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Berlin (ots) - Das Emergency Medical Team Typ 1 Fixed (EMT) der
Johanniter-Unfall-Hilfe e. V., eine in Hessen stationierte
Katastrophenschutzeinheit, wurde durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
offiziell zertifiziert.
Die WHO-Klassifizierung stellt sicher, dass internationale medizinische Teams
weltweit nach vergleichbaren Qualitäts- und Sicherheitsstandards arbeiten.
Geprüft wird nicht nur medizinische Expertise, sondern die Fähigkeit, auch unter
schwierigen Bedingungen ein komplettes kleines Feldlazarett sicher und
professionell zu betreiben. Dies ermöglicht die koordinierte internationale
Zusammenarbeit und verbessert die Patientensicherheit.
Cora Casimir, Head of International Disaster Response des Kompetenzzentrums
Europäischer Katastrophenschutz und Katastrophenhilfe der Johanniter:
"Die erfolgreiche Klassifizierung zum Emergency Medical Team Typ 1 Fixed ist das
Ergebnis einer außergewöhnlichen Teamleistung. Dieser Erfolg steht beispielhaft
für das, was ehrenamtliches Engagement in Deutschland auszeichnet - mit höchster
Professionalität, großem persönlichen Einsatz und internationaler Zusammenarbeit
auf Augenhöhe.
Besonders dankbar sind wir für die enge und fachlich äußerst anspruchsvolle
Zusammenarbeit mit unserem Mentor Luís Manuel Ladeira vom INEM, dem nationalen
Institut für medizinische Notfälle in Portugal sowie dem WHO EMT-Sekretariat.
Die Re-Klassifizierung unseres mobilen EMT haben wir zugleich als Chance
genutzt, unsere Strukturen grundlegend zu überarbeiten und die beiden
Einsatzmodule (mobil und fixed) strategisch aufeinander abzustimmen. Im
Mittelpunkt stand dabei insbesondere die weitere Verbesserung der
Benutzerfreundlichkeit und Einsatzfähigkeit unserer ehrenamtlichen
Soforthelferinnen und Soforthelfer im Einsatzfall."
Oliver Pitsch, Mitglied des Regionalvorstandes Rhein-Main, welcher auch das
Kompetenzzentrums Europäischer Katastrophenschutz und Katastrophenhilfe der
Johanniter in Frankfurt verantwortet:
"Die erfolgreiche Klassifikation unseres EMT Typ 1 Fixed ist ein bedeutender
Meilenstein, nicht nur für unsere Einheit, sondern auch für den europäischen
Katastrophenschutz. Sie zeigt, dass ehrenamtlich engagierte und modern
aufgestellte Helfer heute wichtiger denn je sind, um den wachsenden
Herausforderungen weltweit gerecht zu werden.
Gerade nach Naturkatastrophen oder in humanitären Krisen entscheidet schnelle,
qualifizierte und gut koordinierte medizinische Hilfe oft über das Überleben
vieler Menschen. Mit der Klassifikation durch die Weltgesundheitsorganisation
erfüllt unsere Einheit höchste internationale Standards und ist Teil eines
weltweit anerkannten Systems medizinischer Notfallteams.
Darauf sind wir sehr stolz. Vor allem aber ist diese Auszeichnung ein Beweis für
das außergewöhnliche Engagement unserer ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer,
die mit großer Professionalität und Leidenschaft Verantwortung übernehmen, in
Deutschland, in Europa und überall dort, wo Menschen Hilfe benötigen."
Vom Pionier zum doppelten Standard
Bereits 2017 wurde das EMT Typ 1 Mobile der Johanniter als weltweit erstes
mobiles, nicht-staatliches Team zertifiziert. Mit der nun erfolgten
Zertifizierung als EMT Typ 1 Fixed erhält die Soforthilfeeinheit einen doppelten
Status, der für höchste fachliche Qualität, außergewöhnliche Flexibilität im
mobilen als auch im ortsfesten Setting und internationale Einsatzfähigkeit
steht.
Was ein EMT Typ 1 Fixed leisten kann
Diese Teams sind darauf spezialisiert, in Katastrophengebieten eine
kontinuierliche ambulante Versorgung sicherzustellen, insbesondere dann, wenn
lokale Strukturen der Gesundheitsversorgung teilweise oder vollständig
ausfallen. Das Team bringt grundsätzlich eine eigene Behandlungsinfrastruktur
auf Zeltbasis mit und ist in der Lage, damit mindestens zwei bis vier Wochen
autark zu agieren. Ergänzend kann es bei Bedarf auch bestehende medizinische
Einrichtungen oder behelfsmäßige Behandlungsstrukturen (z. B. Feldlazarette)
unterstützen.
