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Immenstadt (ots) - Deutschlands Konzerne bauen nicht mehr nur Stellen in
Produktion und Verwaltung ab - zunehmend geraten auch Führungskräfte unter
Druck. Volkswagen will bis zum Ende des Jahrzehnts mehr als 5.500
Führungsstellen streichen, bei Bayer wurde die Zahl der Managementpositionen
bereits von rund 17.000 auf gut 5.000 reduziert. Auch BMW baut im indirekten
Bereich Personal ab.
Das mittlere Management wird nicht überflüssig, aber die Anforderungen verändern
sich. Routineaufgaben fallen zunehmend weg, während Orientierung, Verantwortung
und Veränderungskompetenz wichtiger werden. In diesem Beitrag erfahren Sie,
welche klassischen Manageraufgaben zunehmend wegfallen, welche
Führungskompetenzen durch KI wichtiger werden und warum die aktuelle
Streichwelle nicht zwangsläufig das Ende des mittleren Managements bedeutet.
Welche Managementaufgaben KI übernehmen kann
Während Unternehmen ihre Produktionsprozesse über Jahrzehnte optimiert haben,
blieben Führungsstrukturen häufig unangetastet. Zusätzliche Berichtspflichten,
Abstimmungsrunden und Freigaben führten dazu, dass immer mehr Zeit für interne
Verwaltungsaufgaben benötigt wurde.
Genau hier verändert künstliche Intelligenz die Arbeitsweise. KI-Systeme können
Informationen zusammenführen, Berichte erstellen und Entscheidungsvorlagen
vorbereiten. Auch Projektfortschritte lassen sich automatisiert auswerten. Damit
verlieren Tätigkeiten an Bedeutung, die bisher einen erheblichen Teil des
Managementalltags bestimmten.
Führungskräfte müssen Informationen nicht mehr zwangsläufig sammeln und an die
nächste Hierarchieebene weitergeben. Unternehmen sollten deshalb prüfen, welche
Managementprozesse tatsächlich notwendig sind und wo bestehende Strukturen
lediglich zusätzlichen Aufwand verursachen.
Warum flachere Hierarchien nicht automatisch besser sind
Traditionell wandern Informationen in großen Unternehmen über mehrere
Führungsebenen nach oben, während Entscheidungen anschließend wieder nach unten
weitergegeben werden. Dieses Modell schafft klare Zuständigkeiten, kostet
allerdings Zeit.
KI kann solche Abstimmungen erleichtern, indem sie Wissen schneller verfügbar
macht. Teams könnten dadurch eigenständiger arbeiten und sich je nach Aufgabe
neu zusammensetzen. Statt starrer Abteilungsgrenzen rücken konkrete Projekte und
gemeinsame Ziele stärker in den Mittelpunkt.
Allerdings entsteht eine solche Organisation nicht allein dadurch, dass
Unternehmen Führungskräfte entlassen. Werden Hierarchieebenen gestrichen, ohne
Entscheidungswege anzupassen, verteilt sich die bisherige Arbeit lediglich auf
weniger Menschen. Die verbleibenden Manager betreuen größere Teams, während
wichtige Entscheidungen weiterhin an der Unternehmensspitze hängen bleiben.
Deshalb müssen Betriebe gleichzeitig Zuständigkeiten und Entscheidungsrechte
überprüfen. Nur wenn Mitarbeiter tatsächlich mehr Verantwortung übernehmen
können, lassen sich die Vorteile flacherer Strukturen nutzen.
Das mittlere Management bekommt eine neue Rolle
Mit dieser Entwicklung verändert sich die Aufgabe der Führungskräfte zwischen
Geschäftsleitung und operativen Teams. Statt Informationen weiterzureichen und
Vorgaben zu kontrollieren, müssen sie zunehmend unterschiedliche Interessen
miteinander verbinden.
