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Die letzte unvermessene Fläche: Sieben Trends bringen den Parkplatz 2026 auf die Agenda der Immobilienwirtschaft / Parkdruck wandert auf private Flächen, Free Flow holt auf, KI scheitert an den Daten (FOTO)

14.10.2026 16:15 Uhr Wemolo

München (ots) - Ladepunkte, Solardächer, Bäume, Anwohnerparken: Der Parkplatz bekommt immer mehr Aufgaben, während die Pflicht, ihn zu bauen, fällt. Mehrere Länder haben ihre Stellplatzvorgaben gestrichen oder den Kommunen überlassen, Hamburg hat sie durch einen Mobilitätsnachweis ersetzt. Ab dem 1. Januar 2027 genügt im Bestand nicht mehr ein einziger Ladepunkt, sondern einer je zehn Stellplätze. "Die Fläche bekommt nicht mehr Quadratmeter, nur mehr Aufgaben", sagt Jakob Bodenmüller, CEO und Mitgründer von Wemolo ( http://www.wemolo.com ). "Wer sie ein zweites Mal vergeben will, muss zuerst wissen, wann sie frei ist." Europas führender Anbieter für schrankenloses Parkraummanagement bewirtschaftet europaweit mehr als 4.500 Parkflächen mit rund 370.000 Stellplätzen und erfasst täglich 2,5 Millionen Parkvorgänge. Nach drei Tagen Expo Real ordnet das Münchner Technologieunternehmen sieben Entwicklungen ein, die Parkraum zu einer Planungs- und Steuerungsaufgabe der Immobilienwirtschaft machen.

1. Mehr Autos, weniger Straßenrand: Der Parkdruck verlagert sich auf Off-Street-Flächen

Deutschland zählt so viele Pkw wie nie. Zum 1. Januar 2026 waren 49,5 Millionen zugelassen, seit 2008 ein Plus von gut 20 Prozent (Kraftfahrt-Bundesamt, 2026). Zugleich konkurriert der Straßenrand in den Städten mit Radwegen, Lieferzonen, Baumstandorten und Aufenthaltsflächen.

Wie die Bevölkerung damit umgeht, zeigt eine repräsentative Befragung des IFH Köln: 93 Prozent nennen gute Erreichbarkeit als Grundvoraussetzung für den Innenstadtbesuch. Zugleich akzeptieren 87 Prozent der regelmäßigen Autonutzer weniger Straßenparkplätze, wenn es funktionierende Alternativen gibt, und 73 Prozent befürworten die Verlagerung in kompakte Parkbauten (IFH Köln, Lödige Industries und BABLE, 2026).

Der Parkdruck verschwindet also nicht, er verlagert sich. Wer weniger Fahrzeuge am Straßenrand will, braucht die vorhandenen Flächen dahinter: die Parkplätze von Handel, Büro und Gewerbe. Für Handel und Eigentümer heißt das: Nicht die Menge der Fläche entscheidet über einen Standort, sondern ihre Organisation. Der Parkplatz muss in der Spitze verfügbar sein und darf in den übrigen Stunden arbeiten.

2. Free Flow holt gegenüber Nordeuropa auf

Wer in Norwegen parkt, findet meist keine Schranke mehr vor. Drei von vier Autofahrern treffen dort auf schrankenlose Flächen, in Deutschland ist es jeder dritte. Das ergab 2024 eine Befragung von 5.750 Autofahrern in sieben europäischen Ländern; 65 Prozent der deutschen Befragten wünschten sich das schrankenlose Modell (Riverty, 2024). Seit dieser Erhebung ziehen immer mehr Standorte im deutschsprachigen Markt nach, auf beiden Seiten des Marktes: Parkhäuser tauschen Schranke und Ticket gegen Kennzeichenerkennung, Handelsflächen die Parkscheibe. EDEKA erfasst mit Wemolo inzwischen mehr als 250 Standorte mit 27.000 Stellplätzen kamerabasiert.

