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Nürnberg (ots) -
- Krankheit und Arbeitslosigkeit weiterhin die häufigsten Auslöser von
Überschuldung
- 30- bis 44-Jährige nehmen die Schuldnerberatung am stärksten in Anspruch
- Bei unter 25-Jährigen sind Schulden rund um Telefon und Internet bedeutsam
Die Zahl der überschuldeten Menschen in Deutschland steigt wieder. Im Jahr 2025
galten laut Creditreform rund 5,67 Millionen Erwachsene als überschuldet -
111.000 mehr als 2024. Die Überschuldungsquote erhöhte sich von 8,09 auf 8,16
Prozent. Dabei sind finanzielle Notlagen nur selten auf eine einzige Ursache
zurückzuführen: Krankheit, Arbeitslosigkeit und andere persönliche Krisen
treffen häufig auf Haushalte, deren finanzieller Spielraum angesichts hoher
Wohnkosten bereits gering ist. Die mittlere Schuldenhöhe der analysierten
Beratungsfälle lag 2025 bei 19.168 Euro.
Das sind Ergebnisse des iff-Überschuldungsreports 2026, den das institut für
finanzdienstleistungen e. V. (iff) jährlich herausgibt und der von Deutschland
im Plus - der Stiftung für private Überschuldungsprävention - gefördert wird.
Für die aktuelle Ausgabe wurden 224.768 Beratungsfälle aus den Jahren 2015 bis
2025 ausgewertet. Die Daten stammen von 122 Schuldnerberatungsstellen aus allen
Bundesländern, darunter 36.480 Fälle mit Beratungsbeginn im Jahr 2025. Die
Stichprobe liefert aufgrund ihrer Breite und Detailtiefe ein aussagekräftiges
Bild der Gründe, warum Menschen eine Schuldnerberatung aufsuchen.
Krankheit und Arbeitslosigkeit bleiben die größten Risiken
Gesundheitliche Probleme sind wie bereits im Vorjahr der häufigste einzelne
Auslöser einer Überschuldung: Krankheit, Sucht oder Unfall stehen bei 17,8
Prozent der ausgewerteten Fälle an erster Stelle. Es folgen Arbeitslosigkeit
beziehungsweise reduzierte Erwerbsarbeit mit 14,9 Prozent. Gescheiterte
Selbstständigkeit macht 9,9 Prozent der Fälle aus, Konsumverhalten 9,5 Prozent,
Einkommensarmut 9,1 Prozent sowie Scheidung und Trennung 8,8 Prozent. Auffällig
ist die langfristige Entwicklung: Krankheit ist unter den sechs häufigsten
Überschuldungsauslösern der einzige Faktor, dessen Anteil in den vergangenen
zehn Jahren deutlich gestiegen ist - von rund 15 Prozent im Jahr 2016 auf 18
Prozent im Jahr 2025. Der Anteil von Arbeitslosigkeit und reduzierter
Erwerbsarbeit ging dagegen von 21 auf rund 15 Prozent zurück.
"Der Überschuldungsreport zeigt, dass finanzielle Not in den meisten Fällen
nicht Folge von Leichtsinn oder mangelnder Disziplin ist. Krankheit, Jobverlust
oder eine Trennung können die finanzielle Situation eines Haushalts innerhalb
kurzer Zeit grundlegend verändern. Prävention muss deshalb an mehreren Stellen
ansetzen: Wir müssen finanzielle Kompetenzen früh stärken, Hilfsangebote
bekannter und leichter zugänglich machen und gleichzeitig Rahmenbedingungen
schaffen, die Verbraucherinnen und Verbraucher vor finanzieller Überforderung
schützen", sagt Philipp Blomeyer, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutschland
im Plus.
Hinzu kommt, dass viele Ratsuchende bereits einen großen Teil ihres Einkommens
für unvermeidbare Ausgaben aufbringen müssen. 2025 flossen bei ihnen im Mittel
38 Prozent des Haushaltseinkommens in die Wohnkosten, in der Gesamtbevölkerung
waren es 24 Prozent. Zwei von drei Ratsuchenden mussten mehr als ein Drittel
ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben. Darüber hinaus bergen eine schwache
Konjunktur und steigende Arbeitslosigkeit zusätzliche Risiken für Haushalte mit
niedrigen Einkommen.
Alleinerziehende besonders häufig in der Schuldnerberatung
Besonders deutlich zeigt sich die Verbindung zwischen Lebenssituation und
Überschuldungsrisiko bei Alleinerziehenden. Sie stellen 14,4 Prozent der
Ratsuchenden. Fast vier von fünf alleinerziehenden Personen in der Beratung sind
Mütter. Alleinerziehende Mütter sind damit fast doppelt so häufig vertreten, wie
es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht. Bei Alleinerziehenden mit
drei oder mehr Kindern liegt die Überrepräsentation sogar beim 7-Fachen. Anders
als bei den Ratsuchenden insgesamt steht bei Alleinerziehenden eine Scheidung
oder Trennung mit rund 20 Prozent an erster Stelle der Überschuldungsauslöser.
Arbeitslosigkeit oder reduzierte Erwerbsarbeit folgen mit etwa 12,6 Prozent,
Krankheit mit rund 10,6 Prozent.
