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Berlin (ots) - Karl-Heinz Banse , Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes
(DFV), stellte zu Beginn des DFV-Bundesfachkongresses die wichtigste Komponente
in den Mittelpunkt: den Menschen. "Einsatzkräfte können nur reagieren, wenn sie
darauf vorbereitet sind, was sie erwartet. Deswegen müssen wir dafür sorgen,
dass sie die notwendige Ausrüstung und Ausbildung haben. Daneben ist es wichtig,
ihren Schutz zu verbessern und sie zu motivieren." 130 Führungskräfte aus
Feuerwehren, Verbänden und Behörden nutzten die Fachveranstaltung zum
hochaktuellen Thema "Bevölkerungsschutz - militärische und zivile Verteidigung"
zur Information und Vernetzung. Die Herausforderungen im deutschen
Bevölkerungsschutz sind groß und nehmen weiter zu. Neue Bedrohungen ersetzen
dabei nicht die bisherigen, sondern kommen hinzu.
"Bevölkerungsschutz braucht Menschen, Fähigkeiten und Zusammenarbeit"
Zu Beginn gab Grit Tüngler , Präsidentin des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz
und Katastrophenhilfe (BBK), unter dem Titel "Quo Vadis Bevölkerungsschutz" eine
Einordnung aus Sicht des Bundes. "Sicherheit entsteht durch Zusammenarbeit,
deswegen ist mir die Kooperation mit dem Deutschen Feuerwehrverband auch so
wichtig. Wir haben bereits leistungsstarke Feuerwehrstrukturen, die hervorragend
arbeiten. Diese gelebte Verantwortung von Menschen, welche die vorhandene
Technik in den Einsatz bringen, braucht es im Bevölkerungsschutz", zeigte sie
sich überzeugt. Ihrer Auffassung nach seien letztlich die drei Faktoren
Menschen, Fähigkeiten sowie eine Zusammenarbeit entscheidend für den Erfolg. Sie
forderte eine mitwirkende Bevölkerung, die selbst noch besser vorbereitet und
damit im Ereignisfall resilienter sein müsse.
Dreitägiger Stromausfall: Lage war geübt, Notfallmeldepunkte waren definiert
Im Juni 2026 wurde Reutlingen von einem rund 7.600 Haushalte und mehrere
Betriebe umfassenden, dreitägigen Stromausfall betroffen, der vermutlich auf
gezielte Brandstiftung zurückzuführen ist. Stefan Hermann , Feuerwehrkommandant
Reutlingen und Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes (LFV)
Baden-Württemberg, berichtete ausgehend vom nächtlichen Szenario mit mehreren
Brandstellen in einem Umspannwerk. "Aufgrund der Erkundungsergebnisse wurde
sofort mit umfassenden Auswirkungen gerechnet: Schon nach einer Viertelstunde
wurde daher der Führungsstab alarmiert und bereits nach gut einer Stunde der
Verwaltungsstab aktiviert". Sein Bericht über den Einsatz befasste sich mit der
Organisation von Beatmungsplätzen für ein Klinikum, den Auswirkungen auf die
Abwasserentsorgung sowie den Erkenntnissen für die Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit. "Hilfreich war bei der Bearbeitung der Einsatzlage die
Tatsache, diese Lage bereits in der Vergangenheit geübt und Notfallmeldepunkte
vorab definiert zu haben", so Hermann.