Der Unterschied zum ticketlosen Parken früherer Jahre: Nicht nur das Ticket verschwindet, sondern die Zufahrtskontrolle selbst. Mit ihr entfallen Schranke, Automat und deren Wartung, und die Zufahrt liefert erstmals belastbare Daten über die Nutzung der Fläche. Mehrfachnutzung, Monitoring und Ladesteuerung setzen genau diese Erfassung voraus.

3. Mehrfachnutzung wird vom Pilot zum Geschäftsmodell

Was 2025 an einzelnen Handelsstandorten erprobt wurde, wird 2026 über Regionen und Filialnetze ausgerollt.

ALDI SÜD hat seit November 2025 nachgezogen, von Krefeld und Duisburg über Nürnberg und Augsburg bis München und ins Allgäu: An mehr als 20 Standorten sind Stellplätze über Wemolo buchbar, für fünf Euro pro Nacht oder 50 Euro im Monat. Netto Marken-Discount vermietet an rund 150 Filialen freie Stellplätze außerhalb der Öffnungszeiten.

Auch die Politik setzt inzwischen auf das Modell. Für Städte ist es Parkraum auf privaten Flächen, den sie weder bauen noch finanzieren oder genehmigen müssen. Hamburgs Verkehrsbehörde hat ihr Pilotprojekt im Juli auf ausgewählte REWE- und PENNY-Märkte ausgeweitet, Potsdam prüft die Öffnung von Supermarktparkplätzen, in München liegt ein Stadtratsantrag vor. Und der Handel ist nicht mehr allein: Im Business Campus Garching öffnen zwei Office-Parkhäuser mit rund 2.000 Stellplätzen abends und am Wochenende für Besucher der Allianz-Arena.

Die Entwicklung reicht über das Anwohnerparken hinaus. Aus Flächen, die bislang kostenfrei oder einer einzigen Nutzergruppe vorbehalten waren, entstehen zeitabhängige Modelle: Kunden parken während des Einkaufs frei, längere Aufenthalte werden kostenpflichtig, freie Zeitfenster gehen an Anwohner, Pendler oder Veranstaltungsbesucher. So erschließen Eigentümer eine Einnahme aus einer Fläche, die sie ohnehin unterhalten, ohne dass ein Quadratmeter neu versiegelt wird.

"Ein Händler öffnet seinen Parkplatz nicht einfach für alle", sagt Dominic Winkler, Head of Sales und Business Development Real Estate bei Wemolo. "Zu den Stoßzeiten bleibt er den Kunden vorbehalten. Vergeben werden nur die Stunden, in denen die Daten zeigen, dass er leer steht. Ohne diesen Nachweis würde kein Händler mitmachen."

4. Betriebsdaten enden nicht mehr an der Fassade

Für 2026 sieht CBRE den Schlüssel in der Wahl des richtigen operativen Partners (CBRE Market Outlook, 2026). Damit rücken Flächen in die Steuerung, die bisher nebenher liefen. Bei Handels-, Fachmarkt- und Büroobjekten ist das zuerst der Parkplatz. Die Kameras an den Zufahrten wurden ursprünglich installiert, um Fremdparker fernzuhalten. Aus dieser Technik ist in den vergangenen Jahren eine Datenquelle geworden: Auslastung nach Stunde und Wochentag, Verweildauern, Frequenzmuster, Anteil wiederkehrender Fahrzeuge. Aus Kontrolle wird Bewirtschaftung, aus Bewirtschaftung Vermietung.

Aus dieser Datenbasis heraus hat Wemolo gemeinsam mit Bestandshaltern und Property Managern das 360° Flächenmonitoring entwickelt: Kameras erfassen die gesamte Außenanlage von der Fahrgasse bis zur Fassade und melden Schäden, Verschmutzungen oder liegen gebliebenen Sperrmüll automatisch an den zuständigen Dienstleister, mit Zeitstempel und dokumentierter Erledigung.

