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Stuttgart (ots) - Glühender Boden, stickige Luft, kein Durchatmen in der Nacht:
Deutschland steckt mitten in der ersten Hitzewelle des Jahres. Städte trifft es
am härtesten. Versiegelte Flächen, dichte Bebauung und fehlende Verschattung
treiben den sogenannten Heat-Island-Effekt an: Asphalt und Beton speichern
tagsüber Wärme und geben sie nachts wieder ab - urbane Temperaturen können so
oft bis zu 10 Grad oder mehr über denen des Umlands liegen. "In Tropennächten,
wenn die Temperaturen nicht mehr unter 20 Grad sinken, bringt auch nächtliches
Lüften wenig", warnt Gregor Grassl, Associate Partner und Leiter für grüne
Stadtentwicklung beim auf Bau, Immobilien und Infrastruktur spezialisierten
Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE. " Städte lassen sich nur passiv wirksam
kühlen. Wir brauchen ausreichend Verschattung, Begrünung und die richtigen
Materialien. Klimaanlagen wirken dagegen kontraproduktiv: Sie leiten Abwärme
nach draußen und verstärken den Heat-Island-Effekt." Grassl kennt fünf Maßnahmen
für Städte und Kommunen - von der Sofortlösung bis zur Langzeitstrategie.
1. Schatten schaffen
Schatten wirkt sofort und kostet wenig. Bäume sind dabei die erste Wahl: Sie
spenden nicht nur Kühle, sondern kühlen durch Verdunstung auch die Luft um sich
herum ab. Wo sich Bäume auf versiegelten Flächen nicht pflanzen lassen, greifen
neue Lösungen. Stuttgart zeigt, wie das geht: Am Marienplatz stehen seit Kurzem
zwei Ecotriis - ein Stuttgarter Startup-Konzept, das Kletterpflanzen über
Netzsegel bis zu 18 Quadratmeter Schatten spenden lässt, solarbetrieben und per
App steuerbar. Die Betonfüße aus dem 3D-Drucker dienen gleichzeitig als
Sitzgelegenheit.[i] "Das ersetzt zwar keine Bäume, aber löst ein reales Problem
dort, wo Bäume nicht wachsen können", so Grassl. Ergänzend helfen
Haltestellendächer, Sonnensegel und überdachte Bereiche überall dort, wo
Menschen der Hitze ausgesetzt sind: auf Schulhöfen, Spielplätzen oder belebten
Plätzen.
2. Auf helle Oberflächen setzen, Böden öffnen
"Wer in der Sonne schwarz trägt, schwitzt mehr. Für Städte gilt dasselbe", sagt
Grassl. Dunkler Asphalt speichert Wärme, helle Oberflächen reflektieren sie.
Viele Kommunen nutzen diesen Albedo-Effekt noch zu wenig, obwohl er sich schnell
und kostengünstig einsetzen lässt. Städte können Dächer, Plätze und Gehwege
nachträglich aufhellen, ohne neu bauen zu müssen. Pflaster aus Naturstein oder
heller Beton kühlen messbar besser als dunkler Asphalt. "Die Materialwahl
unterschätzen viele in der Klimaanpassung, dabei wirkt sie sofort", so Grassl.
Auch der Untergrund spielt eine wichtige Rolle: Plätze und Wege müssen nicht
durchgehend asphaltiert sein. "Kiesflächen und Rasengittersteine mindern den
Hitzeeffekt und sind oft günstiger als Asphalt." Ein weiterer Vorteil: Bei
Starkregen versickert das Wasser direkt im Boden, statt oberflächlich
abzufließen. Die Stadt Dormagen zeigt, wie das geht: Sie hat stark frequentierte
Flächen entsiegelt und zusätzlich Trinkwasserbrunnen installiert, Maßnahmen, die
die Hitzebelastung direkt verringern.[ii]
3. Gebäude passiv kühlen
Was viele nicht wissen: Klimaanlagen verstärken den Hitzeinsel-Effekt noch
weiter. "Klimaanlagen wie Splitgeräte sind besonders problematisch, weil sie
genau dann arbeiten, wenn es heiß ist. Während sie den Innenraum kühlen, geben
sie gleichzeitig Abwärme ab, die den Außenraum zusätzlich aufheizt. Dadurch
entsteht ein Teufelskreis, in dem immer mehr gekühlt werden muss", erklärt
Grassl. Besser sei es, in Gebäuden auf Low-Tech-Systeme zu setzen. Hierbei wird
viel Speichermasse im Gebäude eingebaut, um es nachts durch die Außenluft zu
kühlen. Tagsüber bleiben Fenster und Türen geschlossen. "Wenn es nachts draußen
zu warm wird, funktioniert dieses Prinzip aber nicht mehr. Bei der zukünftigen
Entwicklung müssen also auch energiesparende und nachhaltige Gebäude aufgrund
des Klimawandels saniert werden", merkt Grassl an. Als Alternativen für
natürliche Kühlung lassen sich Fußbodenheizungen im Sommer relativ einfach als
Kühlböden nutzen. Eine Möglichkeit besteht darin, den Wasserkreislauf nachts
abzukühlen und die Wärme aus den Innenräumen nach außen abzuführen. Es ist auch
möglich, Decken als Kühlfläche zu nutzen.