Handbuch zur Zivil-Militärischen Zusammenarbeit soll Sicherheit schaffen
Der 2025 eingerichtete Arbeitskreis Zivil-Militärische Zusammenarbeit, in dem
Feuerwehr und Bundeswehr gemeinsam arbeiten, erstellt derzeit ein Handbuch, um
in Bevölkerungsschutzlagen mehr Sicherheit für die Einsatzkräfte zu schaffen -
immer in der Hoffnung, die Regelungen nicht zu brauchen. Der Leiter des
Arbeitskreises, Mathias Bessel , erläuterte gemeinsam mit weiteren
Teammitgliedern die grundlegende Erkenntnis, dass gleiche Fragen und
Herausforderungen in Einsatzlagen von den verschiedenen Beteiligten in
unterschiedlicher Weise betrachtet werden: "Mit dem Handbuch wollen wir ein
orientierendes Werk herausgeben, welches die jeweils andere Perspektive und
Fachsprache verständlicher macht und in Spezifika einführt." Das
interdisziplinär entstehende Handbuch soll über die DFV-Webseite unter
https://www.feuerwehrverband.de/fachliches/ak/ak-zmz/ allgemein zugänglich sein.
Im ersten Teil sind bereits binnen sechs Monaten Fragen niedergelegt, wie eine
Gefahrenabwehr im Bereich der Unterstützung von Streitkräften aussehen könnte;
bislang ist dies gar nicht definiert. Der Bereich beinhaltet somit
Voraussetzungen zur strukturellen Vorbereitung von Maßnahmen. Im zweiten Teil
hingegen sind Inhalte als konkrete Entscheidungshilfen für Einsatzstellen
formuliert. Feuerwehren erhalten technische und organisatorische
Verhaltensregeln für militärische Bereiche und umgekehrt: "Darf man eine Waffe
abnehmen oder wie steigt man in einen Panzer ein; wie kommuniziere ich mit
Feldjägern?". Generell wird dabei Wert darauf gelegt, nicht alles noch einmal zu
erfinden, sondern sich möglichst an Alltäglichem anzulehnen und sich in der
Vorgehensweise an ständig verwendete Standards zurückzuerinnern. Die Gestaltung
erfolgt in einfacher, übersichtlicher Form auf einer jeweils Seite pro
Themenbereich, teils in farblichen Kategorien. Die stetige Fortschreibung ist
beabsichtigt.
KRITIS-Dachgesetz: Anderer Blickwinkel als in Gefahrenabwehr gewohnt
Dr. Matthias Münch vom LFV Berlin stellte in seinen Ausführungen die Frage der
Relevanz des im März 2026 verkündeten KRITIS-Dachgesetzes für die Feuerwehr.
Dieses legt Betreibern kritischer Infrastruktur Pflichten auf, welche staatlich
beaufsichtigt und unterstützt werden. Der Zweck ist von wichtiger Bedeutung für
das Staats- und Allgemeinwesen, werden hier doch die kritischen Anlagen,
Dienstleistungen und Sektoren zunächst einmal definiert. Daraus leiten sich dann
die einzelnen Maßnahmen ab, welche die Betreiber für sich konkret identifiziert
haben. Münch berichtete: "Bemerkenswert ist, dass es zwar insgesamt zehn
Sektoren gibt, hierin jedoch Feuerwehren und andere Behörden und Organisationen
mit Sicherheitsaufgaben als öffentliche Gefahrenabwehr sowie Medien und
Kulturgüter fehlen!". Das KRITIS-Dachgesetz richte den Blick auf Deutschland als
Ganzes, ermögliche aber nicht den Lupenblick auf ein spezielles Gebiet. Die
Regionen benötigten individuelle kommunale Eigenresilienzanalysen, indem sie mit
der identifizierten Versorgungsrelevanz den Abgleich mit dem eigenen Potenzial
vornehmen. Der Blickwinkel sei hierbei ein anderer als bei den kommunalen
Gewohnheiten in der Gefahrenabwehr. Münch war sich sicher: "Wenn die Merkmale
des Gesetzes erfüllt werden, kann es gelingen, eine Katastrophe durch
Kommunikation, Lagebild und Logistik zu bewältigen".