Die Schuldnerberatung wird insgesamt weiterhin am häufigsten von Menschen im
Alter von 30-44 Jahren aufgesucht. Sie bilden dabei mit 41 Prozent die größte
Altersgruppe. Allein die 35- bis 39-Jährigen stellen 15,6 Prozent der
Ratsuchenden mit Altersangabe.
Junge Erwachsene: Digitaler Konsum im Fokus
Junge Erwachsene unter 25 Jahren sind gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil in
den Schuldnerberatungsstellen unterrepräsentiert. Bei den Forderungsarten
unterscheiden sich die Jungen aber deutlich von der Gesamtheit der Ratsuchenden,
weil bei ihnen das digitale Konsumverhalten eine zentrale Rolle spielt.
"Gerade im digitalen Alltag treffen junge Menschen ständig finanzielle
Entscheidungen. Finanzielle Bildung befähigt sie, Chancen und Risiken fundiert
zu bewerten. Hier setzen wir mit dem Bildungsangebot der Stiftung Deutschland im
Plus gezielt an," erklärt Blomeyer.
Wichtigste Auslöser für Geldsorgen sind demnach bei den unter 25-Jährigen mit
17,7 Prozent Verbindlichkeiten gegenüber Telekommunikationsunternehmen,
beispielsweise Ratenzahlungen für Smartphones, In-App-Käufe oder
Streaming-Abonnements. Auch Schulden bei Onlinehändlern mit 9,5 Prozent und
Ratenkredite mit sieben Prozent spielen eine Rolle.
Über alle Altersgruppen hinweg sind Ratenkredite mit einem Anteil von 21,8
Prozent weiterhin die häufigste Forderungsart. Auf öffentlich-rechtliche
Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt entfallen 16,8
Prozent, auf Schulden bei Gewerbetreibenden 9,7 Prozent und auf
Telekommunikationsunternehmen 9,5 Prozent.
EU-Verbraucherkredit-Richtlinie: Noch hapert es an der Umsetzung
Damit gewinnt auch die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie an Bedeutung, die
einen Schwerpunkt des diesjährigen Reports bildet. Mit ihrer vollständigen
Umsetzung im November werden unter anderem bestimmte Buy-Now-Pay-Later-Angebote
stärker reguliert, die Anforderungen an Kreditwürdigkeitsprüfungen verschärft
und Möglichkeiten für Nachsichtsmaßnahmen bei Zahlungsschwierigkeiten erweitert.
Zudem sollen Kreditgeber Menschen mit finanziellen Problemen konsequenter an
Schuldnerberatungsstellen verweisen.
2025 suchten etwa zwei Drittel der Ratsuchenden die Schuldnerberatung aus
eigener Initiative auf. Zehn Prozent kamen auf Hinweis von Angehörigen oder
Bekannten. Nur drei Prozent wurden von einer Bank oder einem anderen Gläubiger
an eine Beratungsstelle verwiesen. "Die neue Verbraucherkreditrichtlinie setzt
an wichtigen Punkten an. Eine sorgfältigere Kreditwürdigkeitsprüfung,
Nachsichtsmaßnahmen bei Zahlungsschwierigkeiten und eine bessere Verbindung
zwischen Kreditgebern und Schuldnerberatung können einer Überschuldung früher
entgegenwirken. Entscheidend wird aber sein, wie konsequent diese Vorgaben in
der Praxis umgesetzt werden. Gerade die Ergebnisse zu jungen Erwachsenen zeigen,
dass sich Kredit- und Konsumwelten verändern und die Überschuldungsprävention
mit dieser Entwicklung Schritt halten muss", sagt Dr. Hanne Roggemann,
Bereichsleitung Wissenschaft am iff.
Der vollständige iff-Überschuldungsreport 2026 ist unter
http://www.iff-ueberschuldungsreport.de abrufbar.
Über das iff
Das institut für finanzdienstleistungen e.V. (iff) leistet mit Forschung und
Beratung einen wichtigen Beitrag zu einem sozial verantwortlichen Finanzsystem
und einer fairen Teilhabe. Das iff setzt sich seit seiner Gründung für den
Zugang zu Finanzdienstleistungen ein und konzentriert sich vor allem auf
finanziell verletzliche Verbraucherinnen und Verbraucher. Auftraggeber sind
Verbraucherorganisationen, Regierungsstellen, Verbände, Stiftungen, politische
Akteure und Finanzdienstleister.
Mehr Informationen unter: http://www.iff-hamburg.de
Stiftung Deutschland im Plus
Die Stiftung Deutschland im Plus engagiert sich für die private
Überschuldungsprävention in Deutschland. Zu den Aufgaben zählen Workshops zur
finanziellen Bildung, Forschungsförderung sowie eine kostenlose und anonyme
Beratung für Menschen in finanzieller Not.
Mehr Informationen unter: http://www.deutschland-im-plus.de
Pressekontakt:
Für den iff-Überschuldungsreport: Dr. Hanne Roggemann, E-Mail:
hanne.roggemann@iff-hamburg.de
Zu den Aktivitäten der Stiftung Deutschland im Plus: Pamela Sendes, Tel: 0911 /
9234950 und E-Mail: pamela.sendes@deutschland-im-plus.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/71917/6360115
OTS: Deutschland im Plus - Die Stiftung für private Überschuldungs
prävention
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