Der Hebel liegt in der Entfernung: Wer den Zustand der Außenanlage laufend angezeigt bekommt, führt mehr Objekte, ohne häufiger vor Ort zu sein, und erfährt von Mängeln nicht erst über Beschwerden. Referenzkunden sind unter anderem Deutsche Investment Retail, die Saller Unternehmensgruppe und Feneberg.

5. Die KI-Frage wird zur Datenfrage

Wie weit Anspruch und Betrieb auseinanderliegen, zeigt die Digitalisierungsstudie der Branche: 96 Prozent der befragten Immobilienunternehmen halten Künstliche Intelligenz in den kommenden fünf Jahren für geschäftsrelevant, 62 Prozent nennen die eigene Datenqualität als Bremse, und nur 14 Prozent setzen Prognose- und Frühwarnsysteme umfassend ein (ZIA/EY, 2026).

Es fehlt nicht an Absicht, sondern an verwertbaren Daten. Und die enden in der Regel an der Fassade. Für Außenflächen existieren vielerorts keine strukturierten Betriebsdaten, an denen ein Algorithmus arbeiten könnte. Genau diese Lücke schließt die Kameratechnik aus dem vorigen Trend: Kennzeichenerkennung liefert die Nutzung, das Flächenmonitoring den Zustand.

Wem diese Daten gehören, regelt der EU Data Act: Anbieter vernetzter Produkte müssen den Nutzern Zugriff auf die Rohdaten geben, maschinenlesbar und über offene Schnittstellen. Auslastung, Verweildauer und Frequenz einer Fläche gehören damit in die Systeme des Eigentümers und nicht in ein geschlossenes Herstellerkonto.

"Bei KI im Objektbetrieb ist nicht das Modell der Engpass, sondern die Datenbasis", sagt Bodenmüller. "Außenflächen sind dabei vielerorts noch ein blinder Fleck. Wer dort Auslastung und Zustand erfasst, hat erst etwas, womit ein Modell rechnen kann."

6. Vom Stellplatzschlüssel zum Mobilitätsnachweis

Wie viele Stellplätze eine Immobilie braucht, beantwortet kein Bundesland mehr pauschal nach oben. Hamburg hat die Pflicht zur Herstellung von Kfz-Stellplätzen zum Januar durch einen Mobilitätsnachweis abgelöst: Lage, Anbindung an den Nahverkehr, örtliche Verkehrsverhältnisse und der Bedarf der jeweiligen Nutzer werden seither für jedes Grundstück einzeln betrachtet, die Ausgleichszahlungen entfallen. In Bayern sind Stellplätze nur noch herzustellen, wenn die Gemeinde es durch Satzung anordnet, und die Satzung darf die staatliche Zahl seither nur unterschreiten. Berlin und Brandenburg kennen eine allgemeine Kfz-Stellplatzpflicht seit Jahren nicht mehr, Niedersachsen hat sie im Wohnungsbau gestrichen. Verschärft hat sie keines der Länder.

Für Projektentwickler verändert das die Rechnung im Neubau. Für Bestandshalter verändert es etwas anderes: Wo die Quote nicht mehr vorschreibt, wie viel Parkraum vorzuhalten ist, wird ein vorhandener Stellplatzüberhang disponibel. Er kann geteilt, elektrifiziert, überbaut oder anders genutzt werden. Welche dieser Optionen an einem Standort trägt, hängt davon ab, wie die Fläche tatsächlich ausgelastet ist, und nicht davon, wie viele Plätze auf dem Bauplan stehen.

Der Stellplatz verschwindet damit nicht aus der Immobilienplanung. Er verliert seinen Automatismus.