Abschließende Diskussion über den "Pakt für den Bevölkerungsschutz"
Moderiert durch Peter Jagla, gab es abschließend eine intensive Diskussion über
den "Pakt für den Bevölkerungsschutz". Dies ist ein im Mai 2026 beschlossenes,
mehr als zehn Milliarden Euro schweres Finanzpaket, das bis 2029 "einen
umfassenden Modernisierungsschub im Bevölkerungsschutz und der Zivilen
Verteidigung" bringen soll. Wie wirkt sich der Pakt aus, was wird noch benötigt
und vor allem was braucht es noch, damit er für die Akteure vor Ort echte Hilfe
bietet? In der Diskussion fanden die Perspektiven aus Bund und Feuerwehr,
Hilfsorganisation und Bundesanstalt Technisches Hilfswerk ihren Platz.
"Wir sind uns in vielen Dingen relativ einig. Wir müssen mutig und mit
Geschwindigkeit in die Umsetzung gehen. Wenn wir schnell entscheiden, ohne Angst
vor Fehlern zu haben, werden wir bis 2029 weiter sein als jetzt", erklärte Dr.
Tobias Plate (Bundesministerium des Innern). Kevin Grigorian , Leiter des Stabes
der Bundesgeschäftsstelle der Johanniter-Unfall-Hilfe, appellierte an die
gemeinsame Bewältigung der Herausforderungen: "Wir müssen strukturell denken,
nicht nur technisch. Die Stärkung des Ehrenamtes und die Vernetzung
untereinander auch bei Übung und Weiterentwicklung sind unerlässlich." "Dieser
Pakt muss nachhaltig sein und darf nicht mit einer Legislaturperiode enden. Wir
brauchen diese Verpflichtung für Deutschland, denn wir können uns nur auf uns
selbst verlassen. Es braucht ein nachhaltiges Bekenntnis für Bevölkerungsschutz
und Zivilschutz!", forderte Sabine Lackner , Präsidentin des Technischen
Hilfswerks. DFV-Präsident Karl-Heinz Banse fand abschließend starke Worte: "Wir
müssen die Bevölkerung mehr mitnehmen und ihnen klar machen, dass innere
Sicherheit und Bevölkerungsschutz Geld kosten. Dann können Politiker Geld in die
Hand nehmen, um die Sicherheit zu erhöhen, und den Mut haben, die Dinge
umzusetzen. Wenn dieses Bewusstsein da ist, wird uns gemeinsam für die innere
Sicherheit das gelingen, was für die Bundeswehr in der äußeren Sicherheit
aktuell schon erreicht worden ist."
Die begleitende Fachausstellung für Mitglieder des DFV-Förderkreises bot
Perspektiven aus der Wirtschaft rund um das Thema an. Neben technischen
Innovationen wurden auch Lösungen etwa für die Bevorratung von Lebensmitteln
oder die Beschaffung von Lageinformationen vorgestellt. DFV-Präsident Karl-Heinz
Banse zeigte sich in Gesprächen mit den Ausstellern begeistert über das
gezeigte, große Spektrum und dankte für die stetige Unterstützung der
Verbandsarbeit auch im Rahmen des Bundesfachkongresses.
Die freigegebenen Vorträge der Veranstaltung werden unter
https://www.feuerwehrverband.de/veranstaltungen/bundesfachkongress/ zur
Verfügung gestellt. Das "Positionspapier zur Zukunft des Bevölkerungsschutzes im
Kontext der Zivilen Verteidigung": steht auf der DFV-Webseite unter https://www.
feuerwehrverband.de/fachliches/publikationen/positionspapier-zivile-verteidigung
/ online. Bilder des Bundesfachkongresses sind unter
https://www.feuerwehrverband.de/presse/bilder/ herunterladbar.
Pressekontakt:
Deutscher Feuerwehrverband e. V. (DFV)
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Silvia Oestreicher
Telefon: 030-28 88 48 823
E-Mail: oestreicher@dfv.org
Facebook: www.facebook.de/112willkommen
feuerwehrverband.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/50093/6372865
OTS: Deutscher Feuerwehrverband e. V. (DFV)
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