|
Köln (ots) - Reichweite, Ladeplanung und Gewichte: Der ACV erklärt, worauf es
vor der Reise mit Anhänger ankommt
Wer jahrelang mit dem Verbrenner und Wohnwagen unterwegs war, steht beim Umstieg
auf ein Elektroauto vor neuen Fragen: Funktioniert der gewohnte Campingurlaub
genauso? Wie weit komme ich mit Anhänger und wo kann ich mit Gespann laden? Der
Anhängerbetrieb stellt andere Anforderungen als im Alltag. Reichweite, zulässige
Gewichte und passende Lademöglichkeiten rücken in den Mittelpunkt. Der ACV
Automobil-Club Verkehr erklärt, welche E-Autos sich eignen, wie man die Route
sinnvoll plant und worauf es bei Gewichten, Laden und Fahrpraxis wirklich
ankommt .
Welches E-Auto kann einen Wohnwagen ziehen?
Ein Blick in die Fahrzeugpapiere ist entscheidend. In der
Zulassungsbescheinigung Teil I geben die Punkte O.1 und O.2 Auskunft über die
technisch zulässige Anhängelast für gebremste und ungebremste Anhänger. Ist
keine Anhängelast ausgewiesen oder freigegeben, darf das Fahrzeug keinen
Anhänger ziehen.
Gerade bei älteren E-Autos kann dies der Fall sein. Sie eignen sich dann zwar
unter Umständen für Transportlösungen wie Fahrradträger oder Heckboxen, jedoch
nicht zum Ziehen eines Anhängers. Viele aktuelle Modelle sind dagegen für den
Anhängerbetrieb ausgelegt. Je nach Modell und Ausführung reichen die zulässigen
Anhängelasten von niedrigen Werten um 750 Kilogramm bis in den
wohnwagentauglichen Bereich von etwa 1.500 bis 2.000 Kilogramm, bei größeren
Fahrzeugen auch darüber.
Eine Nachrüstung der Anhängerkupplung ist nur zulässig, wenn sie für den
jeweiligen Fahrzeugtyp freigegeben ist, fachgerecht erfolgt und die Kupplung
über eine entsprechende Genehmigung, etwa nach ECE-R55, verfügt. Abweichungen
von Herstellervorgaben können zu Problemen bei Garantie oder Gewährleistung
führen.
Worauf es beim Kauf ankommt
Bei der Anschaffung eines E-Autos für den Wohnwagenbetrieb sollten nicht primär
Prospektwerte wie Leistung oder WLTP-Reichweite im Vordergrund stehen.
Entscheidend sind vielmehr die Anforderungen des Anhängers.
Wichtige Kriterien sind:
- Passung zwischen Anhängelast des Fahrzeugs und Wohnwagen
- ausreichende Stützlast
- genügend Zuladungsreserven für Insassen, Gepäck und Stützlast
Wie stark sinkt die Reichweite mit Wohnwagen?
Beim Ziehen eines Wohnwagens wirkt sich nicht nur das zusätzliche Gewicht aus.
In der Praxis spielt die Kombination aus Gewicht und Aerodynamik eine zentrale
Rolle. Besonders große und breite Wohnwagen erhöhen den Luftwiderstand deutlich
und werden damit zum entscheidenden Faktor für die Reichweite.
Während kleinere Anhänger kaum Einfluss haben, kann sich die Reichweite mit
einem großen Wohnwagen unter ungünstigen Bedingungen etwa halbieren. Für die
Praxis bedeutet das: kürzere Etappen, häufigere Ladepausen und angepasste
Reisegeschwindigkeiten erhöhen Effizienz und Fahrstabilität.
Wer einen neuen Wohnwagen anschafft, ist mit leichteren und aerodynamisch
günstigeren Modellen langfristig im Vorteil.
Wie funktioniert Laden mit Wohnwagen unterwegs?
Die eigentliche Herausforderung beginnt auf längeren Strecken oft nicht auf der
Straße, sondern an der Ladesäule. Viele Schnellladepunkte sind baulich auf
einzelne Pkw ausgelegt, die rückwärts oder seitlich einparken. Mit angekuppeltem
Anhänger reicht der Platz dann oft nicht aus, sodass nur Rangieren oder sogar
Abkoppeln bleibt. Wer mit Wohnwagen oder größerem Anhänger unterwegs ist, sollte
seine Route deshalb vorab nicht nur nach Ladeleistung, sondern auch nach
Platzangebot auswählen.
Größere Ladeparks und Standorte mit Durchfahrtslösung sind klar im Vorteil.
Hilfreich sind außerdem Kartenansichten, Fotos und Bewertungen in Lade-Apps,
weil sich so oft schon im Vorfeld erkennen lässt, ob ein Standort für ein
Gespann taugt oder nicht.
Welche Gewichtsangaben sind beim Wohnwagen entscheidend?
Maßgeblich ist das tatsächliche Gewicht des Wohnwagens im Reisezustand, also
Leergewicht plus Zuladung. Dieses darf die zulässige Anhängelast des Fahrzeugs
nicht überschreiten. Zusätzlich kann ein maximal zulässiges Gesamtgewicht des
Gespanns vorgegeben sein.