7. Der Parkplatz wird zur Energiefläche: Laden, Solar und Grün konkurrieren um denselben Quadratmeter

Bundestag und Bundesrat haben die Novelle des Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes im Juli beschlossen. Ab dem 1. Januar 2027 müssen Eigentümer bestehender Nichtwohngebäude mit mehr als 20 Stellplätzen einen Ladepunkt je zehn Stellplätze errichten oder mindestens die Hälfte der Stellplätze mit Leitungsinfrastruktur ausstatten. Bisher genügte ein einziger Ladepunkt. Für öffentlich zugängliche Stellplätze, also den Regelfall im Handel, kommt eine dritte Möglichkeit hinzu: Die Pflicht gilt auch als erfüllt, wenn die Ladeleistung insgesamt mindestens 1,1 Kilowatt je Stellplatz erreicht.

Der Markt läuft dem Gesetz voraus. Anfang August zählte die Bundesnetzagentur rund 212.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte in Deutschland, der Bestand reiner Elektro-Pkw stieg binnen eines Jahres um 23 Prozent auf über zwei Millionen (Bundesnetzagentur, KBA, 2026).

Die praktische Hürde liegt selten in der Ladehardware. Sie liegt im Netzanschluss: Wer zehn Ladepunkte plant, braucht eine Leistung, die viele lokale Verteilnetze nicht ohne Weiteres bereitstellen. Wie viel Leistung ein Standort tatsächlich gleichzeitig abruft, lässt sich nur aus der Nutzung der Fläche ableiten.

Über gekoppelte Kennzeichenerkennung und Abrechnung entsteht dabei ein Wert, den Eigentümer und Betreiber bisher schätzen mussten: wie viele der Fahrzeuge an einem Standort tatsächlich elektrisch fahren.

"Ob ein Fachmarktzentrum zehn oder dreißig Ladepunkte braucht, lässt sich mit dieser Zahl erstmals begründen", sagt Winkler. "Sie nimmt dem Eigentümer die Entscheidung nicht ab. Aber er plant den Ausbau nicht mehr ins Blaue."

Dieselbe Fläche soll zugleich Strom erzeugen und Wasser aufnehmen. Mehrere Bundesländer verpflichten neu gebaute Parkplätze ab einer festgelegten Größe zur Photovoltaik; auf deutschen Parkplätzen ließen sich nach Berechnungen des Fraunhofer ISE rund 59 Gigawatt Solarleistung installieren. 48 Prozent der Befragten nehmen die Konkurrenz zwischen Parkraum und Grünflächen bereits wahr, 84 Prozent wünschen sich mehr Grün in den Innenstädten (IFH Köln, 2026). Ein Solarcarport spendet Schatten, ersetzt aber keinen Baum und keine Versickerungsfläche.

Im besten Fall arbeitet dieselbe Fläche mehrfach: Sie parkt, sie lädt, sie erzeugt Strom. Welche Kombination an einem Standort funktioniert, entscheidet sich an der Frage, wann die Fläche wofür gebraucht wird.

Ausblick: Die Fläche vor dem Gebäude verliert ihren Sonderstatus

Sieben Entwicklungen, ein gemeinsamer Nenner: Die Fläche vor dem Gebäude verliert ihren Sonderstatus. Sie wird geplant, gemessen und abgerechnet wie jede andere Fläche der Immobilie.

Eine Frage wurde in München auf mehr als einem Podium gestellt: ob die beste Nutzung eines großen ebenerdigen Parkplatzes langfristig überhaupt das Parken ist. Wer die Fläche vermisst, kann auch diese Rechnung belegen statt schätzen.

"Auf der Expo Real wurde über Assetklassen gesprochen, über Energie, über KI. Der Parkplatz kam in all diesen Gesprächen vor, nur unter anderem Namen", sagt Bodenmüller. "Parkraum ist kein Selbstzweck. An dem einen Standort braucht es mehr davon, an dem anderen weniger. Wer weiß, wie seine Fläche genutzt wird, muss diese Entscheidung 2027 nicht raten."

Pressekontakt:

SCRIVO Communications Tristan Thaller Tel: +49 151 21731447 mailto:tristan.thaller@scrivo.de http://www.scrivo.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/179893/6371120 OTS: Wemolo


Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - Wemolo
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