna Possinger von der Evangelischen Hochschule
Ludwigsburg leitet das von der Stiftung Ravensburger Verlag geförderte 3-jährige
Forschungsprojekt.
Der Vatertag erinnert an die neben der Mutter-Kind-Verbindung wohl prägendste
Beziehung im Leben. Zwischen ein und drei Stunden - im Mittel 1,5 Stunden -
betreuen Männer täglich ihre Kinder. Für Frauen liegt dieser Wert doppelt so
hoch. Während Mütter im Alltag weiterhin mehr Zeit mit der Fürsorge für ihren
Nachwuchs verbringen, zeigt sich: Mit zunehmendem Alter der Kinder wächst die
Bedeutung der Väter. "Gerade in der Jugendphase werden sie für Gespräche,
Orientierung und emotionale Unterstützung besonders wichtig", erläutert Dr.
Claudia Zerle-Elsäßer. Die Soziologin hat mit ihrem Team am Deutschen
Jugendinstitut (DJI) in München zu der Bedeutung von Vätern von 12- bis
17-Jährigen geforscht. "Gegenüber ihren Teenagern müssen Eltern eine neue
Balance finden: Jugendliche wünschen sich mehr Autonomie, brauchen aber
weiterhin emotionale Unterstützung und Orientierung. Väter spielen dabei eine
wichtige Rolle."
Emotionale Wärme und kindzentrierte Kommunikation steigern Beziehungsqualität
Die Beziehung zum männlichen Elternteil wird besser bewertet, wenn häufig
gemeinsame Gespräche stattfinden: 67 Prozent der Kinder, deren Vater "sehr viel"
mit ihnen kommuniziert, bewerten die Beziehung zu ihm als "sehr gut" - das
entspricht einer statistisch signifikanten Differenz von über 20 Prozentpunkten
im Vergleich zu den Jungen und Mädchen, deren Papas sich selten mit ihnen
unterhalten. "Spannend war es zu sehen, dass das langfristig in noch stärkerem
Maß für heute junge Erwachsene gilt, wenn sie sich an ihre Kindheit
zurückerinnern", so Forscher Thomas Eichhorn. "Bei ihnen steigt der Wert der
'sehr guten' Beziehungsqualität auf 82 Prozent." Die Zahl schrumpft auf 7
Prozent, wenn das männliche Elternteil nicht gesprächsoffen war. "Die Messgrößen
unserer Studie, die kindzentrierte Kommunikation beschreiben, stellten sich als
mit Abstand wichtigster Einflussfaktor auf die Vater-Kind-Beziehung heraus",
betont Eichhorn.
Untersucht haben die Forschenden weiterhin, wie sich gefühlsbetonte Wärme im
Umgang auswirkt. Auch hier belegen die Zahlen: Emotional offenes, positives
Erziehungsverhalten verbinden Kinder mit einer höheren Relevanz ihres Vaters.
Weniger Beruf + mehr Familie = bessere Beziehungsqualität zwischen Vater und
Teenager
Männer, die Familie vor den Beruf stellen: Das kommt bei den befragten
Jugendlichen gut an. "Väter, die ihre Familie sichtbar priorisieren, werden von
ihren Kindern als besonders wichtige Bezugspersonen wahrgenommen", sagt Dr.
Claudia Zerle-Elsäßer. 82 Prozent der 12- bis 17-Jährigen, deren Papas die Idee
gut fanden, zumindest bis zum Schuleintritt der Kinder beruflich kürzer zu
treten, berichten von einer "sehr guten" Beziehungsqualität zu ihren Vätern.
DJI-Forscherin Zerle-Elsäßer fasst zusammen: "Engagierte Vaterschaft lohnt
sich."
Auftakt für 3-jähriges Forschungsprojekt: Umfangreiche Datensätze erstmals unter
dem Gesichtspunkt "Väter von Teenagern" ausgewertet
An dem nun vorgelegten Zwischenbericht forschte seit April 2025 ein Team des DJI
unter Leitung von Dr. Claudia Zerle-Elsäßer. Basis bildete die Analyse
repräsentativer Datensätze der Jahre 2009 bis 2023, mit der die
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Rolle von Vätern in Deutschland in
der frühen Jugendphase ihrer Kinder beleuchten. Besagtes DJI-Panel "Aufwachsen
in Deutschland: Alltagswelten" wurde erstmals unter diesem Aspekt ausgewertet.
Diese Sekundärdatenanalyse bildet das Fundament für den qualitativen Teil der
Studie: Derzeit interviewen Forschende der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg
unter Leitung von Prof. Dr. Johanna Possinger Väter und Jugendliche. Sie
erfragen, wie gemeinsam über gesellschaftliche Fragen gesprochen wird und welche
Rolle die Papas dabei spielen. Die Untersuchung soll unter anderem zeigen, wie
väterliche Care-Arbeit und politische Bildung zusammenhängen - ein bislang kaum
erforschtes Feld. "Familien sind der erste Ort, an dem Jungen und Mädchen
lernen, ihre Meinung zu äußern, Konflikte auszuhandeln und unterschiedliche
Perspektiven zu verstehen", sagt Professorin Johanna Possinger. "Wenn Väter sich
aktiv beteiligen und Gespräche führen, stärken sie nicht nur die Beziehung zu
ihren Kindern - sondern auch wichtige demokratische Kompetenzen." Die Stiftung
Ravensburger Verlag fördert das bis 2027 laufende Forschungsprojekt "Vaterschaft
im Wandel: Wie Väter ihre Teenager im Alltag und in gesellschaftlichen Fragen
begleiten" mit 160.000 Euro.
Pressekontakt:
Verena Türck-Weishaupt
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