Das EMT kommt z.B. bei Erdbeben, Überschwemmungen, großen Krankheitsausbrüchen
sowie extremen Wetterereignissen zum Einsatz und deckt ein breites
Leistungsspektrum im Einsatzfall ab:
- Stabilisierung akuter medizinischer Notfälle
- Geburtshilfe und gynäkologische Versorgung
- Behandlung infektiöser Erkrankungen und nicht übertragbarer Krankheiten
- psychologische Erstversorgung betroffener Personen
- präventive Maßnahmen zur Stabilisierung der gesundheitlichen Lage vor Ort
- autarker Betrieb der Einrichtung über einen längeren Zeitraum
Bei dieser Einheit handelt es sich zudem um eine Ressource des europäischen
Katastrophenschutzverfahrens (UCPM). Sie kann sowohl international über die
Europäische Kommission als auch innerhalb Deutschlands angefordert und
eingesetzt werden.
Hintergrund: Die EMT-Initiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Emergency Medical Teams (EMTs) stellen bei nationalen und internationalen
Gesundheitskrisen wie z. B. Naturkatastrophen, Konflikten oder
Krankheitsausbrüchen schnelle medizinische Hilfe zur Entlastung des lokalen
Gesundheitssystems bereit. Die Teams, die aus Ärztinnen und Ärzten,
Krankenpflege-, Logistik- und weiterem Personal bestehen, sind in verschiedene
Kategorien eingeteilt: Sie reichen von Typ 1 - einer ambulanten
Behandlungseinrichtung, bis hin zu Typ 3 - einem vollausgestatteten Feldhospital
einschließlich Intensivstation.
Entscheidendes Merkmal der EMTs ist ihre Klassifizierung durch die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Sicherstellung der Behandlungsqualität und
der logistischen Autarkie. Im Ereignisfall werden EMTs durch die jeweilige
Regierung des betroffenen Landes angefordert und koordiniert. Die von der WHO
geleitete globale 'EMT Initiative' ist eine Konsequenz aus der
Erdbebenkatastrophe in Haiti im Jahr 2010, bei der viele Nothilfeteams ohne
Qualitätskontrolle unkoordiniert im Einsatz waren.
Hintergrund EMTs in Deutschland
In Deutschland gibt es derzeit fünf als Typ 1 klassifizierte Emergency Medical
Teams, die alle von Nichtregierungsorganisationen bereitgestellt werden,
darunter die Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. Der Klassifizierungsprozess, bei dem
die Teams von einem von der WHO ernannten Mentor begleitet werden, dauert in der
Regel mehrere Jahre. Alle Einsatzkräfte müssen ein Trainingsprogramm
durchlaufen, das sie auf den Auslandseinsatz vorbereitet. Diese Ausbildung
umfasst u.a. Grundlagen der humanitären Hilfe, Stressbewältigung, Sicherheit,
sowie spezialisierte Fachtrainings. Die große Mehrheit der Einsatzkräfte der
deutschen EMTs ist ehrenamtlich tätig.
Über die Johanniter-Unfall-Hilfe
Die Johanniter-Unfall-Hilfe ist mit rund 31.000 Beschäftigten, mehr als 46.000
ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und 1,2 Millionen Fördermitgliedern eine
der größten Hilfsorganisationen in Deutschland und zugleich ein großes
Unternehmen der Sozialwirtschaft. Die Johanniter engagieren sich in den
Bereichen Rettungs- und Sanitätsdienst, Katastrophenschutz, Betreuung und Pflege
von alten und kranken Menschen, Fahrdienst für Menschen mit eingeschränkter
Mobilität, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Hospizarbeit und anderen
Hilfeleistungen im karitativen Bereich sowie in der humanitären Hilfe im
Ausland. Mehr Informationen unter
http://www.johanniter.de/johanniter-unfall-hilfe .
Pressekontakt:
Juliane Flurschütz, Stellvertretende Pressesprecherin
Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Bundesgeschäftsstelle
Tel. 030-26997-361, Mobil 0173 619 3409
E-Mail: mailto:medien@johanniter.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/14240/6274895
OTS: Johanniter Unfall Hilfe e.V.
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