|
Düsseldorf (ots) - Wenn an diesem Sonntag ein neuer Landtag in
Nordrhein-Westfalen gewählt würde, könnte die schwarz-grüne Landesregierung ihre
Mehrheit zwar weiterhin behaupten, allerdings verzeichnet die CDU von
Ministerpräsident Hendrik Wüst zum zweiten Mal in Folge deutliche Verluste. Das
ist das Ergebnis des NRW-Trends, den Infratest dimap im Auftrag des WDR-Magazins
WESTPOL vom 22. bis 25. Juni 2026 erhoben hat.
Die CDU kommt aktuell in der Sonntagsfrage auf 32 Prozent. Das sind 3
Prozentpunkte weniger als Anfang Februar. Noch im Oktober 2024 hatte die CDU mit
40 Prozent ihren besten Wert in dieser Legislaturperiode erreicht. Allerdings
kann die SPD von Herausforderer Jochen Ott ihren Rückstand auf die Partei des
Ministerpräsidenten nicht verkürzen. Auch die Sozialdemokraten verlieren 3
Prozentpunkte und kommen auf 17 Prozent. Damit nähert sich die SPD erneut ihrem
Rekordtief im NRW-Trend von vor einem Jahr (16 Prozent im Juni 2025).
Die Grünen als kleiner Koalitionspartner in Düsseldorf legen dagegen zu und
liegen bei 15 Prozent (+2). Die AfD legt ebenfalls erneut zu und erreicht mit 17
Prozent (+2) jetzt ihren besten Wert im NRW-Trend. Dadurch ist die AfD erstmals
in NRW gleichauf mit der SPD und gemeinsam mit den Sozialdemokraten
zweitstärkste Kraft.
Die FDP erreicht erstmals seit April 2024 wieder die Fünfprozentmarke (+1). Die
Linke wäre mit unverändert 6 Prozent ebenfalls im Landtag vertreten. Alle
anderen Parteien kommen zusammen auf 8 Prozent (+1).
Zufriedenheit mit Landesregierung und Ministerpräsident Wüst im Sinkflug
Die Zufriedenheit mit der Arbeit der Landesregierung hat seit Februar deutlich
nachgelassen. Nur noch 42 Prozent (-6) der Befragten sind zufrieden, 53 Prozent
(+4) sind unzufrieden. Die Arbeit von Ministerpräsident Wüst wird ebenfalls
negativer bewertet als im Februar: 42 Prozent der Befragten sind zufrieden (-3),
40 Prozent (+2) sind unzufrieden.
Probleme bei Verkehr und Infrastruktur gewinnen weiter an Bedeutung
Die Probleme bei Infrastruktur, ÖPNV und Verkehr haben das Thema Migration aus
Sicht der Nordrhein-Westfalen als wichtigstes politisches Thema abgelöst. 31
Prozent der Befragten nennen diesen Bereich als eins der am vordringlichsten zu
lösenden Probleme. Das sind nochmal 5 Prozentpunkte mehr als im Februar.
Auf Platz zwei landet mit 24 Prozent der Nennungen das Thema Schule und Bildung
(+3). Das langjährige Topthema Migration gehört noch für 20 Prozent (-6) zu
einem der wichtigsten Probleme.
Mit unverändert 12 Prozent landet das Thema soziale Ungerechtigkeit auf Platz
vier. Dahinter landen gleichauf die Themen Wirtschaft (-3), Wohnen (-1), Rente
(+5) und Umwelt/Klimaschutz (+2).
Jeder dritte Erwerbstätige sieht sich durch Brückensperrungen beeinträchtigt
Brückenschäden und damit verbundene Einschränkungen im Straßenverkehr machen in
NRW jedem Vierten im Alltag zu schaffen: 26 Prozent der Wahlberechtigten geben
an, an einem durchschnittlichen Wochentag von entsprechenden Beeinträchtigungen
stark oder sehr stark betroffen zu sein. Bei den Erwerbstätigen in NRW ist es
sogar jeder Dritte (33 Prozent).
Blick auf die Wirtschaftslage verdüstert sich, Angst um den Arbeitsplatz wächst
Obwohl es das Thema Wirtschaft aktuell nicht unter die drei Topthemen bei den
Wahlberechtigten schafft, prägt die schwache konjunkturelle Entwicklung die
wirtschaftliche Stimmung. Nur 22 Prozent der Wahlberechtigten bewerten die Lage
der NRW-Wirtschaft derzeit als sehr gut oder gut, 9 Punkte weniger als vor einem
Jahr. Drei Viertel (74 Prozent, +9) bewerten sie dagegen als weniger gut oder
schlecht. Ein ähnlich hoher Wert wurde zuletzt zu Beginn der 2010er Jahre
während der Eurokrise gemessen.
