Stuttgart
Top-News
Stuttgart, Landeshauptstadt
Fläche: 207,36 km²
Einwohner: 587.152
PLZ: 70173
|
Kommentar von "nd.DerTag" zu Israels Vorgehen im Gazastreifen |
 |
| 29.05.2026 20:15 Uhr |
nd.DerTag / nd.DieWoche |
|
|
Berlin (ots) - Deutlicher kann Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu kaum
werden: Er will demnächst 70 Prozent des Gazastreifens unter die Kontrolle der
Armee bringen und rund zwei Millionen Menschen auf einem Gebiet so groß wie die
Stadt Heidelberg zusammenpferchen (in Heidelberg leben 156 000 Menschen).
Mittelfristig ist die Ankündigung Netanjahus nur ein weiterer Schritt in der
schleichenden, aber ganz und gar nicht geheim gehaltenen Annexion
palästinensischen Lands, vollzieht diese sich doch unter den Augen der
Weltöffentlichkeit. Außer verbalen Verurteilungen der einen oder anderen
israelischen Entscheidung lässt man die rechte israelische Regierung gewähren.
Deren Ziel ist die komplette Übernahme des Gazastreifens, einhergehend mit der
Vertreibung der Bevölkerung. Wohin, ist völlig unklar.
Das deutsche Außenministerium hat sich zu einer Kritik an Netanjahus Äußerungen
hinreißen lassen. Deutschland lehne jede dauerhafte Teilung des Gazastreifens
ab, hieß es aus dem Mund eines Sprechers. Zu schärferen Reaktionen gegen das
offensichtlich völkerrechtswidrige Vorgehen Israels wird es aber nicht kommen.
Sanktionen schließen die Bundesregierung wie auch Italien oder Österreich aus;
selbst die Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen Israel und der EU will
Deutschland nicht mittragen. Dabei würde es sich nicht mal um eine Strafmaßnahme
handeln, sondern nur um die Streichung von Handelsvorteilen. Die Verhängung von
Sanktionen gegen gewalttätige israelische Siedler im Westjordanland dürfte kaum
Wirkung zeigen und die Regierung in Tel Aviv kaum davon abhalten, ihre Politik
der Landnahme auch dort entscheidend zu behindern.
Bei Verkündung der Waffenruhe im Gazastreifen im Oktober 2025 kontrollierte die
israelische Armee nur 53 Prozent der Fläche und hat diesen Anteil stetig
ausgeweitet. Das war bekannt, hatte aber keine Folgen. Jetzt sind es circa 60
Prozent, und Netanjahu steuert auf die 100 Prozent zu. Im Libanon vollzieht sich
ein ähnlicher Prozess, ausgehend vom Süden des Landes, wo die israelische Armee
einen rund zehn Kilometer breiten Streifen besetzt hält und radikale Stimmen
dessen Besiedlung durch israelische Siedler fordern.
Durch den Krieg riskiert der Libanon in eine bürgerkriegsähnliche Situation zu
rutschen: Mit der massiven Offensive zu Land und aus der Luft setzt Israel die
libanesische Regierung unter Druck, die Hisbollah-Miliz als militärische Kraft
auszuschalten. Doch fehlen der Regierung in Beirut dazu die Mittel, und sie
weiß, dass ein nicht unbedeutender Teil der Bevölkerung in den von den USA
orchestrierten Gesprächen mit der israelischen Regierung einen Verrat an den
nationalen Interessen sieht; auch die Hisbollah gewinnt so wieder an Zuspruch.
Pressekontakt:
nd.DerTag / nd.DieWoche
Redaktion
Telefon: 030/2978-1722
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/59019/6284781
OTS: nd.DerTag / nd.DieWoche
|
|
Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - nd.DerTag / nd.DieWoche
Für den Inhalt übernehmen wir keine Verantwortung
|