Gerade das mittlere Management kennt beide Seiten: die strategischen Ziele der
Unternehmensführung und die Schwierigkeiten im Arbeitsalltag. Es erkennt, wo
geplante Maßnahmen an praktischen Hindernissen scheitern oder verschiedene
Abteilungen unterschiedliche Prioritäten verfolgen.
Diese Vermittlungsfunktion gewinnt an Bedeutung, wenn Teams flexibler
zusammenarbeiten. Führungskräfte müssen dann Menschen mit unterschiedlichen
Kompetenzen zusammenbringen, Konflikte lösen und dafür sorgen, dass aus
strategischen Vorgaben konkrete Ergebnisse entstehen.
Dafür benötigen sie weniger administrative Routine, sondern vor allem die
Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und auch bei widersprüchlichen Interessen
tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Urteilskraft wird wichtiger als Informationsvorsprung
Auch die Grundlage von Autorität verändert sich. Lange verfügten Vorgesetzte
häufig über mehr Informationen als ihre Mitarbeiter. KI macht Wissen und
Analysen jedoch zunehmend für alle zugänglich. Entscheidend ist deshalb nicht
mehr allein, wer am meisten weiß, sondern wer Informationen verantwortungsvoll
einordnen kann.
Führungskräfte müssen beispielsweise beurteilen, ob eine KI-Auswertung
zuverlässig ist, welche Risiken eine Entscheidung birgt und welche Folgen sie
für Mitarbeiter oder Kunden haben könnte. Dabei können sie sich nicht
ausschließlich auf technische Ergebnisse verlassen.
Gefragt sind deshalb Selbstreflexion, Verantwortungsbewusstsein und ein sicherer
Umgang mit Unsicherheit. Gute Führung bedeutet auch, unterschiedliche
Einschätzungen auszuhalten, eigene Annahmen zu hinterfragen und trotzdem
Entscheidungen zu treffen.
Gleichzeitig gewinnen klare Ziele und persönliche Zusammenarbeit an Bedeutung.
Je eigenständiger Teams handeln, desto wichtiger wird eine gemeinsame
Orientierung. Führungskräfte müssen Vertrauen schaffen und Verantwortung
übertragen, anstatt jeden Arbeitsschritt zu kontrollieren.
Weniger Chefposten bedeuten nicht weniger Führung
Die aktuellen Stellenstreichungen zeigen, dass traditionelle
Managementstrukturen unter Druck geraten. Ob Unternehmen dadurch tatsächlich
leistungsfähiger werden, hängt jedoch davon ab, wie sie ihre Organisation
verändern.
Wer lediglich Positionen abbaut, riskiert überlastete Führungskräfte und neue
Engpässe bei Entscheidungen. Werden dagegen unnötige Verwaltungsprozesse
reduziert und Verantwortlichkeiten sinnvoll verteilt, können flachere
Hierarchien die Zusammenarbeit verbessern.
Das mittlere Management dürfte deshalb zahlenmäßig kleiner werden, ohne seine
Bedeutung vollständig zu verlieren. Während KI administrative Tätigkeiten
übernimmt, bleiben menschliche Fähigkeiten wie Urteilskraft,
Verantwortungsbewusstsein und Konfliktlösung entscheidend. Gefragt sind künftig
weniger Kontrolleure als Führungskräfte, die Menschen verbinden, Veränderungen
begleiten und auch unter unsicheren Bedingungen Orientierung geben.
Über Michael Fuchs
Michael Fuchs ist Gründer von Five4Success und begleitet mit über 25 Jahren
Erfahrung Unternehmen wie SBB, Swisscom und Trivago durch den digitalen Wandel,
ohne den Faktor Mensch aus dem Blick zu verlieren. Seine Programme verbinden
Persönlichkeitsentwicklung mit nachhaltiger Unternehmenskultur und setzen auf
Integrität, Klarheit und Authentizität in der Führung. Mehr Informationen unter:
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OTS: Michael Fuchs
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