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Berlin (ots) - "Die Stimmung im Großhandel hellt sich leicht auf, und wir heben
unsere Wachstumsprognose für dieses Jahr auf 0,8 Prozent an. Das ist eine gute
Nachricht - aber sie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich an den
Rahmenbedingungen für den Mittelstand bislang kaum etwas verbessert hat. Unsere
Unternehmen haben sich auf schwierige Bedingungen eingestellt, sie passen
Lieferketten und Geschäftsmodelle an und behaupten sich in einem
herausfordernden Umfeld. Gleichzeitig stützen zusätzliche staatliche Ausgaben
die Konjunktur. Was wir dagegen noch nicht sehen, ist ein Aufschwung, der von
nachhaltigen Reformen und besseren Standortbedingungen getragen wird. Genau das
muss sich ändern: Wir brauchen weniger Bürokratie, niedrigere Belastungen und
mehr Freiräume für private Investitionen", fordert Dr. Dirk Jandura, Präsident
des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) heute in
Berlin anlässlich der Ergebnisse der neuen Großhandelsbefragung des BGA.
Die Stimmung im Großhandel hat sich im Sommer 2026 verbessert. Die Unternehmen
sind weniger pessimistisch als noch zum Jahreswechsel 2025/26. Der
BGA-Klimaindikator steigt zur Jahresmitte deutlich von 70,6 auf 84,4 Punkte.
Werte unter 100 Punkten zeigen allerdings weiterhin eine überwiegend
pessimistische Stimmung an.
Besonders deutlich fällt die Verbesserung im Produktionsverbindungshandel aus.
Hier steigt der Klimaindikator von 68,6 auf 88,7 Punkte. Im
Konsumgütergroßhandel und im baunahen Großhandel bleibt die Stimmung mit jeweils
74,9 Punkten dagegen deutlich gedämpfter.
"Die Unternehmen warten nicht darauf, dass sich die Bedingungen verbessern. Sie
reagieren, diversifizieren ihre Lieferketten, erschließen neue Märkte und
stellen ihre Geschäftsmodelle neu auf. Dass sich die Stimmung stabilisiert, ist
deshalb vor allem auch eine Leistung der Unternehmen selbst. Die
wirtschaftspolitische Wende, die dem Mittelstand dauerhaft neue Dynamik geben
könnte, ist bei ihnen bislang kaum angekommen", so Jandura.
Die reale Umsatzentwicklung im Großhandel bleibt schwach. Preisbereinigt stiegen
die Umsätze im ersten Halbjahr 2026 lediglich um 1 Prozent und liegen damit
knapp unter dem Ergebnis für 2025. Für das Gesamtjahr erwartet der BGA deshalb
real ein Ergebnis knapp unter dem Vorjahresniveau. Auch von den zusätzlichen
schuldenfinanzierten Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur kommen bei
vielen Großhändlern bislang kaum direkte Impulse an. Zwar tragen die
zusätzlichen staatlichen Ausgaben zur konjunkturellen Stabilisierung bei. Ein
selbsttragender Aufschwung, der auf höheren privaten Investitionen und
verbesserten Standortbedingungen beruht, ist daraus jedoch noch nicht
entstanden. Der hohe Wettbewerbs- und Kostendruck begrenzt weiterhin die
Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Auch der Beschäftigungsabbau setzt
sich fort. 47 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen rechnen nicht
mit personellen Veränderungen im zweiten Halbjahr 2026. 19 Prozent der
Unternehmen wollen ihre Beschäftigung ausweiten, während 34 Prozent einen Abbau
planen.
"Die bessere Stimmung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Unternehmen
bei Beschäftigung und Ausbildung auf die Bremse treten. Wer Menschen einstellen
und junge Menschen ausbilden soll, braucht vor allem eines: verlässliche
Perspektiven. Wenn mehr Unternehmen Stellen abbauen als neue schaffen wollen,
ist das ein Warnsignal, das die Politik ernst nehmen muss", so Jandura weiter.
Besonders kritisch bewerten viele Personenunternehmen die steuerpolitische
Entwicklung. Sie sehen sich gegenüber Kapitalgesellschaften benachteiligt und
teilweise mit zusätzlichen Belastungen statt mit Entlastungen konfrontiert. Aus
Sicht des BGA braucht es deshalb Fortschritte bei der Rechtsformneutralität und
praxisgerechte Regelungen bei Umwandlungen, Thesaurierungsbegünstigung und
Körperschaftsteueroption. Auch bei Deregulierung und Vereinfachung in den
verschiedenen Rechtsbereichen erwarten die Unternehmen schnellere Fortschritte.
"Wer erfolgreichen Mittelstand stärker belastet, nimmt ihm genau das Geld, das
morgen für Investitionen und Arbeitsplätze gebraucht wird. Es kann nicht sein,
dass ausgerechnet diejenigen bestraft werden, die Gewinne im Unternehmen lassen
und damit Wachstum finanzieren. Mittelstandspolitik heißt, Investitionen zu
ermöglichen - nicht Erfolg abzustrafen," so Dr. Dirk Jandura.
Die detaillierten Ergebnisse der BGA-Konjunkturumfrage sind in der aktuellen
Ausgabe "Trends & Analysen Großhandel 2/2026" dargestellt. Die Publikation ist
auf der Internetseite des BGA abrufbar ( https://shorturl.at/wT3IF).
Pressekontakt:
Iris von Rottenburg
Abteilungsleiterin Kommunikation
Frederike Röseler
Pressesprecherin
Tel: 030/590099520
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Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/6564/6363760
OTS: BGA Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e
.V.
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