Zugleich nimmt unter den Erwerbstätigen in NRW die Sorge um den eigenen
Arbeitsplatz zu. Aktuell äußern 16 Prozent entsprechende Sorgen, 6 Prozentpunkte
mehr als vor einem Jahr.
Tempo beim Bürokratieabbau überzeugt weiterhin nicht
Der Abbau von Bürokratie steht bei Bund und Ländern weit oben auf der
politischen Agenda. In der öffentlichen Wahrnehmung zeigen diese Initiativen
bislang jedoch kaum Wirkung: Wie vor gut zwei Jahren sehen nur 6 Prozent (+/-0
zu April 2024) Fortschritte beim Bürokratieabbau in Deutschland. 49 Prozent (+5)
meinen, Deutschland komme dabei weniger gut voran, weitere 40 Prozent (-6) sehen
gar keine Fortschritte.
Sommerurlaub 2026: Jeder Vierte schränkt sich ein
Die Preisentwicklung der letzten Monate macht den Sommerurlaub vielerorts
teurer. In NRW nimmt jeder Vierte im Bundesland das zum Anlass, seine
Urlaubspläne zu überdenken: 25 Prozent wollen preisbedingt günstiger verreisen
oder ganz auf eine Reise verzichten. 40 Prozent halten an ihren ursprünglichen
Plänen fest. Jeder Dritte (33 Prozent) gibt an, von vorherein keine Sommerreise
ins Auge gefasst zu haben. In diese Gruppe fallen überdurchschnittlich viele
Menschen in der Altersgruppe ab 65.
Für den NRW-Trend hat Infratest dimap vom 22. bis 25. Juni 2026 1.139
Wahlberechtigte telefonisch (669) und online (470) befragt. Ihre Antworten sind
repräsentativ für alle Wahlberechtigten.
Schwankungsbreite:
2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10 Prozent
3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent
Die Fragen lauteten:
Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Landtagswahl in
Nordrhein-Westfalen wäre?
Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der Landesregierung in
Nordrhein-Westfalen?
Wie zufrieden sind Sie mit der politischen Arbeit von Ministerpräsident Hendrik
Wüst?
Welches ist Ihrer Meinung nach das wichtigste politische Problem in
Nordrhein-Westfalen, das vordringlich gelöst werden muss? Und welches ist das
zweitwichtigste?
Wegen beschädigter oder gesperrter Brücken gibt es aktuell an verschiedenen
Orten in Nordrhein-Westfalen Einschränkungen im Straßenverkehr. Wenn Sie an Ihre
persönliche Nutzung von Verkehrsmitteln an einem durchschnittlichen Wochentag
denken: Wie stark sind Sie da von Einschränkungen aufgrund von Brückenschäden
betroffen?
Wie beurteilen Sie die gegenwärtige wirtschaftliche Lage in Nordrhein-Westfalen?
Erwerbstätige: Wie groß ist Ihre Sorge, dass Sie Ihren Arbeitsplatz verlieren?
Kommen wir zum Abbau von Bürokratie, d.h. der Verringerung und Vereinfachung von
Vorgaben, Verordnungen und Verwaltungsvorschriften für Bürger und Unternehmen.
Wie ist Ihr Eindruck? Kommt Deutschland beim Bürokratieabbau alles in allem sehr
gut, gut, weniger gut oder gar nicht voran?
Zum Thema "Sommer-Urlaub". Schränken Sie wegen der Preisentwicklung der letzten
Monate Ihren Urlaub in diesem Sommer ein, etwa indem Sie deswegen günstiger,
kürzer oder gar nicht verreisen? Schränken Sie Ihre Urlaubsreisen wegen der
Preise nicht ein? Oder haben Sie Urlaubsreisen für diesen Sommer von vornherein
nicht geplant?
Mit Quellenangabe WESTPOL (Sonntag, 28.06.2026, 19:30 Uhr) ab 10 Uhr zur
Veröffentlichung frei.
Besuchen Sie auch die WDR Presselounge: http://www.presse.wdr.de
Pressekontakt:
WDR Kommunikation
Tel.: 0221 220 7100
Email: kommunikation@wdr.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/7899/6303629
OTS: WDR Westdeutscher Rundfunk
|