4. Blau-grüne Infrastruktur ausbauen
Einzelne Bäume spenden Schatten, aber erst vernetzte Grünstrukturen kühlen ganze
Städte. Bäume, begrünte Dächer und Fassaden, Parks und Wasserflächen wirken
zusammen als blau-grüne Infrastruktur: Sie beschatten Flächen, verdunsten
Wasser, senken die Lufttemperatur und verbessern die Luftqualität. "Begrünung
braucht Zeit, zahlt sich aber mehrfach aus: Sie sorgt für niedrigere
Temperaturen, bessere Luft, mehr Artenvielfalt und schafft Räume, in denen sich
Menschen gerne aufhalten", sagt Grassl. Zwei Beispiele zeigen, wie das in der
Praxis funktioniert: In Rastatt wachsen seit 2020 rund 1.000 neue Bäume als Teil
eines Klimaanpassungskonzepts, das Drees & Sommer gemeinsam mit der Stadt
entwickelt hat.[iii] In Dortmund zeigt der Phoenixsee, wie blau-grüne
Infrastruktur von Anfang an integriert werden kann: Auf dem Gelände einer
ehemaligen Stahlhütte entstand ein 24 Hektar großer See mit umliegenden
Parkflächen, der bei Hitze für Verdunstung sorgt, Regenwasser aufnimmt und
gleichzeitig Aufenthaltsqualität schafft. [iv]
5. Verdichtet und klug in die Höhe bauen
"Hochhäuser beschatten sich gegenseitig und schützen die Wohnungen vor dem
Aufheizen. Damit das funktioniert, dürfen die Fensterflächen nicht mehr als 40
Prozent betragen. Glaspaläste sind kostspielig im Energieverbrauch, sowohl im
Sommer als auch im Winter, da Glas eine schlechte Dämmung bietet", erklärt
Gregor Grassl. Ein weiterer Vorteil: Hochhäuser erzeugen Verwirbelungen und
Aufwinde. Das trägt zu einer besseren Durchlüftung der Quartiere bei. "Gezielt
eingesetzt dienen sie der Abkühlung und sind mit natürlichen
Landschaftselementen wie einem Fluss vergleichbar, der neben der Kühlung durch
das Wasser auch immer als Frischluftschneise und durch seine Bewegung als
Durchlüftungszone fungiert."
Hitzevorsorge Pflicht statt Kür
Mit dem 2024 in Kraft getretenen Klimaanpassungsgesetz ist Hitzevorsorge
erstmals bundesrechtlich verankert. Bund, Länder und Kommunen stehen damit in
der Verantwortung zu handeln. Eine aktuelle Untersuchung des Umweltbundesamts
zeigt, dass 41 Prozent der Kommunen bereits Maßnahmen umgesetzt haben. Fast
ebenso viele planen konkrete Schritte. Gleichzeitig verfügen nur 12 Prozent über
ein formales Klimaanpassungskonzept.[v] Die Diskrepanz zwischen einzelnen
Maßnahmen und strategischer Planung bleibt damit groß und wächst mit jeder
weiteren Hitzewelle. "Hitze ist kein Wetterereignis mehr, das man aussitzt. Sie
ist für Städte und Kommunen eine zwingend notwendige Planungsaufgabe", fasst
Grassl zusammen.
[i] https://ecotrii.de
[ii] Hot Spot Stadtentwicklung: Drees & Sommer begleitet Klimaanpassungskonzepte
in Düren und Dormagen (https://www.dreso.com/de/unternehmen/presse/presseinforma
tionen/details/hot-spot-stadtentwicklung-drees-sommer-begleitet-klimaanpassungsk
onzepte-in-dueren-und-dormagen-1)
[iii] Baustelle Klima: Städte wappnen sich gegen Klimawandel (https://www.dreso.
com/de/aktuelles/details/baustelle-klima-staedte-wappnen-sich-gegen-klimawandel)
[iv] PHOENIX See | dortmund.de (https://www.dortmund.de/themen/freizeit-und-kult
ur/parks-seen-und-zoo/phoenix-see/)
[v] Umweltbundesamt (2026): Fortschritte in der kommunalen Klimawandelanpassung
fördern, erfassen und bewerten. https://ots.de/IPaXnr
Pressekontakt:
mailto:presse@dreso.com
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/134210/6298137
OTS: Drees & Sommer SE
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