Für Wohnwagen ist in der Regel die gebremste Anhängelast relevant, da
Pkw-Anhänger über 750 Kilogramm zulässiger Gesamtmasse in Deutschland eine
eigene Bremse benötigen. Für die Fahrzeugwahl empfiehlt es sich, neben dem
Leergewicht auch die zulässige Gesamtmasse und den realistischen
Beladungszustand zu berücksichtigen.
Warum sind Stützlast und Achslast so wichtig?
Besonders oft unterschätzt wird die Stützlast, also die Last, mit der der
Anhänger von oben auf die Kupplung drückt. Sie findet sich in den Papieren des
Fahrzeugs unter Punkt 13, zusätzlich auf den Typenschildern von Kupplung und
Anhänger. Maßgeblich ist immer der kleinste angegebene Wert.
Für eine stabile Straßenlage sollte die zulässige Stützlast möglichst weit
ausgeschöpft, aber niemals überschritten werden. Gleichzeitig zählt diese
Stützlast auf Seiten des Zugfahrzeugs zur Zuladung dazu. Das heißt: Sie
verringert die verfügbaren Reserven für Gepäck und Passagiere und belastet die
Hinterachse zusätzlich.
Genau deshalb muss bei einem beladenen Gespann aus Auto und Anhänger auch die
Achslast im Blick bleiben; sie beschreibt, wie stark die Räder einer Achse auf
die Fahrbahn drücken, und die zulässigen Werte für Vorder- und Hinterachse sind
in der Zulassungsbescheinigung Teil I bei den Achslastangaben aufgeführt. Gerade
mit Wohnwagen kann die Hinterachse des Zugfahrzeugs schneller zum limitierenden
Faktor werden als die reine Anhängelast.
Welche Führerscheinregeln gelten für Gespanne?
Neben der Fahrzeugtechnik spielt die Fahrerlaubnis eine entscheidende Rolle.
Maßgeblich ist dabei die zulässige Gesamtmasse der Kombination laut
Fahrzeugpapieren.
Mit der Klasse B darf ein Zugfahrzeug bis 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse
gefahren werden. Dazu kommt entweder ein Anhänger bis 750 Kilogramm oder ein
schwererer Anhänger, sofern die Kombination insgesamt 3,5 Tonnen nicht
überschreitet.
Reicht das nicht, kommt für viele Camper die Schlüsselzahl B96 infrage. Sie gilt
für Kombinationen über 3,5 Tonnen bis maximal 4,25 Tonnen. Noch darüber liegt
die Klasse BE, mit der Anhänger bis 3,5 Tonnen gezogen werden dürfen.
Wichtig ist dabei: Wer mit der falschen Klasse fährt, macht sich wegen Fahrens
ohne Fahrerlaubnis strafbar. Die Regeln gelten unabhängig davon, ob ein E-Auto
oder ein Verbrenner als Zugfahrzeug genutzt wird. Durch das höhere Gewicht
vieler E-Autos werden die Grenzen jedoch schneller erreicht.
Wie fährt sich ein Wohnwagen mit E-Auto?
Selbst die beste Kombination aus E-Auto und Anhänger bleibt nur dann sicher,
wenn der Fahrer mit dem Gespann umgehen kann. Wer länger nicht mit Anhänger
gefahren ist, sollte Rangieren, Rückwärtsfahren und Bremsen am besten vor der
Reise auf einer freien Fläche oder einem Verkehrsübungsplatz üben.
Gerade das Rückwärtsfahren erfordert etwas Umgewöhnung, weil der Anhänger auf
Lenkeinschläge entgegengesetzt reagiert. Gespanne reagieren zudem empfindlicher
auf Seitenwind, Brücken und hastige Lenkbewegungen.
Sollte der Anhänger ins Schlingern geraten, hilft kein hektisches Gegenlenken,
sondern nur, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Erfahrung, Ruhe und sauberes
Beladen sind deshalb beim Ziehen mit dem E-Auto mindestens so wichtig wie eine
hohe Motorleistung.
Fazit: Gute Planung macht den Unterschied
Der Anhängerbetrieb mit dem E-Auto ist heute deutlich alltagstauglicher als noch
vor wenigen Jahren, erfordert jedoch eine sorgfältige Vorbereitung. Besonders
bei regelmäßigem Einsatz oder bei der gezielten Fahrzeuganschaffung ist ein
systematisches Vorgehen sinnvoll.
Dazu gehören die Prüfung der Anhängerdaten, der Abgleich mit Anhängelast,
Stützlast und Achslast des Fahrzeugs sowie eine realistische Einschätzung der
Reichweite unter Last und eine durchdachte Ladeplanung.
Pressekontakt:
Philipp Mathey
Pressesprecher
An der Wachsfabrik 5
50996 Köln
Telefon: +49 2236 94 98 104
E-Mail: mailto:mathey@acv.de
http://www.acv.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/116025/6265288
OTS: ACV Automobil-Club Verkehr
|